Kinderheirat, Kinderarbeit und Alkoholprobleme – Unsere Schulkinder – 24 Jan 14

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Heute möchte ich über einen Jungen schreiben, Rajendra, den ich euch bereits zuvor einmal vorgestellt habe. Während wir damals positiv auf die Zukunft seiner Familie sahen, können wir das Gleiche leider heute nicht mehr von ihnen sagen und wir hoffen nur, dass wir die Möglichkeit haben werden, Rajendra noch viele Jahre in unserer Schule zu haben.

Als ich 2010 über seine Familie schrieb, war die Familie gerade einige Monate zuvor nach Vrindavan gekommen und Rajendras Vater suchte nach Arbeit. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen Schwiegervater, seine Schwägerin, seine Tochter und zwei Söhne. Sie erzählten eine herzzerreißende Geschichte, wie die Mutter der Kinder an Nierenversagen starb, weil sie sich die Behandlung nicht leisten konnten, wie der Bruder des Vaters Selbstmord beging und wie sie einfach nur verzweifelt nach Arbeit suchten.

Wir stellten die drei Erwachsenen ein und nahmen die Kinder an unserer Schule auf mit dem Wunsch, eine positive Veränderung in ihr Leben zu bringen. Während der Großvater und die Tante den Ashram bald verließen und zurück in ihr Dorf zogen, holte der Vater, ein Rikscha-Fahrer, die Kinder jeden Tag mit seiner Rikscha ab und brachte sie wieder nach Hause. Doch das regelmäßige Einkommen, das wir ihm hierfür gaben, schien bald nicht mehr genug. Er wollte mehr Geld, kam oft vorbei, um nach extra Geld zu fragen und wollte bald so viel Geld, dass wir uns seinen Dienst nicht mehr leisten konnten. Dazu hatten wir auch noch die Vermutung, dass er einen Teil seines Gehalts auf Alkohol verwendete. Trotzdem unterrichteten wir seine Kinder weiterhin kostenlos.

Bis seine Tochter Rajbai eines Tages nicht mehr zur Schule kam. Wir gingen bei ihnen fragen, warum sie nicht mehr kam und erfuhren, dass sie ihre Tante auf dem Dorf besuchen gegangen war. Nein, sie würde eine ganze Weile lang nicht kommen können. Wir erklärten, wie schlecht das für ihren Fortschritt in der Schule wäre, wenn sie einen Monat oder sogar länger nicht kommen würde. Ja, er würde sie so bald wie möglich wieder zur Schule schicken. Das tat er nicht. Wir erfuhren später, dass sie wieder in Vrindavan war und als Dienstmädchen arbeitete. Dann, vor etwas mehr als einem Jahr, hörten wir, dass sie geheiratet hatte. Als wir 2010 über sie schrieben, war sie dreizehn. Bei ihrer Hochzeit war sie also fünfzehn Jahre alt.

Wenn man mit ihrem Vater darüber zu sprechen versucht, besteht er darauf, dass sie bereits achtzehn war und er sie erst vor ein paar Monaten verheiratet hat. Er versucht sogar, uns davon zu überzeugen, dass er keine andere Möglichkeit gehabt hatte, da er nicht genug Geld gehabt hatte, um sie zu durchzufüttern und großzuziehen. Wenn man ihren jüngeren Bruder Rajendra nach ihrer Hochzeit fragt, so wiederholt er einen Satz, den er gut auswendig gelernt hat: ‚Sie war achtzehn!‘ Es gibt keine Geburtsurkunde, die etwas anderes beweisen könnte.

Als letztes Jahr das neue Schuljahr begann, kam ihr Bruder Narendra nicht mehr zur Schule. Jetzt, mit vierzehn Jahren, arbeitet er in einem Geschäft in der Stadt, verkauft dort Chai, indischen Tee. Er hat kein Interesse daran, noch mehr zu lernen, sagte man uns und der Junge antwortete gar nichts. Alle Bemühungen, ihn zurück zur Schule zu bekommen, halfen nichts.

Als wir dieses Mal in den Winterferien wieder bei ihnen zu Hause ankamen, bekamen wir eine traurige Situation zu sehen. Rajendra rannte los, um seinen Vater aufzuwecken – um elf Uhr am Morgen. Er kam heraus, das Haar zerrauft und definitiv mit einem Kater. Er stank nach Alkohol. Er war im Bett gelegen, während sein älterer Sohn unterwegs war und Geld verdiente und sein jüngerer Sohn draußen spielte. Rajendra sagte ihm, er solle sich eine Jacke anziehen, versuchen, sein Haar in Ordnung zu bringen und drängte ihn immer wieder dazu, doch einen guten Eindruck zu machen.

Es versetzte uns einen Stich ins Herz, die Anstrengung dieses Jungen zu sehen, seinen Vater vorzeigbar zu machen. Wir hatten unser Gespräch, erfuhren, dass er mit seiner Rikscha heutzutage sehr wenig verdiente, wofür er das Wetter und alles Mögliche andere verantwortlich machte. Die Miete von etwa 15 Euro wird vom Gehalt seines Sohnes gezahlt, das etwa 30 Euro im Monat beträgt. Er sieht offensichtlich nicht die Notwendigkeit, selbst noch viel zu tun – wenn es für seinen Alkohol reicht, muss er sich um nicht viel mehr kümmern, da ja sein Sohn genug für alles andere verdient.

Wir gingen, nachdem wir ihm noch einmal eindringlich gebeten hatten, an die Zukunft seiner Kinder zu denken. Wir drängten ihn, nicht einmal daran zu denken, seinen letzten Sohn aus der Schule zu nehmen und erklärten ihm noch einmal die Vorteile einer soliden Bildung.

Es ist traurig, aber das ist es, wogegen wir ständig anarbeiten: Eltern, die ihre Kinder aus der Schule nehmen wollen, Kinderehen, Kinderarbeit, ein kleines Gehalt, das ihnen nun mehr wert ist als eine gute Arbeitsstelle in Zukunft. Wir werden uns weiterhin bemühen und anstatt uns von Situationen wie der von Rajbai und Narendra entmutigen zu lassen, wollen wir uns auf unseren Erfolg konzentrieren, den Fortschritt von Rajendra.

Er ist ein kluger Junge und lernt gut. Er ist fröhlich und begegnet einem immer mit Respekt. Es ist nie die Schuld des Kindes und deshalb werden wir alles für Rajendras Zukunft tun, was wir können.

Wer unsere Bemühungen unterstützen kann, kann eine Kinderpatenschaft übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden. Danke!

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