Als Ramona und ich über Anhänger sprachen, kam eine weitere Frage auf. Für uns war es klar, wenn jemand sagt, er sei religiös, und würde einer bestimmten Religion angehören, so glaubt er wirklich daran, an alles, was dazugehört. Meiner Meinung nach bedeutet das, das derjenige ein blinder Anhänger ist – wenn er seine Augen offen hätte, würde er all die Kontroversen organisierter Religion bemerken und genauso die Versuche, Menschen zu betrügen und zum Narren zu halten. Doch ist es wirklich wahr, dass man entweder religiös ist oder eben nicht?
Im Westen habe ich viele Menschen getroffen, die eigentlich mit Religion überhaupt nichts zu tun hatten, wenn sie aber ein Formular ausfüllen und ihre Religion angeben sollen, schreiben sie ‘Christ’ und spezifizieren vielleicht sogar, ob sie katholisch oder evangelisch sind. In ihrem täglichen Leben üben sie ihre Religion jedoch nicht aus. Sie folgen nicht einmal den Zehn Geboten, die doch die Grundlage ihres christlichen Glaubens darstellen. Sie handeln sogar genau entgegengesetzt!
Solche ‘Gläubigen’ findet man in jeder Religion, nicht nur im Christentum. Ich kenne solche Hindus und habe auch von solchen Moslems gehört. Wenn man sie fragt, ob sie sich selbst als religiös bezeichnen würden, würden sie das verneinen oder eine ausweichende Antwort geben. Sie wissen, dass sie nicht wirklich religiös sind, wollen aber auch dieses Label der Religion nicht aufgeben.
Religion heißt diese Leute mit der Möglichkeit willkommen, nur teilweise religiös zu sein. Es hat mir einmal jemand gesagt ‚Ich bin halb Moslem‘ und ich musste sehr darüber lachen. Es ist jedoch wahr, dass Religion dir diese Möglichkeit gibt: nimm dir so viel du willst. 20%, 40% oder 60%. Kaum jemand wird wirklich 100% wählen, aber das ist der Religion egal, sie wollen dich irgendwie kriegen. Es ist wie Gift im Zuckermantel, eine Droge, die dir viel verspricht und du, ganz vorsichtig, nimmst nur ein bisschen und merkst nicht, wie du immer mehr hineingezogen wirst.
Viele Religionen möchten auch, dass du 10% deines Einkommens der Religion selbst gibst. Ich war erstaunt, als ich hörte, dass in Deutschland und auch in anderen Ländern, die ‚Kirchensteuer‘ so organisiert ist, dass sie zusammen mit deinen normalen Steuern von deinem Konto abgehen kann. Ich weiß nicht, wie viele Prozent das sind, aber es ist wie eine Steuer, die an die Kirche geht, nicht an den Staat! Man gibt sie der Kirche, der christlichen Institution von Religion, oder du spendest es an Hindu Tempel – es gibt unterschiedliche Wege, aber sie wollen Geld. Es ist jedoch nicht ‚alles oder nichts‘! Wenn du ungern ganze 10% geben willst, komm und gib 5% oder 2%, kein Problem!
Meiner Meinung nach kann man jedoch nicht wirklich ‘teilweise religiös’ sein. Entweder gehört man einer Religion an oder eben nicht. Wenn du einfach akzeptierst, dass du in eine bestimmte Religion hineingewachsen bist, du aber deren Regeln nicht befolgst, solltest du darüber nachdenken, auszutreten. Du glaubst doch sowieso nicht an das, was sie sagen und wollen, dass du tust und glaubst, warum also solltest du ihnen erlauben, dich als einen von den ihren zu zählen? Ich würde vorschlagen, du machst eine bewusste Entscheidung für oder gegeb Religion, anstatt einfach nur bequem ‚halb religiös‘ zu sein. Mein Rat wäre, dich gegen Religion zu entscheiden – aber ich bin nicht wie Religion, ich will dich nicht überzeugen, du musst das selbst herausfinden!
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Ich bin auch der Meinung, dass man keine halben Sachen machen sollte. Ist man religiös, so sollte man wissen, was man da zustimmt. Und das bedeutet im Falle Christentum Jahrhundertelange Verfolgung von unschuldigen Personen, eine Verleugnung der Vergangenheit und auch eine Verdammung der Homosexualität.Nein, dem kann ich nicht zustimmen!