Arbeitslose Büroangestellte werden in Vrindavan zu Priestern – 17 Okt 11

Religion

Letzte Woche habe ich erklärt, warum Westler nach Indien kommen und nach Siddhis suchen sowie nach denjenigen, die Siddhis haben und ihnen eventuell zeigen können, wie sie selbst welche erreichen können. Es besteht Nachfrage nach solchen Menschen, andere bieten es an und so wächst die Anzahl der Gurus in diesem Geschäft täglich. Nicht jeder zeigt gleich seine falschen Siddhis mit Zaubertricks. Viele beginnen ihre Guru Karriere als einfache Priester und besonders in Vrindavan haben wir viele solche Priester.

Bei uns arbeitete einmal ein Mann an unserer Internetseite. Das war bevor wir uns selbst darum kümmerten, Seiten hochzuladen, Inhalt zu verändern und diesen Inhalt schön aussehen zu lassen. Er war derjenige, der das alles machen sollte, aber nach einer Weile bemerkten wir, dass er täglich mehr Zeit darauf verwendete, Filme herunterzuladen und anzusehen, als unsere Arbeit zu machen, weswegen eine notwendige Änderung auf der Internetseite immer recht lange dauerte. Wir mussten ihn feuern und fingen an, das alles selbst zu tun, worüber wir heute immer noch froh sind.

Vor einiger Zeit erfuhren wir, dass unser ehemaliger Angestellter nicht mehr daran arbeitete, die Internetseiten anderer Menschen zu verbessern, sondern seine eigene Internetseite gemacht hatte, auf sozialen Netzwerken sein Profil hochgestellt und ein anderes Geschäft begonnen hatte: er ist Priester geworden.

Online haben wir Bilder von ihm gesehen, spirituell gekleidet anstatt in dem Anzug, den er normalerweise anhatte, sein Haar länger und das Make-up einer religiösen Person im Gesicht. Für uns war es wirklich seltsam, dieses ‚heilige‘ Outfit zu sehen und seine Werbung zu lesen, wie er seine Tradition und Herkunft, so wie seinen Guru anpreist, wie er seine lebenslange Hingabe und religiöse Praxis beschreibt, sein Studium der Schriften, sowie seinen Dienst an Krishna.

Als er wieder einmal im Ashram vorbeikam, unterhielt ich mich ein bisschen mit ihm. Ich sagte ihm, dass ich von seinem neuen Beruf gehört hatte und fragte, wie er dazu kam. Er antwortete ‚Naja, irgendetwas muss man eben machen, um zu überleben!‘

Ihr seht also, auf diese Weise werden in dieser Stadt täglich dutzende Priester geboren. Sie versuchen eine Arbeitsstelle in dem Bereich zu bekommen, in dem sie etwas gelernt haben oder etwas Wissen haben. Wenn sie qualifiziert sind, kann es funktionieren. Wenn es nicht klappt, fangen sie oft an, als Priester zu arbeiten. Warum? Weil Vrindavan immer voller religiöser Pilger ist. Sie kommen für ihre Pilgerreisen aus ganz Indien und aus dem Ausland und machen hier in Vrindavan Halt, um am Fluss Yamuna Pooja abzuhalten, um in die alten Tempel Banke Bihari und Madan Mohan zu gehen und vielleicht auch einmal in den ISKCON Tempel zu gehen, um eine Sehenswürdigkeit zu betrachten. Und viele haben gerne etwas extra Programm und heuern einen Priester oder Prediger an, ihnen Geschichten aus den Schriften zu erzählen und mit ihnen in die religiösen Orte der Stadt zu besuchen.

Wer als Pilger nach Vrindavan kommt, kommt für sein gutes Karma. Die Zeremonien und das In-Anspruch-Nehmen der Dienste eines Predigers, um fromme Geschichten zu hören, oder Mantras und Kirtan zu singen, gehört zu dem Versuch, sein gutes Karma zu erhöhen. Jemand, der in Vrindavan geboren wurde und aufgewachsen ist, kennt normalerweise die bekanntesten Geschichten und lernt noch ein paar Punkte für einen Vortrag. So kann jeder Priester werden und junge Leute, die in Vrindavan ein Geschäft aufbauen wollen, entscheiden sich oft für diesen Beruf.

Ich will niemanden schlecht machen, nur weil er diesen Beruf ergriffen hat, weil es auch einfach nur ein Weg ist, das Überleben zu sichern. Sie arbeiten, um zu leben und das muss auch gewürdigt werden. Ich möchte gerne die Magie und das mystische, sowie diese Vorstellung der Heiligkeit beseitigen, in dem ich erkläre, wie sie bei diesem Beruf landen. Es ist ein Berufszweig wie jeder andere. Die Menschen lernen etwas, es gibt eine Nachfrage und sie machen auf dem Markt ihr Angebot. Sie sind nicht heilig und sie sind nicht gesegneter als du. Anstatt sie Prediger zu nennen, sollte man sie Entertainer nennen. Religiöses Make-Up und Outfit machen niemanden heilig. Vielleicht haben einige von ihnen vorher in einem Büro gearbeitet. Einige haben vielleicht wirklich ihr Leben der Religion gewidmet, aber nach diesen muss man wohl länger suchen.

Falle nicht auf die Illusion der Heiligkeit herein, sondern gehe tiefer.

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