Am Montag habe ich euch erzählt, dass wir unsere Schule aufgrund von Korruption nicht weiter vergrößern werden. Am Dienstag habe ich von unserer Enttäuschung in einer Schule in der Nähe berichtet und davon, wie wir schließlich vor dem gleichen Dilemma standen wie so viele andere Familien in Indien – wovon ich euch gestern berichtet habe. Und das alles, wo wir doch eigentlich nur den Armen helfen wollen!
Es begann damit, Teenager bei uns zu Hause unterkommen zu lassen, während sie in Vrindavan zur Schule gingen. Das war der Beginn, etwas, was bereits mein Vater tat, als wir noch klein waren. Sie hatten keinen anderen Ort, an dem sie unterkommen konnten und so wohnten sie einige Jahre bei uns, bis sie ihre Schule abgeschlossen hatten. Irgendwann wurden wir von den Eltern kleinerer Kinder angesprochen, ob wir ihnen helfen würden, die Schulgebühren ihrer Kinder zu zahlen. So begannen wir, die Schulgebühren von Kindern in anderen Schulen zu zahlen.
Mit der Zeit erfuhren wir, dass es für diese Kinder in der Schule immer ein Problem gab: die anderen hänselten sie, weil sie ihre Gebühren nicht selbst zahlen konnten! Dazu wussten wir, dass die Kinder in jener Schule von ihren Lehrern geschlagen wurden. Wir hatten nicht genug Einfluss auf das Management, um aktiv dagegen etwas zu unternehmen. Also beschlossen wir etwas anderes. Wir wollten nicht Kindern die Schulbildung ermöglichen, wenn sie dann in der Schule geschlagen oder gehänselt werden! Sie sollten in der Schule Spaß haben und mit Freude dorthin gehen!
So haben wir 2007 mit nur 40 Kindern in zwei Klassen unsere eigene Schule eröffnet. Arme Kinder sollten in der Lage sein, herzukommen und hier vollständig kostenlos zu lernen! Sie sollten nicht eine Rupie für ihre Bildung, Uniformen, Bücher oder anderes Material zahlen müssen! Und sie würden eine sehr gute Bildungsqualität genießen!
Mit Händen und Füßen haben wir an dieser Schule gearbeitet. Natürlich haben wir Unterstützer und Spender, die uns helfen und denen wir unglaublich dankbar sind. Gleichzeitig jedoch unterstützen wir, da Spenden alleine nicht genug wären, unsere Schule mit unserem Yoga- und Ayurveda-Geschäft! Jeder Teilnehmer unserer Workshops und Retreats, jeder, der hier in den Ashram kommt, unterstützt also dieses Projekt!
Auf diese Weise sind wir mit harter Arbeit – nicht nur zur Spendenakquise, sondern auch beim Führen der Schule – an dem Punkt angelangt, an dem wir jetzt sind. Wir haben eine Schule mit mehr als 200 Kindern aus den ärmsten Familien Vrindavans. Sie kommen täglich und beginnen den Tag mit einer Yogastunde. Nach einigen Unterrichtsstunden gibt es ein warmes Mittagessen, was für viele Eltern zu Beginn der Hauptgrund war, ihre Kinder überhaupt hierher zu schicken. Und am Nachmittag gehen sie dann heim, manche von ihnen im Schulbus und die anderen zu Fuß.
Jeden Freitag stelle ich eine dieser Familien in meinem Blog vor und beschreibe nicht nur die Situation der Familie, sondern gebe auch ein Bild und ein Video, so dass meine Leser verstehen, wer diese Kinder sind und wo sie herkommen. Ihre Väter sind Bauarbeiter, Rikscha-Fahrer, Tagelöhner, Reinigungspersonal, arme Priester oder Schneider.
Wir haben jedes Haus selbst besucht, wir kennen alle Kinder bei ihren Namen und wir haben sie auf ihrer Reise bis hierher begleitet. Besucher von der ganzen Welt haben nicht nur ihre Schule sondern auch ihr Zuhause besucht. In besonders schwierigen Zeiten helfen wir, indem wir extra Projekte machen, wie während den Überschwemmungen 2008 und 2010 oder im Fall Monikas.
Und nun sitzen wir hier und fragen uns, wie es sein kann, dass dieses System uns und den Kindern das antut. Doch es macht keinen Sinn sich zu beschweren – wir werden weitermachen und es in Zukunft noch verbessern! Ich habe viele Ideen für die Zukunft. Nächste Woche werde ich euch mehr davon erzählen!
Related posts
Warum Kinder in der Schule nicht von Gott und Religion beeinflusst werden sollten – 25 Aug 15
Wie unsere Schule am praktischen Beispiel Gleichberechtigung vermittelt – 24 Aug 15
Wie Ammaji’s Ayurvedisches Restaurant helfen wird, das Bildungsgeschäft in Indien zu stoppen! – 21 Mai 15
Der Traum kostenloser, qualitative hochwertiger Bildung für Reiche und Arme gleichermaßen – 20 Mai 15
Indien – wo Bildung zum Opfer der Korruption und Großindustrieller geworden ist – 19 Mai 15
Schwierige Entscheidungen: wann ist jemand ‘nicht arm genug‘ für unsere Schule? – 18 Mai 15
Indiens einträgliches Geschäft mit den Schulen: wenn Bildung zum Verkauf steht – 13 Mai 15
Enttäuschung und Hilflosigkeit für arme Kinder und uns – 12 Mai 15
Wie Korruption in Indien uns daran gehindert hat, unsere Schule zu erweitern – 11 Mai 15
