Sekte ISKCON geht Ortsansässigen, Ausländern und am Ende auch Devotees auf die Nerven – 24 Feb 11

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Gestern sagte ich, dass die Meinung der örtlichen Bevölkerung gegenüber ISKCON sich zu einer Art argwöhnischem Zweifel entwickelt hat. Teilweise liegt das daran, dass sie in und um Vrindavan viel Land erworben haben. Ein weiterer Grund, warum sie bei örtlichen Menschen nicht immer allzu beliebt sind ist, zum offen zu sein, dass ISKCON eine Sekte ist und wie sich ihre Mitglieder, die sich selbst Devotees nennen, verhalten. Im Folgenden werde ich ein paar Beispiele nennen.

Eines der charakteristischen Zeichen einer Sekte ist, dass sie strenge Regeln haben, die Handlungen ihrer Mitglieder auf ihre Sekten-bezogenen Aktivitäten beschränken und es keinem Mitglied erlauben, diesen einen Weg zu verlassen. Auf meinen Reisen habe ich viele Menschen getroffen, die früher in dieser Sekte waren und ich höre immer ähnliche Geschichten darüber, wie sie sie verlassen haben. Sie sagen immer, dass sie für einige Monate oder sogar für einige Jahre Mitglieder waren, aber dann die Sekte wegen ihren Regeln verließen oder rausgeschmissen wurden. Man muss auf eine bestimmte Weise leben, bestimmte Kleidung tragen, eine bestimmte Anzahl Gebete und Rituale machen und man hat eine lange Liste von Dingen, die einem nicht erlaubt sind. Eines davon ist ‚verbotener Sex‘.

Wenn wir im Ashram Gäste haben, besuchen sie übrlicherweise auch den ISKCON Tempel, das dieser eine der größten Sehenswürdigkeiten Vrindavans ist. Einer unserer Gäste kam einmal von einem solchen Besuch zurück und erzählte uns, was für eine furchterregende Erfahrung es für sie gewesen war. Sie war dann erleichtert, wieder zurück zu sein und fragte mich gleich ‚Ist ISKCON eine Sekte?‘ Als ich das bejahte und sie fragte, wie sie zu dieser Erkenntnis kam, erzählte sie mir, dass sich alle so seltsam benommen hatten! Sie trugen traditionelle, lockere indische Kleidung in der Farbe von Eierschalen oder in einer seltsamen Mischung von Pink und Orange, die ihre Spiritualität symbolisieren sollte und sie führten ihre Rituale durch, doch das alles erschien ihr so falsch. Sie benahmen sich, als ob sie von jemand anderem kontrolliert würden und nicht einmal wussten, warum sie das taten, was sie taten.

Ich fand das eine interessante Beobachtung und das ist genau das, was ich in diesen Menschen gesehen habe. Ich kenne die Bedeutung dieser Rituale, weil ich diese Kultur studiert habe. Diese Menschen sind aber nur dazu angeleitet, Handlungen zu vollführen, ohne ihre Bedeutung zu verstehen. Sie sind wie Maschinen, die Befehle ausführen. Diese Art von Gehirnwäsche und der Verlust der Freiheit des eigenen Denkens ist auf jeden Fall ein Zeichen der Sektenangehörigkeit. Sie haben keinen Weg mehr, ihre eigenen Entscheidungen zu machen und tun einfach nur, was ihnen gesagt, was ihre Regeln ihnen sagen zu tun. Sie führen eine bestimme Anzahl von Gebeten pro Tag durch, so dass sie sogar beim Einkaufen beten, egal ob ein solches Gebet Sinn macht, welche Bedeutung es hat und welche Wirkung.

Anhänger der Hare Krishna Bewegung meinen scheinbar, sie seien tiefer in der indischen Kultur als irgendein Inder jemals sein kann, aber leider verstehen sie nicht ganz, von was sie da sprechen. Sie halten sich einfach an ihre Regeln und wissen, was sie tun sollten, aber sie begreifen den Sinn dahinter nicht.

