Religion und Freiheit – Zwingen wir unseren Kindern unseren Glauben auf? – 20 Jul 11

Religion

Ich habe über Kinder und Teenager geschrieben und über die Verantwortung der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. Alle Eltern haben den Wunsch, es richtig zu machen. Natürlich ist da immer die Frage, welcher der richtige Weg ist. Jeder gibt seinen Kindern die Werte und Ideen des Lebens mit, von denen er selbst überzeugt ist. Religion ist ganz natürlich ein Teil dieser Werte und gehört dazu, wie Eltern das Leben sehen. Zwingen wir unsere Kinder in eine bestimmte Religion?

Da ich Religion an sich nicht wirklich gutheiße, würde ich sagen, die ideale Situation für ein Kind könnte folgendermaßen aussehen: Ein Kind wächst bei liebenden Eltern auf, die ihm nicht eine bestimmte Religion, sondern das Kind über alle verschiedenen Möglichkeiten informieren, an die er oder sie glauben könnte. Wenn das Kind dann erwachsen und reif ist, kann es entscheiden, welche Religion die attraktivste ist. Auf diese Weise könnte das Kind frei wählen, ob es Hindu, Christ, Moslem, Jude, Buddhist oder etwas anderes werden möchte. Dann gäbe es die Frage nicht, ob es später zur einen oder anderen Religion wechselt, da es ja informiert eine Entscheidung getroffen hat. Wenn der junge Mann oder die junge Frau beschließt, sich keiner Religion anzuschließen, bestünde dann auch keine Notwendigkeit, offiziell aus einer religiösen Einrichtung auszutreten.

Wir wissen jedoch alle, dass das kein realistisches Bild ist und dass Glaubenssysteme so nicht funktionieren. Jedes Kind wird in etwas hineingeboren und Eltern geben ihren Kindern bereits in der Kinheit ihren eigenen Glauben mit. Man kann seinen Glauben nicht von dem Trennen, was man seinen Kindern beibringt und das, was man selbst als gut und passend empfindet hält man ganz natürlich auch für das, was für das Kind gut ist.

Selbst wenn die Eltern Atheisten sind, bringen sie ihrem Kind bei, dass es keinen Gott gibt, dass Religion etwas ist, was sie nicht brauchen und dass man sich im Leben nicht auf religiöse Gemeinschaft, Regeln oder Hilfe verlassen muss. Jemand, der mit dieser Lehre aufgewachsen ist, geht nur schwerlich einen anderen Weg und sucht sich eine Religion aus, wenn er erwachsen ist. Warum? Seine Eltern haben ihm beigebracht, das Leben anders zu sehen, selbst wenn sie gegenüber religiösen Gruppen tolerant eingestellt waren.

Wenn ein Kind mit religiösen Eltern aufwächst, steht er oder sie unter dem Einfluss dieser Religion. Sie gehen mit dem Kind zum Tempel, zur Kirche, zur Moschee oder zur Synagoge. Sie lesen ihre Schriften und erklären sie ihrem Nachwuchs und viele religiöse Gruppen haben sogar besonderen Unterricht, damit ihre Kinder mehr über ihre Religion lernen können. Es ist einfach ganz normal, dass ein Kind in Fragen des Glaubens beeinflusst wird. Selbst wenn deine Eltern nicht sehr religiös sind und in ihrer religiösen Gemeinschaft nicht aktiv sind, wenn du an einem Ort lebst, an dem die Religion deiner Eltern zur allgemein vorherrschenden Religion gehört, wirst du von dieser Religion beeinflusst. Deine Mentalität entwickelt sich in die Richtung und die Religionen pflanzen schon in der Zeit ihre Samen.

Manche Menschen denken nicht viel über die Religion nach, der sie angehören, sondern akzeptieren sie einfach so wie sie ist. Sie haben keinen starken Glauben, folgen aber den grundlegenden religiösen Aktivitäten, die erforderlich sind. Sie verbringen ihr Leben mit diesem Glauben und oft ist er für sie nicht wirklich wichtig. Andere zeigen mehr Interesse und sind in ihrer Religion stärker engagiert. Wieder andere zeigen auch Interesse, beschließen aber, dass sie da nicht zustimmen könenn und konvertieren zu einer anderen Religion oder verlassen die Religion vollständig.

Hinduismus besagt eigentlich, dass man kein Hindu werden kann, wenn man nicht als Hindu geboren wird und Hindu Eltern hat. Es gibt also keine Möglichkeit, zum Hinduismus zu konvertieren und theoretisch auch keinen Weg, ihn zu verlassen. Ich mag diese Vorstellung nicht, weil sie einem keine Wahl lässt. Moslems und Christen im Gegenteil dazu versuchen so viele Menschen wie möglich von ihrem Glauben zu überzeugen. Die Arbeit von Missionaren ist einzig und allein das: Menschen von seiner Religion zu überzeugen. Und wenn sie einmal dieser Religion angehören, werden ihre Kinder automatisch auf zu dieser Religion gehören. Das hat mich etwas an das Kastensystem erinnert, eine Kategorisierung der Menschen in verschiedene Klassen. Du wirst in eine Religion geboren, wie in eine Kaste und wenn deine Eltern dir keine Wahl lassen, hängst du da fest. Einerseits ist das Kastensystem für alle also eine unmenschliche Einteilung der Leute, doch dann schließt sich jedermann freudig der Kategorisierung der Menschen in unterschiedliche Gruppen an.

Meiner Meinung nach solltest du deinem Kind so viel Freiheit wie möglich geben, selbst zu entscheiden, egal, an was du selbst glaubst. Wenn du einer Religion angehörst, okay, aber lass dein Kind entscheiden, sobald es reif genug ist, neutral zu entscheiden, ob es dieser Religion auch beitreten will oder nicht. Wenn du einem Kind einen Glauben aufzwingst, gibst du seinem Geist nicht die Möglichkeit, sich eigenständig zu entwickeln.

Natürlich bietet Religion eine Vorstellung bestimmter Werte und auch eine Gemeinschaft, in der diese Werte vorherrschen sollten. Die Wahrheit ist aber, wenn du eine funktionierende Familie oder einen Freundeskreis, eine Gruppe liebender Menschen um dich herum hast, hast du die Unterstützung, die du brauchst, um ein Kind mit den Werten großzuziehen, die zu für richtig hälst. Dazu brauchst du keine Religion. Stelle es deinem Kind frei, selbst zu entscheiden.

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