In Indien wird man öfter Menschen treffen, die sich gegenseitig Onkel, Sohn, Schwester oder Mutter nennen, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind. Das Blut ist in diesen Verbindungen nicht so wichtig. Es ist die Liebe, die zählt und die sie zu einer Familie macht. Ich habe auch eine solche Familie in Bombay. Sie standen mir sehr nahe, als ich um die Zwanzig Jahre alt war. Es hab einen Mann, den ich meinen Onkel nannte. Heute habe ich die Nachricht bekommen, dass er gestorben ist.
Bevor ich das erfuhr, war ich schon in einer seltsamen Stimmung. In meiner ersten Heilsitzung spürte ich plötzlich, dass etwas nicht stimmte, aber ich konnte nicht wirklich sagen, was es war. Als Ramona und Yashendu zu einem Yoga Workshop aufbrechen wollten, fragte Ramona mich, ob sie das Handy mitnehmen könne. Ich habe in untypisch scharf mit einem „Nein!“ geantwortet. Ich habe mich selbst darüber gewundert und konnte auch sehen, dass Ramona sich wunderte, warum ich so heftig antwortete. Ich brauchte das Handy ja nicht einmal wirklich. Aber es war gut so, denn nur einige Minuten, nachdem sie aus dem Haus waren, bekam ich den Anruf, dass er von uns gegangen war. Ich bin traurig. Nachdem ich die Familie angerufen hatte, habe ich auch mit Roger gesprochen. Diese traurige Stimmung ist einfach hier, diese Energie ist da. Das Leben ist ein Wunder; niemand weiß, was in der nächsten Minute passieren wird.
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