Hindu Traditionen 13 Tage nach dem Tod – an Tehravi feiern und mit Geld angeben – 28 Dez 12

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

In den vergangenen Tagen habe ich über all die religiösen Bräuche und Traditionen geschrieben, denen Hindu Familien normalerweise folgen, die wir jedoch abgelehnt haben. Nebenbei habe ich die Tradition erwähnt, dass es am 13. Tag nach einem Tod in einem Haus ein großes Essen gibt. Es wird ‚Terahvi‘ genannt.

Religiöse Menschen verbringen die Tage nach einem Tod in ihrem Haus sowieso mit vielen Ritualen und täglich kommt ein Priester bei ihnen vorbei, um die eine oder andere Zeremonie durchzuführen. Dieser Tag ist jedoch der wichtigste, weil es das Ende ihrer Unberührbarkeit bedeutet. Es gibt Rituale, die nach den Anweisungen eines Priesters durchgeführt werden müssen und die Hauptsache an diesem Tag ist das große Essen.

Zuerst gibt man 13 Brahmanen zu essen, gibt ihnen Kleidung, gibt ihnen Geld, Töpfe und andere Haushaltsgegenstände. Sie sind die wichtigsten Gäste und bekommen mit ihrem Essen jede Menge Geschenke. Das ist jedoch nicht alles! Dazu muss man auch noch so viele Menschen wie möglich zum Essen einladen. Es werden 50, 100, 500 oder 1000 Gäste eingeladen, je nach sozialem Stand und finanziellen Möglichkeiten.

Da fangen für viele Leute die Probleme an und da kommt auch der Grund dafür, warum diese Praxis nicht nur bei unreligiösen Menschen wie uns nicht beliebt ist: dieses Essen ist zu einer Art Wettbewerb geworden dafür, wer nach dem Tod eine geliebten Menschen den meisten Leuten zu Essen geben kann. Je mehr Leuten man zu Essen gibt, desto mehr hat man die Person geliebt. Was jedoch sollen diejenigen tun, die sich nicht so viel leisten können? Menschen, die für die Hochzeit ihrer Töchter Kredite aufgenommen haben, weil sie eine hohe Mitgift geben mussten? Stellt euch einmal ihre Situation vor, wenn plötzlich jemand stirbt und von ihnen erwartet wird, dass sie die ganze Stadt einladen! Das würde sie vollkommen in den Ruin treiben!

Obwohl es heutzutage Menschen gibt, die sich dieser Tradition widersetzen, ist es immer noch ganz normal und die Leute waren überrascht, als wir ihnen erzählten, dass wir gar nichts machen würden. Für manche Menschen bedeutet das offensichtlich, dass sie mit ihren eigenen Festen noch mehr angeben müssen. Ein Mann sagte uns, er hätte 900 Leute eingeladen, als seine Frau gestorben war! Ganz toll, aber was willst du uns damit sagen? Dass du im Trauern besser bist als wir? Wenn du so willst, darfst du das gerne so sagen… Wir wussten jedoch, dass wir 13 Tage nach Ammajis Tod kein Festessen organisieren wollten.

Solche Essen fühlen sich wirklich oft nach Festen an! Ein Festessen und die Leute sind froh, dass sie nun nicht mehr unrein sind. Nein, wir wären nicht in der Lage gewesen, mehr als das zu tun und wir sehen nicht ein, warum wir jede Menge Leute einladen sollten und anderen zeigen sollten, wie viel Geld wir zu diesem Anlass ausgeben können! Wir geben nicht gerne an, wir glauben sowieso nicht, dass wir die ganze Zeit unrein waren und wir machen keine Rituale.

Als wir dann gefragt wurden, wann denn das Essen stattfinden würde, sagten wir, dass wir keines abhalten würden. Auch Babbajis Freunde, die von dem Besuch seines alten Freundes gehört hatten, fragten übers Telefon und Babbaji sagte ihnen, dass wir gar nichts machen würden. Am Ende kam keiner aus diesem Kreis und wir sind damit auch vollauf zufrieden.

Schließlich bleibt zum Schluss nur noch ein Gedanke: wenn die Zeremonie an dem Tag dich wieder rein macht und wir sie nicht gemacht haben, bleiben wir dann in den Augen der Menschen unrein? Werden sie denn nie wieder kommen, bis wir das Ritual durchgeführt haben?

Ein interessanter Gedanke, aber ich glaube nicht, dass die Leute dann doch so extrem sein werden!

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