Letzte Woche habe ich euch Vaishaki und ihrer Schwester Pallavi vorgestellt. Ich habe euch erzählt, dass sie im Haus einer weiteren Frau aus Westbengalen wohnen. Nachdem die Mädchen in unsere Schule kamen, brachte diese Frau auch ihren Sohn zur Schule, um ihn hier einschreiben zu lassen. Sein Name ist Sudeep und er ist 12 Jahre alt.
Sudeeps Eltern arbeiten beide das Gleiche wie ihre Mieter: sie singen auch Kirtan in Tempeln und Ashrams in der Umgebung. Während Sudeeps Mutter ein festes Einkommen von etwa 15 Euro pro Monat hat, hat ihr Ehemann nur hin und wieder Arbeit. Also wissen sie eigentlich nie genau, wie viel Geld sie in einem Monat zur Verfügung haben – und darum vermieten sie auch einen ihrer zwei Zimmer.
Seit einem Jahr leben sie nun schon in diesem Haus. Sie haben es mit etwas Gespartem und einem Kredit von Verwandten gekauft, den sie noch nicht zurückgezahlt haben.
Als wir Sudeep fragten, ob er in der Schule oder in der Nachbarschaft Freunde hätte, erklärte er uns, dass seine Mutter ihm verboten hatte, Freundschaften zu schließen. Überrascht sehen wir sie an uns bekommen eine Erklärung: „Dann will er seine Freunde daheim besuchen und wir wissen ja nicht, was das für Leute sind!“ Also halten sie ihren Sohn davon ab, außerhalb der Schule und ihres Hauses soziale Kontakte zu knüpfen, so dass er nicht in falsche Gesellschaft gerät. Das ist die Lösung eines einfachen Geistes. Sie verstehen nicht, wie wichtig soziale Kompetenz in seinem ganzen Leben sein wird.
Obwohl sein Vater und seine Mutter es nicht gerne sehen, nimmt Sudeep oft das Fahrrad seines Vaters und fährt damit ums Haus, manchmal sogar weiter bis in die Gegend, wo andere Kinder unserer Schule wohnen. Man kann ein Kind nicht davon abhalten, Freundschaften zu schließen!
Diese Menschen scheinen sehr religiös zu sein. Ihr Arbeit ist in Tempeln und als die Jahresabschlussprüfungen begannen, kam Sudeeps Mutter mit einer kleinen Götterstatue zur Schule, einer Statue des Hindu Gottes Krishna, so dass Sudeep ihn noch einmal um Segen für die Prüfung bitten konnte.
Obwohl sie nun schon seit Jahren hart für Gott arbeiten und ihm Lobgesänge singen, hat sich die Situation der Familie noch nicht sehr verbessert. Sie verdienen immer noch nicht genug, um ihr Haus zu verputzen, der Kühler in ihrem Zimmer ist kaputt und wurde mit einem winzigen Ventilator ersetzt. Und jedes Jahr überflutet die Göttin Yamuna ihren Garten und ihr Haus. Vielleicht erhoffen sie sich immer noch Gottes Gunst.
Während Gott nicht allzu hilfreich erscheint, geben wir unser Bestes, um Sudeep und seine Zukunft zu unterstützen. Er ist nun bei uns in der zweiten Klasse und ist ein guter Schüler. Die Lehrerinnen freuen sich darüber, dass er ruhig ist und gut zuhört.
Wer gerne Kinder wie Sudeep unterstützen möchte, kann eine Kinderpatenschaft übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden. Zusammen können wir Kindern wie ihm helfen, für eine bessere Zukunft zu lernen.
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