Wie ich gestern gesagt habe, haben wir heute in einer Gegend Essen verteilt, die schon wieder vom Wasser des Yamuna überflutet ist. Dieses Mal konnte ich selber erleben, wie die Menschen in einer Menge nach vorne drängen und jeder die Hand nach einer Boxen mit Essen ausstreckt. Und wenn sie eine erwischen, dann ziehen sie sie dir aus der Hand. Es macht einen traurig, diese Armut zu sehen, die nicht nur von der Überschwemmung kommt. Andererseits hilft es, zu sehen, dass wir etwas für sie tun, auch wenn uns nur ein kleiner Beitrag möglich ist.
Einige Kinder, die auf unsere Schule gehen, leben auch in der Gegend, in der wir heute Essen verteilt haben. Es ist toll, dass wir ihnen die Chance auf eine gute Zukunft geben können. Ich habe euch gestern von der Situation in Indien erzählt. Vor Jahren haben wir begonnen, Patenschaften für Kinder in einer anderen Schule zu übernommen, die nicht weit vom Ashram ist und jetzt haben wir unsere Schule. Manche Menschen fragen, warum wir diesen zusätzlichen Aufwand übernehmen; wir könnten stattdessen auch mehr Kinder in einer anderen Schule unterstützen und hätten keinen Verwaltungsaufwand. Doch seit langer Zeit hatte ich den Wunsch, eine Schule zu führen, in der alle Kinder gleichgestellt sind. Vielleicht habe ich darüber hier schon gesprochen. Ich möchte, dass alle Kinder von uns unterstützt werden, damit keines sich ärmer fühlt als die anderen.
Der Wunsch nach einer Schule hier ist noch gewachsen nach einem meiner letzten Besuche and der Grundschule, in der wir Paten für Kinder sind. Wir sind dorthin und haben auch einen Blick in die Klassenzimmer geworfen. Dort habe ich etwas gesehen, das mir wirklich nicht gefallen hat. Der Lehrer hielt einen Stock in der Hand. In Indien haben viele Lehrer noch ein veraltetes Konzept davon, wie man Kinder unterrichtet und in vielen Schulen werden Kinder zur Strafe auch noch geschlagen. Die Medien berichten auch fast regelmäßig von Fällen aus ganz Indien, in denen ein Kind von einem Lehrer verletzt wurde, der es bestrafen wollte. Als ich also den Stock in der Hand des Lehrers sah, fragte ich den Direktor der Schule danach. Er antwortete, dass der Stock nur dafür da wäre, um den Kindern Angst zu machen, aber der Lehrer würde ihn nicht wirklich benutzen. Ich habe ihm das nicht geglaubt und ihm auch meine Meinung dazu gesagt. Ich will nicht, dass irgendein Kind geschlagen oder auf eine Weise misshandelt wird. Das ist keine Art zu lernen! Sie sollten das Lernen und auch die Schule genießen und sich nicht davor fürchten.
Zu der Zeit wurde der Wunsch danach, unsere eigene Schule aufzumachen, immer größer und nach jeder Menge Bürokratie haben wir es auch geschafft. Jetzt können wir die Lehrer selber einstellen. Wir tragen die Verantwortung und können sicherstellen, dass die Kinder gut und auf die Weise behandelt werden, wie wir es möchten. Ja, es ist etwas mehr Arbeit, aber das ist, was wir tun wollen: Diese Kinder glücklich zu machen!
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