Wahrnehmung mit freiem Geist – Keine Vorurteile durch Ratschläge anderer – 11 Nov 11

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Gestern habe ich über die Angewohnheit geschrieben, die Verantwortung anderer als die eigene zu übernehmen. Es ist wirklich eine sehr verbreitete Angewohnheit und viele Menschen erkennen nicht, dass sie die Verantwortung für das ganze Leben anderer übernehmen, bis es eines Tages zu viel wird. Das Gleicht geschieht jedoch im täglichen Leben auch mit vielen kleineren Dingen. Man kann oft hören, wie jemand einem anderen einen Rat gibt, bevor derjenige etwas tut, was ihn praktisch davon abhält, seine eigene Erfahrung zu machen.

Das ist dir bestimmt auch schon passiert. Du hast einen Termin, um dich mit jemandem zu treffen und ein Freund, der den anderen auch kennt, sagt dir zwei Minuten bevor ihr euch trefft ‚Aber sei vorsichtig und glaube nicht alles, was er sagt, er übertreibt wirklich immer‘. Nach dieser Aussage gehst du mit dieser Person anders um, obwohl du ihn noch nie zuvor getroffen hast. Du hast schon vorher eine bestimmte Einstellung. Im Geschäft kann es nützlich sein, über seinen Gesprächspartner schon im Voraus solche Informationen zu haben. Man kann von älteren und erfahreneren Kollegen zum Beispiel lernen, dass derjenige, mit dem man sich trifft, nicht gerne zu einer Entscheidung gedrängt wird oder dass er ein sehr impulsiver Mensch ist. In privaten Beziehungen schafft es jedoch oft unnötige Vorurteile und Spannungen. Wenn du wie ein leeres Blatt hingegangen wärst, um diese Person zu treffen, ohne also irgendetwas über denjenigen zu wissen, hättest du ihn oder sie auf eine ganz andere Weise wahrgenommen.

Das ist jedoch nicht nur bei Menschen so, sondern auch bei Orten, in der Mode und in allen möglichen Situationen. Wenn du die Wahrnehmung eines anderen Menschen vorher gehört hast, wenn du etwas weißt, bevor du es selbst erfährst, beginnst du bereits mit einem ganz anderen Eindruck. Die Frage ist, was wir dafür tun können? Schließlich bekommen wir von allen Seiten solche Informationen!

Du kannst dich immer wieder selbst daran erinnern, dass du keine Vorurteile haben solltest. Hat dir jemand etwas negatives über eine andere Person oder einen anderen Ort gesagt? Geh hin und mach dir selbst ein Bild. Du kannst es im Kopf behalten und es kann auch eine hilfreiche Warnung sein, es muss aber für dich nicht unbedingt richtig sein. Bleibe ein unbeschriebenes Blatt und bleibe offen für andere Erfahrungen.

Noch wichtiger als dich selbst von den Eindrücken anderer Leute abzugrenzen ist jedoch, anderen Menschen keine solche Vorstellungen zu geben. Gib auch, dass du deine Meinung nur sagst, wenn du danach gefragt wirst. Du bist nicht für die andere Person verantwortlich, also musst du ihm oder ihr keinen Rat geben, außer derjenige möchte es so. Nur weil du einen Ort zu groß, zu klein, zu ruhig oder zu beschäftigt findest, bedeutet das nicht, dass es dem anderen dort nicht gefällt. Vielleicht mag der andere ja genau diese Stille, die dich gestört hat. Vielleicht macht dem anderen der extra Platz oder auch die Nähe nichts aus, die dir nicht gefallen hat. Oder vielleicht ist es nicht so voll dort, wenn der andere dorthin geht. Du kannst es nicht wissen und du solltest dem anderen keinen Eindruck geben, der seine oder ihre Wahrnehmung verändern könnten. Das ist besonders bei negativen Ratschlägen wichtig.

Der Hauptgrund dafür, seine Meinung für sich zu behalten, außern wenn man gefragt wird ist, dass man selbst einen falschen Eindruck haben könnte und dass andere Menschen es anders erleben könnten. Es gibt eine sehr beliebte Geschichte aus einer Schrift der Vedanta Philosophie. Vier blinde Männer stoßen auf einen Elefanten. Da sie den Elefanten nicht sehen können, fassen sie ihn an, um herauszufinden, was ein Elefant ist und wie er aussieht. Einer von ihnen nimmt den Schwanz in die Hand und sagt ‚Ein Elefant ist wie ein Seil!‘ Ein anderer berührt das Bein und ruft ‚Nein, er ist wie eine Säule!‘ Der dritte, der ein Ohr des Elefanten befühlt, erwidert ‚Der Elefant ist wie ein großer Handfächer!‘ Doch der vierte wirft ein ‚Nein, ein Elefant ist wie eine Anakonda!‘ Er hatte den Rüssel des Elefanten berührt.

Diese Geschichte zeigt sehr schön, dass man nur seine eigene Wahrnehmung kennt und daraus Schlüsse zieht, ohne das Gesamtbild zu kennen. Du bist wie ein blinder Mann, der versucht den anderen zu erzählen, wie die Welt aussieht. Der andere könnte jedoch ein vollkommen anderes Bild bekommen. Versuche also nicht, den anderen von dem zu überzeugen, was du fühlst oder siehst. Lass andere die Welt selbst entdecken. Wenn sie kommen und dich nach deinem Eindruck fragen, kannst du ihnen mehr erzählen, aber gib ihnen nicht schon vorher deinen Eindruck und versuche nicht, sie zu überzeugen.

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