Der Bevölkerung Vrindavans sind diese Regeln eigentlich egal, solange sie sie für sich behielten. Geschäftsinhaber waren sowieso froh, weil sie gute Gewinne machten, seit all diese Ausländer und ‚Hare Krishna‘ Leute, wie sie allgemein genannt werden, in der Stadt sind. Sie waren und sind jedoch nicht sehr glücklich mit ihrem Glauben, besonders da sie ständig versuchen, jede andere Person davon zu überzeugen, dass sie das Gleiche glauben sollten.

ISKCON Anhänger haben die Vorstellung, dass sie einer sehr ‚reinen‘ Tradition des Hinduismus folgen und dass sie ihre Leben genau so leben, wie der Hindu Gott Krishna es von uns verlangt. Für sie ist Krishna der höchste Gott. Gleichzeitig sagen sie aber, dass alle anderen Götter, so wie Shiva, Rama und Ganisha, nur Halbgötter sind, also unter Krishna stehen. Gepaart mit der Überzeugung, dass nur sie Recht haben, kann diese Vorstellung zu großen Diskussionen und Streitgesprächen unter Gläubigen führen. Im Hinduismus gibt es viele Götter, aber alle sind gleichwertig. Manche Menschen beten mehr zu Shiva, während sich andere Menschen Rama näher fühlen und ihn anbeten. Diese Vorliebe für eine bestimmte Gottheit macht diese jedoch anderen gegenüber nicht überlegen.

Ihr könnt euch vorstellen, dass Vrindavans Einwohner es nicht gerne sehen, wenn ein Ausländer vor ihnen steht und ihnen beibringen will, wie sie Krishna sehen soltlen. Wir, die Leute aus Vrindavan, sehen Krishna als den Jungen aus der Nachbarschaft und wir wachsen mit der Liebe für Krishna auf. Diese Leute kommen aus einem fremden Land, haben for einem oder zwei Jahren zum ersten Mal von Krishna gehört und jetzt versuchen sie, uns beizubringen, wie man Krishna richtig liebt.

Wir hatten einmal einen Vorfall hier im Ashram, der uns das volle Ausmaß dieses Wunsches zeigte, andere über Gott und die indische Kultur belehren zu wollen. Eine Frau, offensichtlich ein ISKCON Devotee, kam in den Ashram und fragte nach Wasser. Wir gaben ihr Wasser und etwas Süßes mit dazu. Während sie am Tisch saß, sah die Frau, wie jemand in das Zimmer meiner Großmutter ging, wo sie ihren Alter hat. Sie stand auf, betrat das Schlafzimmer meiner Großmutter und wollte dort am Altar eine Opfergabe anbieten. Wir hätten vielleicht über dieses Eindringen in unsere Privatsphäre hinweggesehen, doch dann sah die Frau, wie jemand mit Schuhen den Raum betrat und begann plötzlich zu predigen, dass das durch den Altar ein Raum Gottes sei, dass wir dort keine Schuhe tragen sollten, dass wir alle unheilig waren und jede Menge andere unheilige Taten begingen.

Stell dir vor, jemand käme in dein Schlafzimmer und erzälte dir, was du sort tragen solltest! Wir baten sie sofort, den Ashram zu verlassen, was sie auch tat, allerdings mit vielen Beleidigungen und lautem Klagen über Sicht auf Gott.

Wir hatten einige weitere Erfahrungen mit Leuten von ISKCON, von denen manche sogar im Ashram untergekommen waren und so sahen wir uns dazu gezwungen, selbst auf unserer Internetseite zu schreiben, dass wir im Ashram keine Mitglieder von irgendwelchen Sekten willkommen heißen. Immer, wenn jemand eine Anfrage stellt und uns bereits sagt, dass er oder sie ein Devotee ist, bitten wir sie, besser im ISKCON Gasthaus unterzukommen. Das wird für sie und für uns ein friedlicherer Aufenthalt.

Sektenmitglieder bestehen darauf, dass sie die einzigen sind, die den richtigen Weg kennen und ISKCON machen da keine Ausnahme.

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