Jeder Ungläubige ist zu dumm, um Religion zu verstehen! – Wirklich? – 5 Nov 12

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Ihr wisst alle, dass ich Religion und viele Dinge, die dazu gehören, immer wieder mal in meinem Blog kritisiere. Ich habe gegen Ausschnitte der Schriften geschrieben, gegen Rituale, gegen unterschiedliche Wege der Verehrung, gegen Probleme, die ich bei Tempeln sehe und sogar gegen hohe religiöse Führer. Während die Leute meistens zustimmen, dass ein Mensch seine Macht missbrauchen könnte, so sagen doch viele, wenn ich über den fehlenden Sinn oder sogar die Gefahr mancher Rituale oder über offensichtlichen Unsinn in den Schriften spreche, dass ich ein Problem damit hätte, es richtig zu verstehen. Heute möchte ich gerne über dieses Argument schreiben, dass jeder, der Religion kritisiert, einfach zu dumm ist, Religion zu verstehen.

Lasst mich ihre Argumente noch einmal erklären: sie glauben, wenn jemand ihnen einen Fehler in den Schriften zeigt oder den Sinn eines Rituals hinterfragt, dass das nicht die Schriften oder das Ritual sind, wo der Fehler liegt. Es gibt keine Fehler in den Schriften, der Mensch hat einen Fehler in seiner Denkweise. Religion hat kein Problem, das ist alles in Ordnung. Die Person, die Zweifel geäußert hat, hatte einfach keine richtige Interpretation dessen, was geschrieben war und hat es deshalb einfach missverstanden. Das kann jedem passieren, sagen sie, mach dir keine Gedanken, wir können dir erklären, wie es richtig ist, komm einfach in unsere Kirche, Tempel, Moschee oder Schriften-Stunde. Auf diese Weise verteidigen viele religiöse Menschen ihre Religion.

Wenn du derjenige bist, der solche Argumente äußerst, hattest du jemals die Idee, dass vielleicht diejenigen, die Religion in ihrem Leben nicht akzeptieren, auch intelligente Menschen sein könnten? Indem du sagst, dass sie all diese Themen missverstehen, sagst du praktisch, dass sie dumm sind, zumindest weniger intelligent, als du selbst, da du ja alles perfekt verstehst!

Die Wahrheit ist jedoch, dass sie sehr wohl dazu in der Lage sind zu verstehen, was in den Schriften geschrieben steht und was in den Ritualen geschieht. Sie sehen es, sie verstehen es, aber sie können es nicht mit geschlossenen Augen akzeptieren. Sie denken darüber nach, überlegen und wenn sie etwas sehen, was ihrer Meinung nach falsch ist, konfrontieren sie dich damit. Sie machen sich wirklich Mühe und versuchen zu verstehen, was du glaubst – nicht blind, sondern mit Verstand und Intelligenz. Und wenn sie Unsinn sehen, weigern sie sich, es zu akzeptieren.

Wenn du solchen Personen an diesem Punkt praktisch erzählst, dass sie dumm sind, dass sie es nicht verstehen und vielleicht sogar sagst, dass sie ‚einfach vertrauen‘ sollten, ist es wirklich kein Wunder, dass sie am Ende anti-religiös sind. An diesem Punkt verstehen sie, dass Religion manipuliert und will, dass du ihr folgst und nicht für dich selbst entscheidest. Sie entscheiden also, den Weg der Religion zu gehen.

Wenn man sich mein persönliches Beispiel betrachtet, versteht man vielleicht noch besser, dass das Problem nicht ist, Religion zu verstehen. Ich habe die Schriften, religiösen Bücher und unterschiedliche Interpretationen dreißig Jahre meines Lebens studiert. Ich habe von Beruf aus Religion gepredigt. Man kann also nicht sagen, dass ich es nicht verstehe! Ich habe es Tausenden von Menschen erklärt, wenn ich also jetzt über die Fehler, die Kontroversen und Unregelmäßigkeiten spreche, so ist das nicht, weil ich nicht gut informiert bin. Vielleicht geht nicht jeder so sehr ins Detail wie ich und ich weiß, von was ich spreche, also zählt dein Argument hier nicht mehr.

Glaube nicht, dass alle anderen dumm sind. Sie haben auch einen Verstand und vielleicht solltest du dir einmal überlegen, deinen Glauben durch ihre Augen zu sehen. Sie haben deinen ausprobiert und finden ihn nicht akzeptabel – jetzt liegt es an dir!

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