Niemand geht durch Rituale in den Himmel – sagt meine Großmutter – 3 Jan 13

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Bei all den Ereignissen des letzten Monats ist eines ganz sicher: meine Familie und ich wurden in unserer unreligiösen Ansicht des Lebens – und des Todes – bestätigt. Die Leute haben vielleicht nicht direkt gefragt, aber ich weiß, dass da in den Köpfen meiner Leser eine Frage herumschwirrte: was sagen und denken mein Vater und meine Großmutter über die Entscheidung, nach Ammajis Tod nichts religiöses zu tun. Schließlich hatte ich hin und wieder geschrieben, dass sie religiöser waren als wir Kinder.

Natürlich haben meine Eltern und meine Großmutter ihre Leben in enger Nähe zur Religion verbracht. Das ist hier, besonders in Vrindavan, für jede normale Person recht üblich, aber noch mehr für meinen Vater, der wie mein Großvater Prediger war und somit sein Geld damit verdiente, den Menschen religiöse Texte näher zu bringen. Meine Großmutter hat heute noch einen Altar im Zimmer und betet täglich.

Doch mit den Veränderungen, die meine Brüder und ich über die Jahre hinweg durchgemacht haben, haben sie sich auch sehr verändert. Für mich war es ein langer Prozess vom religiösen Guru und Prediger zu der Person, die ich nun bin. Ich bin, und war immer, eine sehr offene Person und obwohl ich immer darauf Acht gab, die religiösen Gefühle meiner Eltern nicht zu verletzen, konnte ich doch immer mit ihnen sprechen und ihnen erklären, warum meine Gedanken solche Wege gegangen waren. Da die Gründe für diese Entwicklung klar, logisch und mit Verstand und Herz nachvollziehbar sind, nickten sie oft zu meinen Worten, stimmten vielen Punkten zu und akzeptierten die Tatsache, dass ich so dachte.

Es ist für mich also nicht sehr überraschend, dass mein Vater keinen Wunsch hatte, irgendwelche Rituale durchzuführen, weder als 2006 seine Tochter starb noch jetzt, als 2012 seine Frau starb. Er sagte, dass das Licht aus seinem Leben gegangen war, was sollte es also nun helfen, ein Feuer für eine Zeremonie anzuzünden? Es war sein Wunsch, nichts als eine einfache Feuerbestattung zu machen, ein Abschied in der Familie.

Wenn es um Naniji geht, so war ich mir nicht ganz sicher, wie viel sie eigentlich wirklich noch in all diese Rituale und religiöse Traditionen glaubt. Als ihre Verwandten vorbeikamen, hatten wir natürlich einige Unterhaltungen über die Rituale, die wir nicht durchführten, da ja jeder nachfragte. Eines Tages jedoch, nach einer solchen Unterhaltung, rief sie mich in ihr Zimmer. Naniji, eine etwa 90 Jahre alte Frau, die ihr ganzes Leben als religiöse Frau verbracht hat, sagte: „Mein Sohn, mein Haar ist nicht durch die Sonne weiß geworden. Niemand geht dadurch in den Himmel, dass er großartige Rituale durchgeführt hat. Das bedeutet gar nichts. Das Wichtigste ist, was man in seinem Leben getan hat. Tu Gutes und lebe in Wahrheit.‘

Ich kann nur sagen, dass ich meiner Großmutter niemals mehr zugestimmt habe!

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