In einem meiner Tagebucheinträge letzte Woche habe ich euch erzählt, dass die Leute mich fragen, ob Apra denn nie schlechte Laune hat. Dabei sagte ich auch, wie seltsam ich die Vorstellung fand, dass das notwendig sein sollte. Jeden Tag sollte eine Zeitspanne in schlechter Stimmung verbracht werden – ein Konzept, dem ich absolut nicht zustimme. Ich habe diese Art von Einstellung jedoch bei vielen Menschen gesehen und zumeist im Westen. Das bringt mich dazu, heute über die westliche Vorstellung zu sprechen, dass man zumindest hin und wieder schlechte Laune haben muss.
Zunächst einmal will ich dieses Konzept all denen vorstellen, die nicht damit vertraut sind: Dir geht es im Allgemeinen gut und in deinem Leben hast du keine größeren Probleme. Deiner Familie geht es gut, du bist nicht krank und du hast eine Arbeitsstelle oder genug geld, um dein Leben so zu leben, wie du es jetzt schon seit einer Weile lebst. Es ist also eigentlich alles in Ordnung und du solltest glücklich sein. Aber halt, da ist er, dieser Gedanke, solltest du nicht hin und wieder auch schlechte Laune haben? Das ist der Zeitpunkt, an dem die Leute sich irgendetwas suchen, worüber sie sich ärgern können. Und dann ärgern sie sich. Da kann man dann überhaupt nichts dagegen machen. Sie glauben, es ist ihr Recht und ihre Pflicht, nun brummig zu sein, eine Schnute zu ziehen und einen allgemeinen Eindruck der Unzufriedenheit zu machen.
Sie können jede Art von Grund dafür nennen, dass sie sich in dieser Stimmung befinden, egal, wie klein und unbedeutend dieser ist: das Wetter, ein Mückenstich, ein abgebrochener Nagel, ein verlorener Stift oder eine abgesetzte Fernsehsendung. Die ‚Gesamtsituation‘ wird auch oft zum Schuldigen ernannt. In Wirklichkeit jedoch gibt es überhaupt keinen Grund. Es ist einfach nur das Gefühl, dass man ab und zu schlechte Laune braucht.
Leider wird dieses Verhalten jedoch leicht zur Gewohnheit und man sieht, wie die Leute sich jeden Tag immer länger Zeit dafür nehmen. Es ist eine Sucht, etwas, was sie ‚tun müssen‘, was sie irgendwann nicht einmal mehr kontrollieren können, so dass sie nicht wissen, wie sie es verhindern oder da wieder herauskommen! Plötzlich ist alles um sie herum schlecht. Sie sind so entschieden negativ, dass sogar Dinge, die sie normalerweise als schön empfinden würden, urplötzlich hässlich sind. Mit ihrer Laune verpesten sie die Atmosphäre und die Stimmung der Leute um sie herum.
Es gab bereits viele Versuche, dieses Phänomen zu erklären. Ein Gedanke ist, dass sie dieses schlechte Gefühl brauchen, um einen Kontrast zu all dem Guten zu haben, was um sie herum geschieht – so dass sie sich später damit wieder gut fühlen können.
Diese Theorie würde bedeuten, dass es ein Problem ist, das nur für Leute existiert, denen es zu gut geht, als dass sie es wertschätzen könnten. Die Lösung wäre, einfach an Leute zu denken, die es nicht so gut haben und dann wäre alles in Ordnung. Ich bin mir da aber nicht so sicher. Ich glaube, dass es eher eine Frage der allgemeinen Negativität ist, an die sich die Menschen gewöhnen und die sie dann nicht mehr loswerden. Sie haben sich zu sehr an dieses Gefühl gewöhnt.
Lasst mich euch helfen, wieder zu eurem guten Gefühl zurück zu finden. Meditation hilft natürlich, so wie eine gelassene und ausgeglichene Haltung. Sport und Yoga helfen auch. Was jedoch am Besten hilft, ist zu erkennen, was genau du tust, wenn das geschieht. Du machst dir deine eigene Laune kaputt! Nicht die von anderen, deine eigene! Vielleicht lassen sich andere davon anstecken, aber wenn es zur Normalität wird, dass du schlechte Laune hast, gewöhnen sie sich da einfach dran! Stell dir einmal vor, wie viel schöner es wäre, nicht nur für andere, sondern auch für dich, wenn du stattdessen gute Laune hättest!
Manche Leute sagen, dass Stimmung nicht wie ein Schalter ist, den man einfach so umlegen kann – aber wenn du deine eigene Stimmung nicht ändern kannst, wer denn? Du bist derjenige, der es tun kann, also komm aus deinem eigenen Mitleidssumpf heraus und sei glücklich!
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