Heute reisen wir wieder. Wir fliegen zurück nach Indien. Wir werden morgen früh ankommen und freuen uns natürlich drauf, wieder im Ashram zu sein. Im Ashram freuen sich schon alle und sind aufgeregt, dass wir heimkommen. Ich weiß, dass wir morgen nach der langen Reise müde sein werden, aber auch glücklich, daheim zu sein.
Reisen war schon immer ein Teil meines Lebens. In meiner Kindheit bin ich mit meinem Vater gereist, als Teenager begann ich meine eigenen Reisen in Indien und bis heute habe ich so viel Zeit in Autos, Zügen und Flugzeugen verbracht, dass ich mich mit jeder Art von Reise gut fühle.
Ich erinnere mich an viele lustige Erlebnisse, als wir mit dem Auto durch Indien gefahren sind. Wenn wir weit durchs Land fuhren, waren wir manchmal mehrere Tage unterwegs. Ich erinnere mich genau, wie wir oft an der Straßenseite anhielten, wenn wir ein Feld mit einem ‚tube-well‘ sahen, einem Brunnen, der das Wasser auf das Feld verteilte. Er pumpt das Grundwasser nach oben, damit es auf die Felder verteilt werden kann. Wir stiegen aus dem Auto und hatten Spaß daran, an dem starken Wasserstrahl zu duschen und uns zu erfrischen, einfach dort auf dem Feld. Wir hatten immer jede Menge Spaß.
Weil wir so viel reisen, essen wir oft auch im Zug. In Flugzeugen mag ich das Essen nicht, deswegen essen wir vor langen Flügen immer ordentlich. Wir geben wirklich darauf Acht, unseren Essensrhythmus nicht zu sehr durcheinander zu bringen und wenn man lange reisen hat, kann man normalerweise sein Essen auch mitnehmen und unterwegs essen.
Andere Notwendigkeiten des Körpers müssen dann eben auch unterwegs verrichtet werden. Am Sonntag, als wir auf dem Weg von Bonn zurück nach Wiesbaden waren, meldete sich meine Blase und so wollte ich mich auf der Zugtoilette erleichtern. Diese war jedoch kaputt und es hing ein Schild mit der Aufschrift ‚Defekt!‘ davor. Das war nicht gut, aber wir waren beinahe in Koblenz angekommen, wo wir sowieso umsteigen wollten. Ich dachte also, ich könnte genauso gut auch im nächsten Zug zur Toilette gehen.
Wir kamen in Koblenz an, brachten unser Gepäck von einer Plattform zur nächsten und stiegen in den Anschlusszug nach Wiesbaden. Sobald unser Gepäck verstaut war, ging ich Richtung Toiletten. Als ich jedoch dort ankam, gaben mir die Frauen, die näher an den Toiletten saßen zu verstehen, dass auch diese Toilette kaputt war! In der Zwischenzeit meldete mir nicht nur meine Blase den Notzustand, sondern auch mein Darm! Ich ging zurück zu Yashendu und Ramona und sagte ihnen, was zu tun war: wir mussten bei der nächsten Haltestelle aussteigen und dort eine Toilette finden! Es gab in dem kurzen Zug nur eine Toilette und die war defekt.
Wir hatten noch eine Stunde Zugfahrt vor uns. Ich hätte den Druck vielleicht noch aushalten können, aber warum? Das hätte mein Verdauungssystem völlig durcheinander gebracht! Wir stiegen aus dem Zug in dem Wissen, dass der nächste Zug erst in einer Stunde kommen würde. Wir fanden eine Toilette und ich freute mich über diese Entscheidung. Wir warteten auf den nächsten Zug und kamen in Wiesbaden eine Stunde später an, aber dann war ich zumindest hungrig genug, um das leckere Essen zu genießen, das Thomas und Iris als Willkommensessen zubereitet hatten.
Wir haben uns gerade wieder nach nur zwei Tagen von ihnen verabschiedet, aber wir wissen ja, dass wir sie bald in Indien wiedersehen werden. Es gibt also keinen Grund zur Traurigkeit, aber jeden Grund uns darauf zu freuen, bald in Indien zu sein.
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