Als wir letzte Woche unterwegs waren, um unsere Schulkinder zu besuchen, gingen wir in eine der ärmeren Wohngegenden Vrindavans, wo mehrere unserer Schulkinder leben. Als wir aus einem der Häuser kamen, wollten wir gerade in die nächste Straße einbiegen, als wir einige Mädchen sahen, die dort spielten. Eine von ihnen erkannten wir. Es war Nandini, ein zwölf Jahre altes Mädchen, das im Juli zusammen mit ihrem 13-jährigen Bruder Mohit zu uns an die Schule gekommen war. Wir fragten sie wo sie lebte und sagten ihr, dass wir sie nun daheim besuchen kommen würden. Wir sahen eine Reaktion, die wir nicht erwartet hatten.
Während die Kinder sich normalerweise freuen und aufgeregt sind, wenn wir zu ihnen nach Hause kommen, fühlte sich Nandini sichtlich unbehaglich. Sie sagte uns, wenn wir nun zu ihnen nach Hause gingen, würde sich ihre Mutter über ihren kleinen Bruder beschweren und später sie und Mohit schlagen. Als wir das hörten, blieben wir stehen und hörten uns erst einmal an, was sie uns über die Situation bei sich zu Hause erzählte.
Nandinis und Mohits biologische Mutter starb vor zehn Jahren. Sie haben eine kleine Schwester, die seit dem Tod der Mutter bei deren Familie lebt. Vor vier Jahren heiratete ihr Vater ein zweites Mal und ihre neue Mutter, wie sie sie nennen, brachte ein Mädchen zur Welt, das nun fast drei Jahre alt ist. Das ältere Mädchen und der Junge lieben ihre Stiefschwester – aber sie haben große Probleme mit ihrer Stiefmutter. Sie schimpft sie oft aus, verwendet dabei Schimpfwörter und schlägt sie. Darum verbringen sie ihre Zeit zumeist draußen auf der Straße anstatt daheim zu spielen.
Wir beschlossen, ihre Familie trotzdem zu besuchen und zu versuchen, mit ihrer Mutter über die Gewalt zu sprechen, die diese Kinder offensichtlich regelmäßig erleben. Auf dem Weg zu ihnen nach Hause, gesellte sich Mohit zu uns und wir fragten sie, wie ihnen unsere Schule gefällt. Sie waren beide in Vrindavan schon auf eine andere Schule gegangen, wechselten in diesem Jahr aber zu unserer Schule, weil es für die Familie zu teuer wurde. In einer normalen Schule mussten sie jeden Monat Schulgebühren zahlen, Gebühren für die Prüfungen zahlen, die Uniformen, Stifte, Bücher und alles, was notwendig ist kaufen. Für ihren Vater, einen einfachen Schneiders-Gehilfen, ist es mit seinem Gehalt von drei US-Dollar pro Tag nicht leicht, das alles aufzubringen. Fünf Menschen müssen davon leben. Unsere Schule kostet die Familie überhaupt nichts – es ist also nicht überraschend, dass er sie zu uns gebracht hat.
Für die Eltern ist es eine finanzielle Erleichterung – die Kinder sehen da noch einen weiteren Vorteil: in ihrer vorherigen Schule wurden sie von ihren Lehrern geschlagen. Körperliche Bestrafung ist in Indien immer noch ganz üblich und so sind die Kinder froh, in der einzigen Schule zu sein, von der sie wissen, dass kein Lehrer die Kinder schlägt.
Als wir bei den Kindern zu Hause ankamen, redeten wir mit ihrer Stiefmutter. Sie sagte klar und deutlich, dass in ihrem Haus üble Beschimpfungen, Beleidigungen und Schläge an der Tagesordnung sind. Warum sie die Kinder schlägt? Weil sie es nötig haben, weil sie ungezogen sind und ihre Lektion lernen müssen.
Wir wissen, dass körperliche Gewalt in einem normalen indischen Zuhause keine Seltenheit ist. Trotzdem oder eigentlich genau deswegen haben wir unser Bestes getan, um dieser Mutter verständlich zu machen, dass sie sie nicht schlagen sollte. Wir haben erklärt, wir haben geredet und wir haben unser Bestes gegeben. Wir wissen, dass wir Nandini und Mohit mit unserer Schule einen sicheren und gewaltfreien Ort geben und wir hoffen, dass sich das Verhalten ihrer Familie mit unseren Anstrengungen jetzt und in Zukunft vielleicht auch ändert.
Wenn ihr uns bei unserer Arbeit helfen wollt, könnt ihr das tun, indem ihr die Patenschaft für ein Kind oder das Essen für einen Tag übernehmt.
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Hallo Swami,Ich finde es erschreckend,
es gibt keinen Unterschied zwischen Indien und den Rest der Welt.
Wie wir mit unserer Zukunft( Kinder) umgehen, traurig.
Du kennst es ja, Indien -Europa-Deutschland.
Unsere Kinder müssen schon kurz nach der Geburt auf Leistungsdenken trainiert(programmiert) werden, um Erfolg zu haben.
LANGSAM frage ich mich- in welcher Welt lebe ich?