Natürlich gibt es bestimmte Gegenden in Vrindavan, in denen viele arme Leute wohnen. So mussten wir bei unserem Besuch bei Kumkum und Radhika sowie Vinita und Tejeswani nicht weit laufen, um Neha daheim besuchen zu können. Wir kennen die nun siebenjährige gut, da sie schon vor vier Jahren in unsere Schule gekommen ist – als wir noch eine Kleinkindgruppe für so jungen Mädchen und Jungs hatten. In diesem Jahr fing auch ihr Bruder Shivam bei uns in der Schule an.
Ungefähr zur gleichen Zeit, als Neha mit der Schule begann, zog die Familie um. Sie hatten davor zusammen mit Nehas Tanten und Onkeln bei ihren Großeltern gelebt, als klassische Großfamilie, aber mit Neha und ihren vier Geschwistern sowie ihren Cousins und Cousinen, wurde es im Haus ein wenig zu eng. Also baute die Familie ein kleines Haus auf dem Grundstück, auf dem sie zuvor Kühe gehalten hatten.
Diese Veränderung gab ihnen etwas mehr Platz – verbesserte ihre finanzielle Situation jedoch auf keine Weise! Nehas und Shivams Vater ist ein einfacher Arbeiter, der in einem Geschäft in der Nähe Waren von einem Ort zum anderen trägt und Besorgungen erledigt. Er verdient 3500 Rupien im Monat – nicht einmal sechzig US-Dollar. Es ist schwierig, eine siebenköpfige Familie mit so wenig Geld zu ernähren!
Mit diesem Wissen im Kopf war es für uns noch unverständlicher, warum der älteste Junge, 21 Jahre alt, nichts tat, um die Familie finanziell zu unterstützen! Die Mutter erzählte uns, dass er den ganzen Tag lang Kricket spielte, anstatt sich eine Arbeit zu suchen, mit der er seinem Vater beim Brotverdienen unter die Arme greifen konnte. Oder etwas zu lernen, um eine bessere Arbeit zu bekommen, so wie die ältere Schwester, die Geld zusammengespart hatte, um zur Universität zu gehen! Sie ist nun mitten im zweiten Studienjahr für einen Bachelor of Education! Sie gibt bereits Nachhilfe-Unterricht und kann so einen Teil ihrer Studien bezahlen.
Den Rest kann die Familie aber nur aufbringen, weil Neha und Shivam an unsere Schule gehen und keine einzige Rupie für ihre Schulbildung bezahlen müssen – sei das für die Bücher, Schuluniformen, Stifte oder ihr tägliches warmes Mittagessen. Sie haben beide viel Spaß in der Schule und sind auch sehr gute Schüler. Sie hatten gerade Prüfungen und beide Kinder haben sehr gute Noten bekommen! Und natürlich sehen sie all die Nachbarskinder jeden Tag in der Schule – also haben sie auch jede Menge Freunde!
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