Zurschaustellung und Geldmacherei – Sadhus und Gurus auf der Kumbh Mela – 24 Jan 13

Religion

Ich sagte gestern, dass ich nicht an die reinigende Wirkung eines Bades im Fluss Ganges glaube und dass ich also keinen Grund sehe, warum ich zur Kumbh Mela gehen sollte. Ich bin jedoch nicht nur ‚nicht interessiert‘ daran, hinzugehen, dort gehen jede Menge Dinge vor sich, die ich abstoßend finde und weshalb ich froh bin, dass ich im Augenblick nicht in der Nähe von Allahabad bin. Der Hauptaspekt ist dabei das Geld, das geldbezogene Verhalten all dieser Sadhus, Gurus und religiöser Führer. Das große Geschäft, das im Namen der Religion geschieht.

Ich habe Berichte von Leuten gehört und gelesen, die in den letzten Tagen in Allahabad waren und das Haupt-Feedback ist, dass das religiöse Geschäft dort überall ist. Ich habe die Sadhus, Gurus und all die religiösen Führer erwähnt, die auf der Kumbh Mela anwesend sind. Sie sind jedoch nicht nur Gurus oder Sadhus – sie haben viele verschiedene Wege gefunden, Geschäfte zu machen!

Sie sind Prediger: Es ist ihre ganz normale Arbeit, dort Reden und Vorträge zu halten. Sie geben Zeremonien und nehmen natürlich auch ihr Bad im Ganges, zusammen mit den Leuten um ihnen. Während sie für ihre Vorträge vielleicht kein Geld verlangen, nehmen die meisten von ihnen schon etwas für das Durchführen besonderer Zeremonien für Einzelpersonen. Sie haben ihre Anhänger in ihren Lagern zusammengesammelt und geben sich gleichzeitig die größte Mühe, bei dieser Gelegenheit neue Anhänger zu finden. Die Anhänger geben ihnen dann Geld für ihren Segen, für die Zeremonien und einfach nur für ein Treffen mit ihnen.

Sie sind Verkäufer: Diese Gurus haben alle ihre eigenen Geschäfte in ihren Lagern, verkaufen Malas, Anhänger mit ihren Bildern darauf, Altarzubehör, Götterstatuen und vieles mehr. Ihr müsst nun nicht argumentieren, dass sie selbst ja nicht dort sitzen und Geld einnehmen! Genau wie jeder andere erfolgreiche Geschäftsführer haben sie ihre Angestellten, die dort sitzen und die körperliche Arbeit verrichten.

Sie sind auch Hotelbesitzer: Das ist etwas, was ich erst in diesem Jahr erfahren habe. Diese Sadhus haben begonnen, ‚Spirituelle Urlaubsangebote‘ für Anhänger zu machen, die kommen wollen und in ihrem Lager einige Tage während der Kumbh Mela übernachten wollen! Unsere örtliche Zeitung hat ihre Preise veröffentlicht, die sich durch die ganze Zeit der Kumbh Mela veränderten – an Tagen, wenn eine höhere Besucheranzahl erwartet werden kann, sind die Preise höher. Die Preise waren in drei Kategorien unterteilt: normale Besucher, VIPs und VVIPs – sehr, sehr wichtige Persönlichkeiten.

In den Erfahrungsberichte von Leuten, die die Kumbh Mela in Allahabad besucht hatten, konnte ich lesen, dass sie dort kein einziges bisschen Spiritualität oder Göttlichkeit fanden. Mit all den Angeboten, den Verkaufsständen, dem Essen, das dort verkauft wurde und all den Leuten, die sie in ihre Zelte locken wollten, erschien ihnen das ganze Spektakel eher wie ein großer, spaßiger Jahrmarkt.

Und inmitten des Jahrmarkts sind da noch die Sadhus und Gurus, die ihr eigenes Theater aufführen und ihren Reichtum zur Schau stellen. Sie kommen in Luxusautos an der Kumbh Mela an und wohnen in ihren klimatisierten, fünf-Sterne-Zelten. Sie sitzen auf goldenen oder silbernen Thronen und haben eine ganze Reihe silberner Töpfe und Tische um sich, tragen goldene Halsketten und Schmuck mit kiloweise Edelsteinen. Sie zeigen, wie reich sie sind und unterscheiden sich da wieder einmal nicht von vielen normalen, reichen Geschäftsmännern. Es ist eben einfach nur ein religiöses Geschäft.

Worüber man lachen muss ist, dass ihr eigentlicher Titel ‚Sadhu‘ oder ‚Sanyasi‘ bedeutet, dass sie an nichts anhaften. Es ist ein Wort für diejenigen, die mit der materiellen Welt und insbesondere mit Geld nichts zu tun haben. Ihre Zurschaustellung von Materiellem und Geld ist völlig gegen das eigentliche Konzept des Sadhu-Daseins und doch sieht man genau das bei diesem Fest! Nein, ich möchte wirklcih nicht dorthin.

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