Am 14. Januar 2013 hat die Kumbh Mela in Allahabad mit dem ersten heiligen Bad im Ganges begonnen, doch bereits lange zuvor war sie in aller Munde. Die Vorbereitungen waren sowieso schon in vollem Gange, Besucher buchten ihre Plätze in Camps und Sadhus, Gurus und alle wichtigen religiösen Menschen bereiteten sich auf ihre Reise nach Allahabad vor. Dann breitete sich eine große Nachricht im Land aus: Shankaracharya Swaroopanand hat gesagt, er würde nicht kommen! Der Grund? Sein Ego. Lasst mich das näher erklären.
Die Hindu Religion hat vier Oberhäupter, vier Männer, die die höchste Stellung im Hinduismus haben. Man kann also sagen, dass der Shankaracharya der Hindu Papst ist – nur dass es davon vier gibt. Swaroopanand sagte, dass er nicht zum größten Fest des Hinduismus kommen wird. Ein Skandal!
Wenn wir ein paar Wochen zurückblicken, so haben Regierungsbeamte schon ganz lange im Voraus mit den Vorbereitungen für das Fest begonnen, zu dem einhundert Millionen Menschen erwartet werden. Sie haben Ausgaben in Millionenhöhe – wo werden all die Leute essen, schlafen oder zur Toilette gehen? Sicherheitsmaßnahmen, medizinische Versorgung, Nahrungsmittelangebot, sanitäre Anlagen, das alles muss organisiert werden. Und nicht zu vergessen, die Bereiche, in denen die Lager aufgestellt würden, mussten zugeteilt werden. Sie haben also ihre Karte und sie haben eine Liste von Leuten, die sich für einen Bereich angemeldet haben. Dazu braucht man religiöse Autorität und natürlich Geld. Natürlich ist der Shankaracharya nicht knapp an beidem.
Er hat einen Platz bekommen, aber leider war es nicht der Platz, den er wollte. Er hat einen Bereich für alle vier Shankaracharyas zusammen beantragt, einen Block für die religiösen Leiter des ganzen Theaters. Sein offizieller Grund war, dass es nun ‚falsche Shankaracharyas‘ gäbe, religiöse Führer, die fälschlicherweise behaupten, die Autorität eines Shankaracharya zu haben und Besucher der Kumbh Mela verwirrt sein könnten, wer denn nun der wahre Shankaracharya ist. Darum will er die wahren Shankaracharyas zusammen an einem Ort haben. Meiner Meinung nach wollte er das nur, um den besten Ort zu haben und für Festbesucher am Besten sichtbar zu sein. Er wollte sich von der Masse der Sadhus und Sanyasis um ihn herum abheben.
Über Jahrhunderte hinweg haben Politiker, Schauspieler, Prediger und alle wichtigen Menschen immer den besten Platz bekommen und die beste Redezeit. Der Shankaracharya hat auch immer eine besondere Behandlung bekommen, einen bestimmten Platz, einen guten Bereich, an dem viele Leute vorbeilaufen, auf der Hauptstraße, im Zentrum. Dieses Mal war er nicht glücklich mit dem Ort, der ihm zugeteilt worden war – also drohte er einfach damit, nicht zu kommen.
Obwohl selbst der Chief Minister ihn bat, doch zu kommen und die ganze religiöse Szene sich deswegen verrückt machte, beschloss der Shankaracharya Swaroopanand, die beleidigte Leberwurst zu spielen. Er ist bis jetzt nicht auf der Kumbh Mela erschienen. Seine Anhänger sind dort, in dem Lager, das ihm zugeteilt worden war, aber er hat dort noch keinen Fuß hinein gesetzt! Er ist noch nicht einmal in U.P., nicht im gleichen Bundesstaat, sondern stattdessen in seinem Ashram in M.P., wahrscheinlich grollend vor dem Fernseher, in dem Nachrichten über die Kumbh Mela laufen.
Ihr seht also, wie viel Respekt der höchstgestellte Hindu für seine eigene Religion hat! Wie sehr glaubt dieser Mann an die Wichtigkeit eines Bades im Ganges? Ganz offensichtlich überhaupt nicht! Es ist das größte Hindu-Fest und die wichtigste Handlung für religiöse Leute, aber der Mann in der höchsten Position im Hinduismus will daran nicht teilnehmen, wenn er für sein Zelt nicht einen bestimmten Platz bekommt! Er ist nicht gekommen, um ein Bad zu nehmen, er will nicht in der Gegend sein, wo der Nektar der Unsterblichkeit zu Erde tropfte, er will bloß ein Zelt an einem wichtigen Ort, an dem die Leute ihn und seine enorme Wichtigkeit deutlich sehen können!
Es ist einfach nur ein weiterer Beweis dafür, dass diese religiösen Führer alle wie Politiker sind, die wütend werden, wenn sie nicht die Sonderbehandlung bekommen, die sie ihrer eigenen Meinung nach verdienen. Es ist eine Frage des Ansehens, keine Frage der Religiösität! Natürlich würde er in einem Zelt weiter hinten, an einem Ort, der nicht so markant ist und nicht zusammen in einem Block mit den anderen Männern höchster Stellung ist, nicht so gut gesehen werden, wie er es gerne hätte – also sieht es wieder so aus, als wollte er sich einfach nur zur Schau stellen.
Die Zurschaustellung und Angeberei ist sowieso etwas, das man bei allen Shankaracharyas sieht – silberne Throns, jede Menge Schmuck, immer eine Menge Anhänger, die die Leute vor ihnen darauf aufmerksam machen, dass eine wichtige Person kommt. Ein großes Ego dafür, dass sie auf diesem hohen Posten sind – ein Ego und jede Menge Reichtum, was wieder nicht zu dem Konzept des Nicht-Anhaftens und der Bescheidenheit passt, die religiöse Menschen immer predigen. Religiöse Scheinheiligkeit!
Für das erste Bad war Shankaracharya Swaroopanand nicht da. Einige weitere Bäder stehen noch auf dem Plan und alle höheren Persönlichkeiten baden üblicherweise an festen Tagen im Ganges. Vielleicht kommt er ja später noch – aber es ist bereits klar, dass ein solcher Besuch auf der Kumbh Mela zu späterem Datum nur noch ein Geschäftsbesuch ist, mit dem er versucht, dem Laden in seinem Lager etwas höhere Einkünfte zu bescheren. Es geht nicht um Religiösität, Gottesfürchtigkeit oder Heiligkeit und ganz sicher nicht um ein Bad im Ganges. Er hat bewiesen, dass das alles sowieso unwichtig ist.
Bloß vorsichtig, Mr. Shankaracharya – du setzt deinen Platz im Himmel aufs Spiel!
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