Heute möchte ich euch der sechsjährigen Priyanka vorstellen. Sie ist nun schon seit einem Jahr bei uns an der Schule. Im letzten Jahr war sie in der höheren Vorschulklasse. Sie hat direkt in dieser Klasse angefangen und die niedrigere Vorschulklasse übersprungen. Das überrascht uns eigentlich nicht: ihre Mutter hat einen Bachelor of Education, also einen Universitätsabschluss in Bildung und weiß also, wie wichtig Bildung ist. Sie hat ihre Kinder also zu Hause unterrichtet.
Vielleicht fragst du dich nun, wie es kommt, dass die Tochter einer studierten, gebildeten Frau bei uns an der Schule ist. Der Grund ist einfach: ihre Mutter findet keine Arbeitsstelle. Es gibt viele Schulen in der Gegend, doch das Studium von Priyankas Mutter liegt viele Jahre zurück und heutzutage bekommen sogar Lehrer mit viel neueren Abschlüssen keine Arbeit – es gibt einfach zu viele von ihnen!
So ist Priyankas Vater zur Zeit der Einzige, der für die fünfköpfige Familie Geld verdient. Und das in einem Beruf, bei dem man am Ende des Monats nie weiß, wie viel Geld man in der Tasche haben wird: er ist Priester und Prediger. Er gibt religiöse Vorträge, rezitiert Schriften und führt auch in Privathäusern zu verschiedenen Anlässen Zeremonien durch.
Das ist das Familiengeschäft. Sein Vater hat vor ihm bereits die gleiche Arbeit gemacht und so lernte er es. Sie kommen ursprünglich aus einer Stadt, die eine halbe Tagesreise weit weg ist, doch da Vrindavan eine der Städte mit den meisten religiösen Programmen ist, zog Priyankas Großvater bereits vor vielen Jahren hierher. Er hat ein Haus mit fünf Zimmern gekauft, in denen nun er und seiner Frau, seine zwei Söhne und ihre Familien leben.
Das bedeutet für Priyankas Vater, dass er keine Miete zahlen muss. Eine Erleichterung, weil bereits die Ausgaben für Elektrizität, Essen und die Schulgebühren für seine zwei Söhne oft mehr sind, als er verdient. Er verlässt sich regelmäßig auf seine Eltern, Essen auch für seine Kinder zu kaufen, oder er leiht sich Geld von seinen Nachbarn.
Als es also Zeit war, Priyanka zur Schule zu schicken, standen ihre Eltern vor einem Problem: sie wussten, dass Bildung wichtig war, wussten aber auch, dass sie es sich nicht leisten konnten, Uniformen, Schulbücher, Schulutensilien zu kaufen und dazu noch Schulgebühren für ein weiteres Kind zu zahlen! Als sie von einer Nachbarin hörten, dass ihr Sohn bei uns zur Schule ging, schöpften sie Hoffnung! Vielleicht könnte ja ihre Tochter auch dort lernen!
Letztes Jahr kamen sie genau richtig für die Schuleinschreibung und so lernt Priyanka nun kostenlos bei uns an der Schule! Die Lehrer sind mehr als zufrieden mit ihr – sie ist eine sehr gute Schülerin, passt gut auf und macht immer ihre Hausaufgaben! Wir wissen, dass Priyanka, wenn sie weiterlernt, die Möglichkeit hat, viel mehr zu erreichen als das, zu dem ihre Eltern je in der Lage waren. Bildung ist für sie die Tür zu einem besseren Leben.
Hilf uns, armen Kindern noch mehr Türen zu öffnen! Werde Kinderpate oder spende das Essen für einen Tag!
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