Gestern Abend sind Ramona und ich in Cochin angekommen. Heute Morgen hatten wir ein gutes Frühstück und haben danach beschlossen, rauszugehen und uns die Stadt anzusehen. Als wir an der Rezeption nach Informationen fragten, bekamen wir sehr freundlich eine Karte von Ernakulam und Cochin in die Hand gedrückt, zwei Städte, die so nahe beieinander zu liegen scheinen, dass es nicht viel Unterschied macht, in welcher man gerade ist. Wir baten die Frau, die Sehenswürdigkeiten zu markieren und natürlich tat sie auch das gerne: hier ist diese Kirche, dort jener Tempel, diese Basilika und jene Synagoge. Da gibt es noch eine Moschee, aber sie ist etwas kleiner. Und dazu noch der holländische Palast. Mit etwas mehr Informationen über die Märket, Restaurants und den ‚Marine Drive‘, die Straße am Wasser, dankten wir ihr schließlich und gingen los.
Draußen auf der Straße sahen Ramona und ich uns an und lächelten. Gut, dass wir nur diesen einen Tag in Cochin haben, weil wir hier wirklich nicht viel zu tun haben. Wir sind nicht religiös und sind deshalb nicht daran interessiert, Tempel, Kirchen, Synagogen oder Moscheen anzusehen. Wir gehen zu keinerlei Gottesdienst dorthin, warum sollten wir als Touristen hingehen?
Sind diese Gotteshäuser wirklich dafür gemacht? Damit Leute davor stehen und sagen ‚Oh, was für ein schönes Gebäude‘, ein Bild machen und wieder gehen? Pilgerfahrten sind, zumindest in Indien, auch bereits ein großes Geschäft. Dort sieht man die Zukunft der Religion. Nur Geschäftemacherei und Geld. Wie schade, wenn ein Ort der Liebe und Verehrung zu einem Ort wird, der nur hergezeigt oder angesehen wird.
In vielen südindischen Hindu Tempeln ist Ausländern der Eintritt nicht gestattet und Inder selbst zahlen Eintrittsgelder, damit sie die Götterstatuen sehen und verehren dürfen. Wenn man sich in London Westminster Abbey von innen ansehen will, muss man auch zahlen. Ich sage sowieso, dass ich keinen Tempel brauche, Gott ist in meinem Herzen und das ist genug.
Vielleicht ist das alles ja auch ein gutes Zeichen, dass alle Kirchen und Tempel sich langsam in Museen verwandeln. Dann kann man einfach nur zu Notre Dame in Paris gehen, um sich die schöne Architektur anzusehen und auf diese Weise kannst du viele andere Tempel, Moscheen, Synagogen oder Kirchen besuchen, nur um mehr über ihre Geschichte zu erfahren und vielleicht zu lernen, dass wir alle nicht Hindus, Christen, Moslems oder Juden sind, sondern nur Menschen. So werden wir endlich verstehen, dass wir für Gott kein getrenntes Haus brauchen, weil Gott in unserem Herzen lebt.
Wir haben also etwas Sightseeing betrieben, sind durch die Märkte Cochins gegangen und haben die Unterschiede des Südens Indiens genossen. Wir hatten eine schöne Zeit, ohne uns Häuser der Verehrung anzusehen und werden jetzt zum Abendessen gehen.
Morgen reisen wir weiter von Cochin nach Allepey weiter und schreiben mein Sonntags-Tagebuch für euch von einem Hausboot aus den Backwaters von Kerala.
Related posts
Freut sich dein imaginärer Gott, wenn Millionen unschuldiger Tiere getötet werden? – 13 Sep 16
Religion ist die Wurzel des Terrorismus – 11 Sep 16
Das korrupte System der Religion – wenn Geld dich Gott näher bringt! – 10 Sep 16
Ganesha auf Zigaretten ist in Ordnung, aber auf Schuhen? Oh nein! – 8 Sep 16
Religionen preisen das Leiden, damit sie die Leute weiter unterdrücken und ausbeuten können – 5 Sep 16
Warum es so komisch ist, dass Mutter Teresa heute heiliggesprochen wird – 4 Sep 16
Hungrige Kinder füttern oder doch die Affen? – 23 Aug 16
Man kann Religion nicht ausklammern, wenn es um Terrorismus geht – 26 Jul 16
Dein Leben, deine Entscheidungen – lass Religion dir nicht vorschreiben, was du tun sollst! – 17 Sep 15
