Wie das Leben unserer Mutter vor unseren Augen entschwand – 11 Dez 12

Tod

Als Erstes möchte ich allen danken, die uns nach ihren Liebe und Kraft gewünscht haben und Beileid und Mitgefühl ausgedrückt haben. Auf sozialen Netzwerken, per Email, SMS und über das Telefon haben uns Menschen gesagt, dass sie unseren Schmerz und unsere Trauer über Ammajis Verlust teilen. Freunde von der ganzen Welt, die sie hier im Ashram kennen gelernt haben und Essen von ihrer Hand gegessen haben, sind genau wie wir geschockt über die die Nachricht ihres Todes. Für sie alle und für all diejenigen, die sie nicht haben kennen lernen können, aber mit uns fühlen, möchte ich die aufkommenden Fragen beantworten, soweit ich selbst eine Antwort darauf habe. Es scheint uns allen auch immer noch unwirklich, unvorstellbar.

Ich beginne am Besten mit einer Beschreibung unseres Sonntag Abends, des letzten Abends mit unserer Mutter. In den letzten Jahren hatten wir eine kleine Winter-Tradition entwickelt: jeden Sonntag Abend machten wir ein Feuer aus Kohlen, auf denen meine Mutter dann eigenhändig kleine Brote backte. So saßen wir auch vorgestern alle um einen Feuertopf zusammen: die Ashram Familie, unsere Gäste und mein Freund Govind und seine Frau. Ammaji machte die Brote und reichte sie zu uns hinüber, warm und frisch vom Feuer. Zum Nachtisch hatten wir Gajar ka Halwa, ein Gericht aus Karotten, das eines ihrer Apecialitäten war und dabei noch mein Lieblingsgericht. Wie immer bestand sie darauf, dass wir noch etwas mehr aßen und wir lachten, hatten Spaß und waren glücklich.

Wir gingen wie normal schlafen und sie tat das Gleiche. Mitten in der Nacht jedoch, gegen 2 Uhr, schaltete sie das Licht an, wovon Babbaji aufwachte. Er schlug die Augen auf und setzte sich hin und sie stand an der Tür und sagte ihm, dass sie sich nicht gut fühlte. Er dachte, sie hätte Probleme mit Luft im Bauch, nach dem Abendessen, also versuchte er, sie zu beruhigen, sagte ihr, sie solle sich hinsetzen und sich wieder hinlegen. Nach ein paar Minuten jedoch setzte sie sich wieder hin und sagte ihm, er solle Purnendu rufen, dessen Zimmer am Nächsten ist. Er kam und sie sagte ihm, dass sie Schwierigkeiten mit dem Atmen hatte. Das beunruhigte Purnendu und schnell holte er mich. Er klopfte an unserer Tür, sagte, ich solle kommen und natürlich stand ich sofort auf. Da Apra von der plötzlichen Bewegung um sie herum aufgewacht war, fing Ramona an sie zu stillen und sagte, sie würde rüberkommen, wenn sie fertig wäre. Ich ging schnell in Ammajis Zimmer, wo Purnendu gerade mit Yashendu ankam, den er auch holen gegangen war.

Ich sah, dass Ammaji stark schwitzte und schwer atmete. Sie sah uns jedoch an und sprach mit uns, sagte, dass das Atmen schwer war. Ich verstand sofort, dass sie einen Herzanfall hatte, da ich das zuvor bereits erlebt hatte. Da sie jedoch mit uns redete, und natürlich zuhörte, was wir sagten, sprach ich das nicht laut aus, aus Angst, dass sie das noch mehr verängstigen und ihre Situation verschlimmern könnte. Wir trafen jedoch sofort die Entscheidung, sie ins Krankenhaus zu bringen. Purnendu ging den Fahrer holen und Yashendu und ich hielten sie. Wir fragten sie, ob sie Schmerzen hätte, aber sie verneinte.

Sie hörte in dem Augenblick zu sprechen auf, als das Auto vor der Tür hielt. Wir dachten, sie würde aufstehen und mit uns bis zum Auto gehen, aber das war nicht möglich. Ihr Mund war nun fest verschlossen und es schien, als würde sie in Ohnmacht fallen. Sie konnte ganz offensichtlich nicht aufstehen und so hoben wir sie hoch und trugen sie zum Auto.

Es stellte sich keine Frage wohin – das nächste Krankenhaus ist nur 500 Meter entfernt und wir brauchten den Arzt, der uns am Nächsten war. Ich hatte ihr Füße und rieb sie, versuchte ihr Wärme zu geben, da sie sich kalt anfühlten. Ich versuchte, ihren Puls zu spüren, aber als ich ihn nicht fand, hielt ich die Hand vor ihre Nase. Ich hatte Zweifel – ich konnte ihren Atem nicht deutlich spüren. Ich war mir nicht sicher.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits im Krankenhaus angekommen. Wir trugen sie in die Notaufnahme, wo ein Arzt sofort mit der Reanimation begann, auf ihre Brust drückte und versuchte, ihr Herz zum Schlagen zu bringen. Ich rief Ramona an, die in Babbajis und Ammajis Zimmer saß, die kleine Apra auf dem Schoß, und zusammen mit Babbaji und Naniji auf Nachricht wartete. Ich sagte ihr, dass Ammaji keinen Puls mehr hatte und der Arzt sich bemühte, es aber nicht gut aussah. Er gab Ammaji auch eine Spritze, aber nichts half. Sie war bereits von uns gegangen. Schließlich sagte der Arzt ‚Es tut mir leid, sie ist nicht mehr. Es war eine starker Herzinfarkt und ihr Herz hat es nicht ausgehalten.‘ Unsere Mutter war in unseren Armen gestorben.

Wir trugen sie zurück ins Auto und kamen in den Ashram zurück. Es war erst eine halbe Stunde oder vielleicht etwas länger her, seit Purnendu mich aufgeweckt hatte. Wir glauben, dass sie bereits von uns gegangen war, als wir noch hier im Ashram waren, hier auf ihrem Bett, mit uns bei ihrer Seite. In der Zeit hatten wir das Gefühl, als würde etwas aus unseren Händen entschwinden. Wir hoben eigentlich nur ihren Körper an und brachten ihn ins Krankenhaus. In nur fünfzehn oder zwanzig Minuten hatte dieser Herzanfall ihr das Leben genommen.

Die Ashram Familie begann, sich um sie zu sammeln und trauerten in einer Totenwache, bis die Nacht vorüber war. Wir riefen nur ein paar Leute an und die Nachricht verbreitete sich dann wie von alleine unter denen, die sie gekannt hatten. Mehr Leute kamen an und nach einigen notwendigen Vorbereitungen nahmen wir ihren Körper um etwa 10 Uhr mit zum Yamuna. Es war eine einfache Feuerbestattung, einfach nur eine Verbrennung der erdlichen Überreste. Es war nur ein Abschied von Familie und Freunden. Einfach und mit viel Herz, so wie Ammaji selbst immer war und wie es ihr gefallen hätte.

Ich konnte bis zur Verbrennung nicht weinen. Ich fühlte mich wie ein Stein, vielleicht in einer Art Schock. Doch zurück im Ashram, einem Ashram ohne Ammaji, öffnete sich diese Mauer und seitdem sitzen wir hier, sprechen über sie und weinen natürlich viel. Wir vermissen das Herz unseres Ashrams, unsere Mutter.

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