Heute möchte ich euch Anushka vorstellen, einem achtjährigen Mädchen unserer Schule vorstellen. Nachdem sie sich an unserer Schule angemeldet hatte, wollten wir sie zuhause besuchen, konnten jedoch ihre Familie in dem Ashram, den sie als Adresse angegeben hatten, nicht finden. Die Leute im Ashram wussten nicht, wo sie hingezogen war und so kamen wir erst vor zehn Tagen zu Anushka nach Hause, als wir sie baten, uns zu zeigen, wo sie wohnt.
Wir kamen zu einem großen Haus, doch anstatt zur Vordertür zu gehen, ging Anushka direkt auf die Treppe zu, die in den Keller führte. Ihr Großvater kam heraus, um uns zu begrüßen und auf halben Weg nach unten sahen wir auf dem Treppenabsatz ein leichtes Bett, eine Wäscheleine und alltägliche Gegendstände, zwischen denen eine ältere Frau ein kleines Mädchen anzog. Das Mädchen war die eineinhalb-jährige Radhika, Anushkas Schwester und die ältere Frau war Anushkas Großmutter.
Die Mädchen und ihr Vater sind nun seit etwa einem Jahr in Vrindavan. Sie kamen ein paar Tage nach dem Tod von Anushkas Mutter.
Sechs Monate lang war die Frau krank. Sie war während der Schwangerschaft krank geworden. Ärzte stellten Tuberkulose fest. Sie nahm Medikamente, wurde immer schwächer und brachte trotzdem ein gesundes Mädchen zur Welt. Doch zwei Monate später starb sie.
Anushkas Vater, der als Fahrer in Gwalior gearbeitet hatte, beschloss nach Vrindavan zu ziehen, wo seine Eltern wohnten, so dass seine Mutter helfen konnte, seine Töchter großzuziehen und sich um sie kümmern konnte, während er arbeitete.
Anushkas Großeltern sind schon seit drei Jahren in Vrindavan. Der Großvater hatte in einem Ashram in unserer Nachbarschaft gearbeitet, hatte sich jedoch im Mai ein Bein gebrochen, kurz nachdem sie das Mädchen in unsere Schule eingeschrieben hatten. Mit gebrochenem Bein konnte er nicht mehr in dem Ashram arbeiten und wurde gebeten auszuziehen.
Sie durften in das Haus der Arbeitgeber von Anushkas Vater einziehen, eine bekannte Arztfamilie Vrindavans. Dort haben sie ein großes Zimmer im Keller – doch da sie selbst keine Möbel haben, schlafen sie auf Krankenhauspritschen, die die Ärzte aus ihrer Klinik mitgebracht haben und ihr eigenes Hab und Gut ist auf dem blanken Fußboden verteilt. Da es dort unten recht dunkel ist, verbringen sie ihre Tage auf dem Treppenabsatz.
Da der Großvater nun nicht mehr verdient, müssen sie mit dem Gehalt des Vaters auskommen, der als Fahrer etwa 100 Euro verdient. Mit diesem eingeschränkten Einkommen sind sie dankbar, dass sie einen Ort haben, an dem sie wohnen können und mehr als glücklich, dass Anushka an unserer Schule kostenlos lernen kann!
Ihr könnt Kindern wie Anushka helfen, indem ihr eine Kinderpatenschaft übernehmt oder das Essen für einen Tag spendet.
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