Ich möchte euch gerne dem ältesten Schüler unserer niedrigsten Klasse, dem LKG vorstellen. Es ist die Vorschulklasse, in der für gewöhnlich Kinder im Alter von etwa fünf Jahren Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, mit kleinen Pausen für Lieder und Spiele. In unserer Schule jedoch kommt es nicht selten vor, dass ein älteres Kind auch in dieser Klasse sitzt, weil er oder sie noch nie wirklich zur Schule gegangen ist, genau wie dieser Junge. Sein Name ist Vipin und er ist 13 Jahre alt.
Vipin ist der Jüngste von vier Geschwistern. Sein ältester Bruder ist 21 Jahre alt und arbeitet, trägt also zum Familieneinkommen bei. Er repariert Motorräder, während sein Vater Kleidung für Götterstatuen bestickt. Zusammen verdienen sie etwa 100 Euro. Das ist gerade genug für die Ausgaben der Familie: Miete, Essen, Kleidung und natürlich die Schulgebühren, Uniformen, Bücher und anderen Schulsachen für die nächsten zwei Kinder.
Vipins zweiter Bruder ist 18 Jahre alt und geht ins College, ein recht teures Unterfangen für eine Familie mit niedrigem Einkommen. Seine 15-jährige Schwester geht auch noch zur Schule.
Mit zwei Kindern, die zur Schule gehen und nicht in jungem Alter ausgeschieden sind, wundert man sich vielleicht, warum Vipin bis jetzt noch nicht zur Schule gegangen war. Er hat es in einer staatlichen Schule versucht. Dort jedoch wurde er für seine Flausen geschlagen und da die Schule sowieso keinen guten Bildungsstandard hatte, so dass er auch nach mehreren Monaten noch nicht wirklich viel gelernt hatte, sagte er seinen Eltern, dass er nicht mehr hingehen wollte.
Seinen Eltern machte das nichts aus. Sie hatten bereits zwei Kinder, für die sie Schulgebühren zahlten und konnten sich kein drittes leisten. Er wollte sowieso nicht mehr in die staatliche Schule und eine Privatschule, die ihm vielleicht gefallen hätte, hätte zu viel gekostet. Also blieb er einfach daheim.
Wir fragten ihm, was er denn den ganzen Tag lang machte. Nichts, antwortete er. Wir fragten, wie es denn kommt, dass er sich nun in unserer Schule einschreiben lassen wollte. Die Antwort war, dass er es sich jetzt anders überlegt hatte und lernen wollte. Zwei Mädchen in seiner Nachbarschaft gingen in unsere Schule und hatten ihm erzählt, dass wir auch ältere Jungs und Mädchen mit den Kleinen aufnehmen. Dazu kommt, dass unsere Schule gewaltfrei ist, also würde er von seinen Lehrern nicht geschlagen werden! Und, was für seine Familie am Wichtigsten war, wir würden ihn kostenlos unterrichten!
Wir waren uns zum Zeitpunkt der Schuleinschreibung nicht sicher, ob er wirklich kommen würde. Aber da ist er, jetzt nun vier Monate ins neue Schuljahr, die ersten Tests geschrieben und dazu noch ziemlich gut. Er geht gerne in die Schule – und wir glauben, dass das auch so bleibt!
Du kannst uns helfen, Kinder wir Vipin zu unterstützen, indem du eine Kinderpatenschaft übernimmst oder das Essen für einen Tag spendest.
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