Der lustige Bericht von nicht-Hindus nach einer religiösen Zeremonie in Indien – 26 Feb 15

Religion

Ich habe euch schon oft erzählt, dass wir im Ashram gerne Gäste haben! Es ist wirklich schön, wenn man Menschen unterschiedlicher Länder an einem Ort hat, wenn alle ihre Gedanken und ihre Meinungen teilen und austauschen. Natürlich erzählen sie uns auch, was sie in Indien gesehen und erlebt haben – und vor kurzem hat uns ein Bericht nicht nur zum Lachen gebracht, sondern uns auch ins Nachdenken gebracht, und zwar über Menschen, die religiöse Rituale durchführen und versuchen, andere zur Teilnahme zu bewegen.

Zwei unserer Ashramgäste waren ans Keshi Ghat gegangen, der Ort in Vrindavan, an dem Treppenstufen in den Fluss Yamuna führen. Zur Zeit hat der Fluss einen sehr niedrigen Wasserstand, aber das hält die Menschen nicht davon ab, täglich eine Feuerzeremonie für Pilger abzuhalten, die den Fluss verehren wollen. Das Paar ging, um sich diese Zeremonie anzusehen – und ihr Bericht dieser Erfahrung war einfach zum Brüllen komisch.

Für Gewöhnlich setzen sich die Leute an die Seite und sehen aus einer gewissen Entfernung zu, was dort vor sich geht. Sie kamen an den Ort und überlegten noch, wo sie sich am Besten hinsetzen sollten, als einige Pilger kamen und ihnen durch Gesten anzeigten, dass sie weiter nach Vorne kommen sollten. Sie folgten ihnen und fanden sich bald in der Mitte einer Menschenmenge wieder und machten, was ihnen gesagt wurde, um keinerlei religiöse Gefühle zu verletzen und natürlich auch, um diese einzigartige Erfahrung zu machen.

Und einzigartig war sie allemal! Sie erzählten, wie sie Teigstücke bekamen, die sie in den Fluss werfen sollten, wie sie brennende zeremonielle Kerzenständer halten mussten, die in der Menge umherschwingen sollten, immer darauf bedacht, nicht ihre Nachbarn zu versengen und wie sie sogar kleine Kerzenboote mit Hilfe eines langen Stabes balancierend in den seichten Fluss geben mussten. Irgendwann wurde ihnen eine hohle Art Horn gegeben, die dann mit Milch gefüllt wurde und die sie, wie ihnen wieder mit Gesten bedeutet wurde, über den Fluss halten sollten, so dass die Milch in den Fluss floss. Es war ein Balanceakt zu versuchen, das Horn weit genug raus zu halten, dafür, dass die Milch das Wasser erreichen würde, während zu versuchen, selbst nicht über das Geländer zu fallen! Sie waren erleichtert, als es schließlich leer war – und schockiert, als zweimal jemand kam, um es nachzufüllen!

Zurück im Ashram spielten sie die Handlungen noch einmal nach und ernteten großes Gelächter. Natürlich hatten sie auch Freude daran und sagten, dass sie wirklich mitten drin waren, aber gleichzeitig waren sie erschöpft. Es war viel Lärm, der Fluss floss nicht wirklich und stank ziemlich und sie mussten jede Menge ungewöhnliche Bewegungen vollführen. Und dann machten sie sich auch ein bisschen über diese Handlungen lustig. Und das ist ja auch klar: sie wussten wirklich nicht, was sie da machten, was die Logik oder der Symbolismus hinter diesen Handlungen war!

Während ich glaube, dass sie jede Menge Erinnerungen von dieser Erfahrung davontragen und obwohl wir unseren Gästen immer empfehlen, diese Zeremonie zu besuchen, um die Atmosphäre zu erleben, glaube ich auch, dass sie nicht da hineingezogen werden sollten.

Wirklich, wenn man seine eigene, ganz offensichtlich hinduistische Zeremonie vollführt und eine Person kommt, die ganz deutlich kein Hindu ist, die also deine Rituale und Traditionen nicht kennt, warum versuchst du, diese Person dazu zu bewegen, es dir nachzumachen? Wenn du demjenigen deine Religion zeigen möchtest, wäre es nicht nötig, ihn all diese Dinge, die er eh nicht versteht, machen zu lassen. Davon lernt er deine Religion doch kein bisschen besser kennen! Willst du deine eigene Religiosität zur Schau stellen? Auch dafür müsste der andere nicht das tun, was du tust! Oder willst du am Ende nur eine größere Spende? Ein religiöses Drama für Geld?

Und dann musste ich jedoch auch wieder an die Hindus denken, die bei dem Ritual mitmachen. Viele von ihnen wissen in Wirklichkeit auch nicht, was sie da tun! Sie ahmen nur das nach, was der Priester macht und was ihre Eltern und Vorfahren ihnen gezeigt und immer wieder wiederholt haben. Sie kennen die Symbole und den gedachten Sinn dahinter nicht. Also ist es auf gewisse Weise für sie auch nur ein Spiel. Ein Spiel mit den Vorteilen eines möglichen, göttlichen Segens.

Ich kann verstehen, dass du den Spaß eines Spiels gerne mit einem Fremden teilen möchtest. Aber lass mich dir sagen, dass dich das auch in Gefahr bringt, ausgelacht zu werden – und ich weiß sicher, dass du das nicht möchtest! Warum also können wir es nicht einfach so halten: wenn jemand kommt und aktiv Interesse daran zeigt, mitzumachen, lass sie das tun. Wenn nicht, lass sie einfach nicht zusehen! Dränge niemanden und mach einfach dein Ding!

Und vor allem würde ich dir raten, wenn du mal etwas freie Zeit hast, an den Fluss zu denken, die Verschmutzung und andere Probleme und welchen Unsinn du da eigentlich machst! 🙂

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