Monika nach ihrer Operation – keine Besuche oder Anrufe von ihrem Vater oder ihrer Familie! – 29 Dez 14

Wohltaetigkeit

Sogar nachdem wir nun seit schon fast 48 Stunden wieder zurück im Ashram sind, denken Ramona und ich immer noch sehr viel an Monika. Nicht nur daran, wie es ihr jetzt nach der ersten Operation geht – worauf die Antwort ‚gut‘ lautet, den Umständen entsprechend – aber auch an ihre Familie, ihre Situation, unsere Erfahrungen im Krankenhaus und kleine Einzelheiten, über die wir uns unterhalten haben, seit wir uns am Samstag im Krankenhaus von ihr verabschiedet haben. Ich wollte all diese Eindrücke gerne mit euch teilen.

Bevor wir am Samstag nach Vrindavan aufbrachen, besuchten wir Monika noch einmal. Sie war wach und es ging ihr recht gut. Sie konnte Saft trinken und meinte bereits, dass die wässrige Suppe, die sie bekommen hatte, ihr überhaupt nicht geschmeckt hatte. Ich unterhielt mich ein bisschen mit den Ärzten, die die Operation durchgeführt hatten. Sie erzählten, dass alles gut gelaufen war und dass Monika nun ein paar weitere Tage im Krankenhaus bleiben müsste, so dass sie ihre Wunden im Blick haben können.

Danach wollen sie jeden zweiten Tag den Verband wechseln. Da es für Monika sehr erschöpfend wäre, jeden zweiten Tag drei Stunden ins Krankenhaus und dann wieder zurückzufahren, versuchen wir nun, für sie und ihre Mutter in der Nähe ein Zimmer zu finden, das wir für sie nächsten zwei bis vier Wochen mieten können. Dort kann sie sich dann erholen und viel leichter zum Krankenhaus kommen!

Wenn wir hier, zurück im Ashram, um das Feuer sitzen und unsere Hände über die Flammen halten, denken wir manchmal an Monikas Unfall und die Schmerzen, die sie gehabt haben muss! Als sie vor der Operation nervös war, sagten wir ihr, sie solle sich keine Sorgen machen – nie wieder wird etwas so schlimm sein, wie an den Tagen, die bereits hinter ihr liegen!

Wir bleiben nun über Telefon mit Monikas Mutter in Verbindung, die Monika im Krankenhaus Gesellschaft leistet, mit ihr spricht, ihre Hand hält und Witze macht, damit sie bei guter Laune bleibt. Die Krankenschwestern sind sowieso sehr freundlich und hilfreich und werden sich gut um sie kümmern!

Und das ist auch gut so – denn außer ihrer Mutter und uns, ist niemand Monika besuchen gekommen und es hat auch keiner angerufen! Ihre Familie ist nicht gekommen und sogar ihr Vater, der bis jetzt nicht einmal weiß, wie die Operation verlaufen ist, ob es ihr gut geht oder nicht, hat sich nicht die Mühe gemacht, anzurufen. Kein Anruf von zu Hause. Es ist schwer, sich das vorzustellen, aber so haben wir einfach all die guten Wünsche und wundervollen Nachrichten der Unterstützung überbracht, die Freunde und Helfer geschickt haben, um ihr zu zeigen, dass es da Leute gibt, die sich um sie Gedanken machen – und zwar ganz viele!

Es war mehr, als nur jemandem im Krankenhaus abliefern. Wir hätten einfach jemanden mit ihr mitschicken können und hätten dann nicht alles selbst machen müssen. Aber das wollten wir. Wir wollten für sie da sein und auch für uns war und ist es eine gute Erfahrung. Wenn man mit jemandem in einer tragischen Situation wie Monika’s ist und dabei offen ist, selbst da zu sein und zu helfen, bringst du dich selbst mit Körper, Geist und Herz ein!

Jetzt bereiten Purnendu, Ramona, Apra und ich uns auf einen Kurzurlaub in Amritsar vor, den wir gebucht hatten, schon lange bevor Monika wieder zur Schule kam. Wir werden uns ein paar Tage entspannen und die Zeit genießen – aber natürlich werden wir weiter an Monika denken und in Kontakt bleiben. Auf dem Weg zurück werden wir sie am 2. Januar besuchen und da die Ärzte gerechnet hatten, sie um das Datum herum aus dem Krankenhaus zu entlassen, möchten wir sie gerne an dem Tag zu ihrem Zimmer bringen. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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