Heute hatten die Kinder unserer Grundschule ihren letzten Schultag. Sie haben ihre Prüfungen schon letzte Woche beendet und hatten schon ein paar Tage frei, in denen die Lehrer die Prüfungen korrigierten und die Zeugnisse ausstellten. Sie sind am Morgen hier angekommen, begierig darauf, die Ergebnisse zu erfahren und dann in die wohlverdienten Sommerferien zu starten.
Vielleicht wisst ihr ja, dass wir unsere Schule 2007 eröffnet haben. Damals hatten wir eigentlich nur die Kindergartenklassen, in denen die Kinder sich daran gewöhnen, in einem Klassenzimmer zu sitzen und in denen sie das Alphabet und die ersten Zahlen lernen. 2008 hatten wir das erste Mal eine erste Klasse der Grundschule. Damals hatten wir alles in allem nur vierzig oder fünfzig Kinder.
Trotz einiger Schwierigkeiten, über die ich auch berichtete, wie zum Beispiel das fehlende Interesse der Eltern daran, ihre Kinder zur Schule zu schicken, haben wir die Kinder weiter unterrichtet. Wir haben von Beginn an mit dem Konzept einer gewaltfreien Schule gearbeitet, nur Lehrer eingestellt, die bereit waren, ohne körperliche Bestrafung zu unterrichten und die den Kindern Gleichberechtigung beibrachten – kein Kind sollte wegen seiner oder ihrer Kaste diskriminiert wreden. Viel ist geschehen, viele Kinder kommen und gingen und mit den Jahren lernten wir die Älteren immer besser kennen.
Und so haben dieses Jahr vier Kinder die fünfte und letzte Klasse unserer Grundschule beendet: Aman Shukla, Goldy Gola, Rahul Shukla und Raju Das. Goldy und Raju waren schon die letzten vier Jahre bei uns an der Schule, Aman und Rahul kommen seit dem Anfang her. Sie waren alle dabei, als wir neue Klassenzimmer und Badezimmer gebaut haben, haben gesehen, wie wir Wasserkühler und Wasserfilter eingebaut haben, wie wir Yoga in den Stundenplan mitaufnahmen und wie jeder einander half, als die Häuser einiger Kinder bei den Überschwemmungen mit Wasser volliefen.
Als wir sie heute von unserer Schule verabschiedeten, blickten wir auf diese fünf Jahre zurück, die wir nun schon unsere Schule haben. Wir sind stolz auf diese Kinder, die nun vor einem neuen Kapitel ihres Lebens stehen. Von Juli an werden sie auf eine weiterführende Schule gehen.
Wir haben beschlossen, sie dort weiterhin zu fördern, weil ihre Eltern sich ihre weitere Bildung nicht leisten könnten. Natürlich wird es teurer, je höher sie kommen, aber wir sehen positiv in die Zukunft und hoffen, dass wir in der Lage sein werden, ihnen so lange zu helfen, wie sie lernen wollen und können, so dass sie eine ordentliche Arbeit bekommen, die eines Tages ihre Familien unterstützen wird.
Doch jetzt haben sie erst einmal die nächsten zwei Monate Sommerferien und werden spielen und Drachen steigen lassen, ohne an die Schule zu denken. Im Juli fängt das nächste Schuljahr an und wir werden wieder neue Kinder an unserer Schule haben.
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