Nicht-Hindus mit Hindu Titeln – in einer Religion, zu der man nicht übertreten kann – 30 Jan 13

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

In den letzten Tagen habe ich über die Kumbh Mela geschrieben und habe dabei natürlich viel über Hindus und über Inder geschrieben, über indische Pilger und nebenbei vielleicht auch ein bisschen über Pilger aus anderen Ländern. Ich habe jedoch noch nicht über eine weitere Art von Person geschrieben: nicht-indische Sadhus und Gurus, die auf der Kumbh Mela ganz klar keine Besucher oder Touristen sind, sondern Aussteller und Darsteller.

Ich habe zuvor bereits erklärt, dass Hinduismus eigentlich keine Bekehrungen erlaubt. Man kann zum Islam übertreten, man kann zum Christentum übertreten, aber es gibt keine Möglichkeit, zum Hinduismus überzutreten. In keiner Hindu Schrift findet man eine Beschreibung einer Zeremonie oder eines Rituals dazu, wie man zum Hindu wird. Man kann nur von Geburt an Hindu sein. Das ist der Grund warum der Vishwanath Tempel in Varanasi, der Jagannath Tempel in Puri, Orissa und die meisten Hindu Tempel in Südindien nicht-Hindus noch heute am Betreten hindern. Vor diesen Tempeln stehen Schilder mit diesem Hinweis und das ist der Grund, warum kein Ausländer die Tempel betreten kann. Ich habe diesen religiösen Rassismus einmal in einem Eintrag beschrieben, aber es zeigt einfach wieder, dass man nicht zum Hinduismus übertreten kann.

Das Lustige ist, dass die Geschäftsmänner des Hinduismus, die religiösen Führer und Gurus ihre eigene Religion selbst auseinandergenommen haben. Die Zeitschriften schreiben täglich über Sadhus von aus Amerika, Russland, Schweden und anderen Ländern auf der Kumbh Mela in Allahabad. Sie sind keine einfachen Sadhus, die einem indischen Guru folgen, nein, sie sind selbst Gurus mit großen Lagern und werden von den indischen Gurus um sie herum vollständig angenommen und akzeptiert – weil sie von einer sehr alten religiösen Hindu Organisation eingeweiht wurden, die die Autorität hat, den Titel Mahamandaleshwar zu verleihen, Führer einer Gruppe Anhänger. Und sie haben diesen Titel auch an Ausländer verliehen! Jeder weiß nun jedoch, dass solche Titel käuflich sind – wer genug Geld hat, kann einen kaufen.

Die Hindu Religion erlaubt Ausländern nicht einmal, ihre Tempel zu betreten, wie kommt es, dass eine alte Organisation dieser Religion die gleichen Ausländer einweiht und ihnen hohe Titel verleiht? Sie machen nun ihre eigenen Anhänger, haben ihre Zelte und Lager auf der Kumbh Mela und werden angebetet und verehrt und das von Menschen von der ganzen Welt – auch von indischen Hindus, die offensichtlich vergessen haben oder nie wussten, was ihre eigenen Schriften besagen.

Was das noch schlimmer macht ist, dass man sieht, wie sie alle zusammen bei diesem Fest ihre Geschäfte betreiben. Die westlichen Gurus und Sadhus stehen den indischen hier in keinster Weise nach, geben mit ihrem Reichtum an und vergnügen sich mit weiblichen Anhängern, obwohl Sanyasis mit diesem Titel nicht einmal mit Frauen reden sollten! Von einem westlichen Guru ist bekannt, dass er eine Messerspitze Asche für 1100 Rupien verkauft – umgerechnet in etwa 15 Euro! Sie machen dort das große Geld, während sie eigentlich von allem Materiellen losgelöst sein sollten.

Darum sage ich, dass Religion reine Geschäftssache ist und nichts anderes. Jeder manipuliert sie nach seinem Vergnügen, gibt seine Interpretation, schafft seine eigene Tradition und öffnet seinen Laden, um Gott und Religion zu verkaufen. Das religiöse Publikum unseres Landes ist bereit dazu, alles zu kaufen, was im Namen der Religion verkauft wird.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Westler, die sich selbst Hindus nennen, meinen Worten nicht zustimmen können und von ihnen am allermeisten die Gurus, deren Geschäft Religion ist. Das letzte Mal, als ich über dieses Thema schrieb, bekam ich jede Menge wütende Antworten von denen, die das Gefühl hatten, dass ich die Wahrheit aussprach. Ich weiß auch, dass die üblichen religiösen Menschen, die Anhänger, mich für meine Worte verfluchen werden, aber sie werden sich vor den Gurus verneigen, die sich selbst bereichern, während sie die Schriften verspotten, die sie anderen als Richtlinien geben. Ich kann wieder nur zu dem Schluss kommen, dass das Ganze entweder traurig oder lächerlich ist – und ich lache lieber.

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