Ich habe euch gestern erzählt, dass eine Großfamilie das Beste ist für ältere Leute. Es gibt immer mehr Liebe für einen Elternteil oder einen Großelternteil, als es je für einen Fremden geben kann, einen Patienten in einem Altersheim, jemand, der deinen Arbeitgeber bezahlt. All das hört sich toll an, aber es gibt Leute, die hierfür nicht gemacht sind! Menschen, die in einem Altersheim leben wollen – was ist mit ihnen?
Ich glaube wirklich, dass es Menschen gibt, die nicht für ein Leben in der Großfamilie gemacht sind. Sie wollen in einem Altersheim leben, sie sind dafür bereit und haben sich für ein solches Leben vorbereitet. Ihr Verstand ist bereits in einem solchen Rahmen und hat diese Situation als Tatsache akzeptiert. Das Leben in einer Familie zu diesem Lebenspunkt wäre für sie sehr schwierig.
Im Westen sehe ich das oft, hauptsächlich, weil es für Kinder normal ist, im Alter von 18 Jahren auszuziehen. Sie suchen sich ihren eigenen Ort, leben ihr Leben, haben eines Tages Kinder und leben dann die nächsten 18 Jahre mit ihnen. Danach sind sie wieder allein, vielleicht zu zweit mit Partner. Sie sind das viele Leben, das in einer Großfamilie stattfindet, nicht gewohnt. Im Gegenteil, sie sind die Stille ihres Hauses gewöhnt, den Frieden und die Einsamkeit, Zeit allein oder das Zusammensein, nur zwei Menschen oder sie allein.
Jahrelang haben diese Leute ihren Lebensstil den Wünschen oder Bedürfnissen anderer Leute um sich herum nicht anpassen müssen. Wenn sie einen Partner oder Ehepartner haben, kennen sie einander so gut, dass nach so vielen Jahren nichts mehr übrig ist, das sie überraschen könnte. Ihr Verstand ist auf einen täglichen Zeitplan eingespielt und je älter sie werden, desto schwieriger wird es, etwas zu verändern.
Ein volles Familienleben mit ihren Enkeln wäre zu viel für sie. Es würde sie sehr stören, wenn sie vom Weinen eines Kindes aufgeweckt würden und einfach nur zu viel für sie, wenn den ganzen Tag Vorschulkinder um sie herumrennen würden. Mehr als mit den Kindern jedoch wäre es schwierig für sie, mit den Erwachsenen klarzukommen! Wenn man lange voneinander getrennt gelebt hat, ist man die ganzen kleinen Gewohnheiten des anderen nicht mehr gewöhnt! Schnell gibt es dann kleine Dinge, die jeden nerven – und dann sieht man keinen Schimmer des friedlichen, glücklichen Zusammenlebens mehr!
Das Hauptziel eines jeden Konzepts ist, die Leute glücklich zu machen. Und in dieser Hinsicht würde ich sagen, dass es Leute gibt, die einfach nicht für das Leben in einer Großfamilie gemacht sind! Sie fühlen sich an einem Ort gut, wo sie jemanden zahlen können, der sich um sie kümmert, wo sie einen geregelten Tagesablauf haben und allein sein können, wenn sie es sein wollen.
Diejenigen jedoch, die in der indischen Kultur und einer indischen Großfamilie aufgewachsen sind, hätten Schwierigkeiten, sich daran zu gewöhnen. Sie würden, glaube ich, immer vorziehen, unter Leuten zu sein. Genauso ist es, wenn ich an einige meiner westlichen Freunde denke: sie würden sich in einer indischen Umgebung mit jeder Menge Leuten um sie herum nicht wohlfühlen.
Am Ende hängt da ganz viel vom Aufwachsen, der Kultur und der mentalen Einstellung ab!
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