Vor Kurzem hatten wir eine freie Lehrstelle an unserer Schule. Immer, wenn eine Stelle frei ist, gehen wir durch die Bewerbungen, die wir früher bekommen haben und fragen auch unsere Freunde, ob sie Lehrer kennen, die gerade auf Arbeitssuche sind. Dieses Mal haben wir eine Empfehlung bekommen, die uns zuerst überraschte und schließlich zum Lachen brachte.
Eine Freundin erzählte Ramona, sie hätte eine Freundin, die Lehrerin sei und gerne kommen würde. In ihren Worten: ‚Sie ist behindert und braucht die Stelle wirklich!‘
Ramona lud ihre Freundin für ein Interview ein und erzählte uns davon. Wir unterhielten uns und beschlossen, dass es nichts ausmacht, ja, dass es für unsere Kinder sogar gut wäre, wenn sie jemanden sehen würden, der zum Beispiel Probleme beim Gehen hat – oder was auch immer sonst die körperliche Einschränkung ist – und sie unterrichtet! Es würde ihnen zeigen, dass wir alle gleichwertige Menschen sind, egal, wie wir aussehen! Sie könnten auch lernen, dass, egal, welche Probleme man hat, man es immer positiv nehmen kann und trotzdem die Stärke haben kann, im Leben weit zu kommen!
Mit all diesen guten Gedanken warteten wir darauf, dass diese Dame kam, ihren Lebenslauf abgab und ihr Jobinterview gab. Eine Frau kam und stellte sich selbst als Freundin einer Freundin vor. Wir wussten, dass es diese junge Frau sein musste, von der wir gesprochen hatten. Doch halt – wir konnten nicht erkennen, dass sie auf irgendeine Weise behindert wäre!
Also unterhielt sich Ramona mit ihr. Sie las ihren Lebenslauf, sprach mit ihr über ihre Erfahrungen und Ziele. Während der ganzen Unterhaltung versuchte Ramona unauffällig irgendetwas über die zuvor erwähnte Behinderung herauszufinden! Sie hatte beide Arme und Beine, an jeder Hand fünf Finger, nichts war verformt oder funktionierte nicht. Zwei Augen, eine Nase, ein Mund, wie alle anderen.
Ein Gedanke kam auf: vielleicht hatte ihre Freundin ja ‘geistig behindert’ gemeint? Nein, das konnte auch nicht sein – wie würde sie denn mit solchen Problemen studieren und dann unterrichten? Und auch so deutete in der Unterhaltung nichts daraufhin, dass sie Schwierigkeiten beim Denken, Sprechen oder Ausdrücken hatte!
Als wir also das nächste Mal unsere Freundin trafen, fragte Ramona: es war ein gutes Vorstellungsgespräch – aber warum meintest du denn, sie wäre behindert?
Die Antwort war deutlich: ‘Sie ist behindert! Ihre Familie ist so arm, das hindert sie daran, Essen und Kleidung zu kaufen!‘
Wir sahen sie erstaunt an – und fingen an zu lachen! Unsere Freundin hatte versucht höflich zu sein und hatte das englische Wort für ‚arm‘ mit dem Wort für ‚behindert‘ ersetzt! Naja, so oder so, wir unterstützen ja auch die Armen immer gerne!
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