Wir haben die Schuleinschreibungen für das nächste Schuljahr an unserer Schule bereits beendet. Wir haben am 1. April begonnen und schon am nächsten Tag hatten wir genug Kinder für die niedrigste Vorschul-Klasse, sowie einige Neuzugänge in den höheren Klassen. Vom Tag darauf an, mussten wir die Kinder auf eine Warteliste schreiben und den Eltern sagen, dass wir keine Kinder mehr aufnehmen können. Vom ersten Tag an gehen Ramona und Purnendu die neuen Kinder besuchen, um zu sehen, wie sie leben und um einen Eindruck von ihrer finanziellen Situation zu bekommen. Natürlich machen sie dadurch täglich jede Menge interessante Erfahrungen und einige von diesen möchte ich heute und in den nächsten Tagen gerne mit euch teilen.
Keiner der Eltern unserer Schulkinder verdient wirklich viel. Sie haben keine großartigen Arbeitsstellen, haben oft kein regelmäßiges Einkommen und kommen für gewöhnlich mit Müh und Not über die Runden. Diejenigen, die sich am meisten abmühen, sind interessanterweise diejenigen, die religiöse Arbeit machen.
Wenn man sie fragt, mit was sie ihr Geld verdienen, antworten sie, dass sie Priester sind oder dass sie in Tempeln in der Umgebung Kirtan singen und chanten. Diejenigen, die für Privatleute Zeremonien durchführen oder Priestern assistieren, indem sie die Zutaten für die Poojas bringen, wissen nie, wann sie wieder Arbeit haben werden. Es ist unsichere Arbeit und besonders in dieser Stadt, wo tausende Leute genau das tun. Warum? Weil es einfach ist und man vielleicht auch mal Pilger und religiöse Leute findet, die etwas mehr spenden – oder sogar einen Fernseher oder Kühlschrank schenken, wie wir in einigen Häusern gesehen haben.
Diejenigen, die ihr Geld damit verdienen, in Tempeln oder Ashrams Kirtan zu singen, haben oft eine regelmäßigere Anstellung. Sie gehen jeden Tag zur gleichen Zeit zum Singen, zum Beispiel von sieben bis acht am Morgen. Eine Stunde täglich singen für ungefähr 10 Euro pro Monat.
Ihr seht also, wenn ihr als Pilger oder Tourist in unsere Stadt kommt und von der Hingabe derjeniger beeindruckt seid, die ihr den ganzen Tag lang in den Tempeln sitzen seht, wo sie scheinbar ständig singen und Gott preisen, wisst ihr jetzt, was da dahinter steckt: nicht Hingabe, sondern Geld. Sie müssen ihren Lebensunterhalt verdienen! Über die Lautsprecher hört man oft, wie viel Hingabe sie wirklich haben, wenn sie ihre Kirtans in gelangweiltem Ton runterleiern, monoton und ohne jeglichen Enthusiasmus.
Jemand argumentierte, wie schön es doch sei, dass sie aufgrund der Religion eine Arbeit haben. Ich halte es für eine Verschwendung von Arbeitskräften. Ich spreche hier von starken, großen Männern, doch satt zur Entwicklung dieses Landes oder der Gesellschaft beizutragen, sitzen sie dort und singen. Dabei machen sie nicht einmal etwas für sich selbst! Sie meditieren nicht und finden da keinen inneren Frieden – sie sitzen nur da, weil sie dieses kleine bisschen Geld bekommen und das auf recht einfache Weise!
Es gibt viele Eltern, die hart arbeiten, um ihr Geld zu verdienen. Sie tragen Ziegel und Zement von einer Seite der Baustelle auf die andere. Am Ende des Tages haben sie zum Bau eines Hauses beigetragen. Religion jedoch lässt andere Eltern dasitzen und in ein Mikrofon singen, damit ihre Nachbarschaft nerven und Vorbeilaufende glauben, dass die Singer großartige Gläubige seien.
Nein, ich bin wirklich kein Fan von Religion – und diese Gedanken helfen nicht gerade, mich umzustimmen!
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