Nimm deinem Kind nicht die Kindheit, indem du es in einer Sekte großziehst – 22 Jul 11

Sekten

Ich habe in letzter Zeit über Kinder und Religionen geschrieben und erwähnt, dass Kinder die Freiheit haben sollten zu wählen. Als ich darüber nachdachte, musste ich auch daran denken, was mit Kindern geschieht, deren Eltern Mitglieder in Sekten sind?

Die einfache Antwort ist: diese Kinder haben überhaupt keine Wahl. Sie können ihre Leben nicht so gestalten, wie sie möchten, sondern wachsen in der Sekte auf, mit den Gewohnheiten und dem Verhalten der Mitglieder dieser Sekte und mit allen Regeln der Sekte. Es besteht keine Notwendigkeit, die Kinder einer Gehirnwäsche zu unterziehen, da sie von Beginn an Training in all dem bekommen, was die Sekte will und braucht. Für Sektenführer sind sie üblicherweise die perfekten Anhänger.

Viele Sekten leben vom Rest der Gesellschaft vollkommen abgeschottet. Sie haben ihre Gemeinschaft und die Mitglieder leben alle zusammen in einer bestimmten Gegend, in die kein Nicht-Mitglied Zugang hat. Sie haben oft ihre eigenen Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Arbeitsplätze, so dass ihre ganze Gemeinschaft mit so wenig Kontakt zur Außenwelt wie möglich gut leben kann. Sie wollen nicht, dass ihre Mitglieder mit der normalen Welt in Kontakt treten.

Kinder, die in einer solchen Umgebung aufwachsen, haben keine Erfahrung damit, wie sie mit der normalen Gesellschaft und mit Menschen umgehen, die nicht in ihrer Sekte leben. Sie wissen nur das, was in ihrer Sekte normal ist. Für Erwachsene und Eltern stellt diese Abschottung von der Welt oft Sicherheit dar, einen Ort, an dem sie sich vor der Welt verstecken können. Sie glauben, dass es auch für ihre Kinder gut ist, ein perfektes Umfeld. Dabei erkennen sie nicht, dass sie ihrem Kind keine Möglichkeit einer normalen Entwicklung geben.

So sehen wir oft Kinder in Vrindavan, deren Eltern beide Mitglieder von ISKCON sind, einer Sekte, die in Vrindavan ihr Hauptquartier hat. Jungen laufen im Alter von fünf oder sechs Jahren in der Kleidung von Priestern herum, ihre Köpfe rasiert, in Dhotis, die Stirn mit Tilak bemalt, ein Zeichen der Heiligkeit, und mit einer Mala oder mit Zimbeln in der Hand. Ihre Eltern sagen ihnen, sie sollen religiöse Lieder und Mantras singen. Sie ziehen sie zu Priestern und Anhängern auf, bereits in dem Alter. Würdest du deine fünf Jahre alte Tochter wie eine Nonne anziehen?

Auf einer Internetseite habe ich im Zitat eines ihrer Meister gelesen, dass Kinder von Beginn an ohne materielle Anhaftung leben sollten. Bedeutet das, dass man seinem Kind kein Spielzeug geben sollte? Sie sollen den ganzen Tag im Tempel sitzen, Rituale vollführen und singen, ohne wirklich jemals wie ein normales Kind in normaler Kleidung herumzurennen, mit normalen Spielsachen zu spielen und Spaß zu haben?

Kinder, die in solchen Sekten aufgewachsen sind, haben keine Möglichkeit, ihren Geist zu vollem Potential zu entwickeln, aufgrund der engstirnigen Sicht auf das Leben, die alle um sie herum haben. Sie haben keine andere Möglichkeit, als selbst zu Sektenmitgliedern zu werden. Sie können nichts kritisch sehen, weil ihnen beigebracht wurde, an die Doktrin der Sekte zu glauben. Von Beginn an wird ihnen beigebracht, an nichts anderes zu denken, nicht weiter nachzufragen und sich nicht von den anderen zu unterscheiden. Diese Kinder werden zu Erwachsenen, die sich vor dem Leben in der Außenwelt fürchten.

