Heute möchte ich euch zwei Mädchen vorstellen, die bereits seit vier Jahren an unsere Schule gehen: Sarita und Kavita. Vielleicht hast du Kavita schon einmal auf Bildern unserer Schulkinder gesehen – anders als die meisten ihrer Klassenkameraden und Mitschüler ist ihr Haar nicht typisch schwarz, wie das der meisten Inder, sondern von einem helleren braun. Irgendwo in ihren Genen liegt die Information für helleres Haar.
Ansonsten sind die beiden Mädchen jedoch ihren Klassenkameraden sehr ähnlich: sie gehen gerne zur Schule, selbst wenn sie nicht immer so viel Enthusiasmus für den Unterricht aufbringen, wie ihre Lehrerinnen gerne sehen würden. Kavita, die ehrgeizigere der zwei Mädchen kommt nun in die vierte Klasse, während Sarita eine Klasse wiederholt hat und letztes Jahr die zweite Klasse abgeschlossen hat. Sie reden mit ihren Freundinnen und spielen in ihrer Freizeit gerne unterschiedliche Spiele. Und wie all unsere Schulkinder kommen sie aus Familien, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen.
Sarita und Kavitas Vater verdienen Geld mit seinem Ochsenwagen, mit dem er Sand, Zement oder Ziegel von Warenhäusern und Geschäften zu Baustellen fährt. Es ist tägliche Arbeit gegen täglichen Lohn und obwohl er in den vergangenen Jahren Kontakte zu mehreren Bauleitern geknüpft hat, kann er nicht immer sicher sein, dass er auch Arbeit bekommt: er muss losgehen, nachfragen und dann zur Stelle sein, wenn sich eine Möglichkeit bietet. Auf diese Weise verdient er etwa 60 Euro pro Monat – manchmal mehr, manchmal weniger.
Mit diesem Geld bringt er sich selbst, seine Frau und seine vier Kinder über die Runden. Sarita und Kavita haben einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester, mit der sie gerne spielen. Meistens draußen auf der Straße – ihr Haus ist recht dunkel und der Hauptraum liegt fast zwei Meter tiefer als die Straße, weil er gebaut wurde, als die Straße auch noch so tief lag.
Es ist das Haus von Saritas Onkel, der Bruder ihrer Mutter. Ihre Mutter erzählt ihr, dass sie wieder Mutter noch Vater hat, die sie unterstützen könnten und dass sie nach deren Tod zu ihrem unverheirateten Bruder gezogen war. Er hat das ganze Haus geerbt – ihr Erbteil war ihr schon bei ihrer Hochzeit als Mitgift ausgezahlt worden.
Da ist das niedrigste Zimmer, in das man runterklettern muss und in dem die sieben Leute meistens schlafen. Manchmal gehen sie in das zweite Zimmer, das eigentlich nur aus drei Mauern und einem Blechdach besteht, sowie einer Öffnung zu dem Eingangszimmer. Dieser Eingang ist der Platz für den Ochsen, wo dieser nachts mit einem Futtertrog, Gras und Heu steht.
Natürlich ist es da ein bisschen stinkig und es gibt jede Menge Fliegen – aber sie wollen den Ochsen nicht draußen lassen, aus Angst, dass er gestohlen werden könnte. Untertags, wenn er nicht mit dem Vater der Mädchen bei der Arbeit ist, wird der Ochse zu einem offenen Platz draußen in der Sonne gebracht.
Das alles erzählt die Mutter, während sie sich über ihre schlimme Situation beklagt. Wir wissen auch, dass sie oft Streit mit ihrem Ehemann hat und bereits über Trennung und Scheidung nachgedacht hat. Obwohl es aber eine problematische Beziehung zu sein scheint, sind sie immer noch zusammen.
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