Warten auf den Tod – Folter der Todesstrafe eine Menschenrechtsverletzung – 23 Sep 11

Vor einiger Zeit habe ich über die unmenschliche Situation von zum Tode verurteilter Gefangener in Indien geschrieben. Sie werden zum Tode verurteilt, reichen Gnadengesuche ein und haben immer wieder neue Gerichtsverhandlungen oder müssen einfach nur auf eine Entscheidung und schließlich auf ihre Hinrichtung warten. Sie warten jahrelang darauf, dass sie jemand umbringt. Vor Kurzem war das in den indischen Zeitschriften ein Thema und gestern erfuhr ich, dass es das gleiche Problem auch in den USA gibt. Das ist nämlich das, was die Todesstrafe zur Folter macht.

Vor zwei Tagen, am 21. September 2011, wurde Troy Davis in einem Gefängnis in Amerika hingerichtet, nachdem er im August 1991 sein Todesurteil erhalten hatte. Ich hörte von diesem Mann zum ersten Mal, als ich die Nachricht seiner Hinrichtung las und von dem Aufschrei der Menschenrechtsaktivisten nach seinem Tod erfuhr. Ich las, dass es nach der Urteilssprechung weitere Prozesse, Bitten zur erneuten Untersuchung und einiges mehr gab. Der Fall gewann an Bekanntheit und berühmte Leute wie der frühere Präsident Jimmy Carter baten um Gnade, schrieben öffentliche Briefe und versuchten, einen Einfluss auszuüben, so dass dieser Mann nicht sterben müsse. Dreimal wurde ein Termin für seine Hinrichtung geplant und erst jetzt, zum vierten Termin 2011, 20 Jahre nach seiner ersten Gerichtsverhandlung, wurde er hingerichtet, während vor dem Gefängnis und an anderen Orten im Land Menschen demonstrierten und sich für seine Unschuld aussprachen.

Während ich mehr über diesen Fall herausfand, las ich auch von einem anderen Fall. 2009 sollte Romell Broom durch eine Giftspritze hingerichtet werden. Die Scharfrichter versuchten zwei Stunden lang, eine geeignete Vene zu finden und gaben zum Schluss auf. Die Hinrichtung wurde vom Gericht vertagt. Könnt ihr euch die Situation dieser Person vorstellen?

Seht, was die Welt da macht! In den USA, einem zivilisierten Land, in der modernen Zivilisation, in einem Land, das zu einem der mächtigsten Länder der Welt gehört, das sich überall für Menschenrechte einsetzt, gibt es Menschen, die mit voller Zustimmung der höchsten Gerichte des Landes versuchen, jemanden umzubringen und es nicht schaffen. Dieser Mann wusste die ganze Zeit, dass er sterben würde, dachte aber natürlich nicht, dass er zwei Stunden psychologische Folter ertragen müsse, um schließlich zu erfahren, dass er an diesem Tag doch nicht sterben würde! Das ähnelt der Foltermethode des Waterboardings, das in Guantanamo angewandt wurde, um Gefangene glauben zu lassen, sie würden ertrinken, um Informationen aus ihnen heraus zu bekommen. Da ist jedoch ein Unterschied: dieser Mann hatte kein Geständnis, das ihn hätte retten können!

Jetzt weiß ich, dass es dieses Problem mit der Todesstrafe nicht nur in Indien gibt. Ich habe zuvor geschrieben, wenn man ein solches Gesetz in der Verfassung stehen hat, das einem erlaubt, jemanden zu töten, foltere ihn nicht noch dazu. Wenn ich jedoch solche Fälle sehe und mehr darüber lese, wie lange es dauert, jemanden hinzurichten, zu töten und sein Leben, ganz legal, zu beenden, bin ich immer mehr davon überzeugt, dass das in sich selbst Folter ist. Die Todesstrafe muss in Amerika, in den USA und auf der ganzen Welt abgeschafft werden.

Da kommt wieder die Frage auf: wer sind wir, dass wir über Leben und Tod entscheiden? Wer sind wir, dass wir entscheiden, ob jemand lebt oder stirbt? Wer sind wir, dass wir einen anderen Menschen foltern?

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