Thomas und Iris sind für das lange Wochenende hergekommen und heute morgen nach dem Aufstehen hatte ich eine Art morgendlichen Satsang mit Thomas. Wir sprachen über das Alleinsein und sich einsam fühlen. Hier haben viele Menschen Angst davor, allein zu sein. Doch man hört sehr oft den Satz ‚Es macht mir nichts aus, allein zu sein’. Und man merkt, dass diejenigen, die das am meisten behaupten, können nicht wirklich allein sein, ohne sich einsam zu fühlen.
Die Kultur, die Gesellschaft und die Familienstruktur hier schafft es, das Menschen einsam sind. Also denken die Leute, es wäre gut, dass man es schafft, sich nicht mehr einsam zu fühlen. Deswegen bemühen sich die Menschen, sich für die Einsamkeit zu rüsten und wiederholen den Satz ‚Ich kann allein sein’. ‚Ich brauche meinen Freiraum’ ist auch ein Satz, der oft von denen benutzt wird, die eigentlich gerne jemanden um sich hätten. Die Gesellschaft macht das notwendig und sie bereiten sich auf das Alleinsein vor. Und trotzdem gehen sie am Abend aus und suchen nach Gesellschaft.
Ich fühle mich nie einsam. In der Höhle war ich mehr als drei Jahre ganz allein mit mir und meinem Gott. Und sogar davor gab es viele Male, dass ich für längere Zeit allein war. Als ich in Bombay war, lebte ich mit einer Familie und in ihrer Wohnung hatte ich einen Raum mit Badezimmer. Täglich konnten für zwei Stunden, von vier bis sechs, Menschen zu mir kommen. Den Rest der Zeit war ich in diesem Raum, die Familie gab mir Frühstück und Abendessen und abgesehen davon hatte ich nicht viel Kontakt mit ihnen. Es war schön für beide Seiten, sie störten mich nicht und ich störte sie nicht. Einen ganzen Monat lang war ich in diesem Raum und kam nicht ein einziges Mal heraus.
So bin ich. Ich muss nicht viel rausgehen. Natürlich liebe ich die Natur und es ware schön, immer in der Natur zu sein, aber ich muss nicht in Städte gehen, um Dinge oder Menschen zu sehen. Ich bin kein Tourist und ich mache keine Sehenswürdigkeiten-Tour. Ich war so oft in Bombay und ich habe sogar nur ein paar Hundert Meter entfernt von der Haupt-Sehenswürdigkeit dort gelebt, dem Gateway of India. Aber ich war bis zum letzten Jahr nie dort. Hier werde ich auch manchmal gefragt, ob ich nicht mal rausgehe, aber ich fühle mich wohl, bloß hier zu sein, mit mir, mit Freunden, ich muss nirgendwo sonst sein.
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