Selbst in Sekten, die sich nicht vollständig von der normalen Gesellschaft abschotten, haben die Kinder Schwierigkeiten, sich anderen gegenüber normal zu verhalten. Die Kinder der Sekte ‚Zeugen Jehovas‘ dürfen zum Beispiel keine Geburtstage feiern, weil die Sekte nicht daran glaubt. Ich habe Kinder gesehen, die todtraurig waren, weil es ihnen nicht erlaubt ist, zu Geburtstagsfeiern anderer Kinder zu gehen. All ihre Freunde hatten Spaß und feierten, aber sie konnten nicht mitfeiern. Sie wurden zu Außenseitern, von anderen gemieden und oft gehänselt, weil sie anders waren. Manchmal macht das das Gefühl der Zugehörigkeit zur Sekte, nicht zur normalen Welt, stärker. Manchmal gibt es ihnen aber eine tiefe Sehnsucht, so zu sein wie alle anderen.

Ich habe Erwachsene getroffen, deren Eltern in Sekten sind und die auch selbst in die Aktivitäten der Sekte völlig involviert sind. Ich habe jedoch auch Menschen getroffen, deren Beziehung zu ihren Eltern sehr schlecht ist oder die schon gar keine Beziehung zu ihren Eltern mehr führen, weil sie an einem Punkt in ihrem Leben beschlossen haben, dass sie der Sekte nicht mehr angehören wollen. Es ist ein schwerer Weg, den sie gehen müssen. Viele Sekten machen es den Leuten nicht einfach, die Sekte zu verlassen. Da gibt es Drohungen der Verdammnis für Körper und Seele außerhalb der Sekte und die Ansicht, dass die Gruppe der einzige sichere Ort ist. Wenn jemand beschließt, die Sekte trotzdem zu verlassen, müssen sie das oft heimlich tun und werden dann als Ausgestoßene betrachtet.

Frühere Sektenmitglieder, die keine vorherige Erfahrung in der normalen Kultur haben, müssen für diesen Schritt wirklich Mut aufbringen. Aber nur auf diese Weise können sie der Kontrolle der Sekte entkommen und ihren freien Willen haben. Es gibt so viele Geschichten von Kindesmissbrauch in Sekten und es gibt unzählige negative Auswirkungen auf Kinder, die so aufwachsen. Es gab Eltern, die es zulassen, dass Gurus ihre Kinder missbrauchen mit der Ausrede, sie wären Gott. Es gab Sekten, die minderjährige Mädchen illegal an alte Männer verheiratet haben und es gab Sekten, die Eltern rieten, ihre Kinder zu prügeln, um sie besser zu erziehen. Viele Kinder tragen dauerhaft Schaden davon, körperlich und auch psychologisch. Viele von ihnen wissen nicht, wie sie mit anderen umgehen sollen und haben einfach Angst vor einem normalen Leben.

Warum würdest deinem Kind so etwas antun wollen? Du hast für dich selbst entschieden, dass du in einer Sekte leben willst, Gehirnwäschen unterzogen werden willst und manipuliert werden willst. Du hast jedoch kein Recht das einer anderen Person, deinem Kind, anzutun. Wenn du einem Guru, einem Meister, einem Sektenführer oder irgendeiner anderen Form des Glaubens folgen willst, lass dein Kind nicht auch davon beeinflusst werden! Vielleicht will dein Kind etwas völlig anderes! Warum würdest du deinem Kind deinen Glauben aufzwängen? Gib deinem Kind die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Zeige ihm die normale Welt und lass es mit der vollen Fähigkeit des Geistes aufwachsen, auch kritisch sein zu können, tiefer über Dinge nachzudenken und alle Emotionen zu spüren! Gib deinem Kind die Freiheit und Möglichkeit, ein gesundes, normales Leben zu führen.

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