Mangelndes Vertrauen macht einem das Leben schwer! – 5 Jun 14

Vertrauen

Gestern habe ich beschrieben, wie Familien immer weniger Familienleben haben und so immer weniger am Leben des jeweils anderen teilnehmen. Das führt zu einem weiteren Problem, das ich heute ansprechen möchte: zwischen Familienmitgliedern besteht wenig bis kein Vertrauen!

Es ist eigentlich ganz klar: um Vertrauen zu entwickeln, muss man einander kennen. Um einander kennen zu lernen, muss man Zeit miteinander verbringen. Je mehr Zeit man mit dem jeweils anderen verbringt, desto besser lernt man ihn kennen und desto mehr kann man ihm vertrauen. Doch heutzutage verbringen die Menschen keine Zeit mit ihren Familienmitgliedern. Sie haben keine Zeit, sie kennen zu lernen. Das bedeutet, sie können das Vertrauen, von dem ich gesprochen habe, einfach nicht entwickeln!

Das ist eigentlich sehr traurig, weil es in dieser Welt sowieso schon so schwierig ist, jemandem zu vertrauen! Deine Familienmitglieder könnten die zuverlässigsten Menschen um dich herum sein, diejenigen, denen du am leichtesten vertrauen könntest. Doch in Indien und noch mehr im Westen leben die Menschen einfach nicht mehr in richtigen Familien zusammen. Was auch immer die Gründe sein mögen, die Menschen sind einander nicht mehr nahe. Ich glaube, das ist teilweise ein Grund für die große Anzahl an Patienten in Psychotherapie heutzutage.

Wenn man jemandem vertrauen kann, kann man sich entspannen. Es gibt einem Frieden im täglichen Leben und auch mentalen Rückhalt in schwierigen Situationen. Selbst wenn ein Problem nicht so schlimm wird, dass man seinen Bruder um Geld bitten muss, so weiß man doch, dass er da ist und einem auch etwas leihen würde. Man weiß, dass man für eine Weile in das Haus seiner Eltern ziehen könnte, wenn es mit dem Partner in der gemeinsamen Wohnung nicht klappt. Man weiß, dass man seine Schwester, eine Anwältin, Ärztin, Köchin oder Mutter um ihre professionelle Hilfe bitten könnte, wenn man diese braucht. Doch das alles kann man eben nicht – weil da kein Vertrauen besteht!

Ohne zu tief in diesen Bereich zu gehen, möchte ich nur noch eine weitere Folge dieses fehlenden Vertrauens deutlich machen: Banken verdienen mehr Geld! Wenn sich in früheren Zeiten Familienmitglieder voneinander Geld geliehen haben, zögern sie nun, ihre eigenen Geschwister zu bitten, ihnen etwas zu leihen, selbst wenn es nur ein paar Hundert sind. Sie würden lieber ihr Bankkonto überziehen und dann jede Menge Zinsen zahlen. Menschen nehmen einen Bankkredit auf, um ihren Eltern das Haus abzukaufen – anstatt es Monat für Monat abzuzahlen, genau wie sie nun ihren Kredit abbezahlen. Die Einzigen, die daran verdienen, sind die Banken. Sie ziehen Gewinn aus dem mangelnden Vertrauen!

Es ist ein Problem, das in der Gesellschaft tief verankert ist. So tief, dass die meisten Menschen die Folgen nicht einmal als wahre Probleme wahrgenommen werden. Sie verstehen, warum es so ist, wie es ist. Weil sie selbst kein Vertrauen haben.

Ich weiß, dass sie nicht vertrauen können, aber es wäre doch toll, wenn sie es könnten. Ich verstehe, warum es nicht möglich ist, aber ich wünschte, es wäre so!

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