Kritik ist immer ein eher schwieriges Thema. Manchmal meint man, dass jemand etwas nicht richtig macht. Man möchte dieses Gefühl ausdrücken, aber wie tut man das am Besten? Kritik üben ist nicht immer einfach.
Es gibt mehrere wichtige Dinge, die man nicht vergessen sollte, wenn man jemanden oder etwas kritisiert. Eines ist, dass man genau wissen sollte, was man kritisiert. Ein weiterer Punkt ist, dass man sich auf ein Thema konzentrieren sollte, anstatt weitere Faktoren hineinzuziehen, die damit eigentlich nichts zu tun haben. Und ein dritter Aspekt ist, dass man beim Üben der Kritik nicht emotional werden sollte. Das sind die wichtigsten Punkte, aber ich würde sie gerne etwas besser erklären, damit ihr genau wisst, was ich meine.
Stell dir vor, du unterhälst dich mit deinem Partner über eure Beziehung. Du bist nicht glücklich. Wenn du jedoch deinen Partner zu kritisieren anfängst, sagst du nur das: Ich bin nicht glücklich. Was soll dein Partner darauf antworten? Wirklich, was soll er dazu überhaupt fühlen? Seine – oder ihre – nächste Fragte sollte dann sein ‚Was genau stimmt denn nicht?‘ Lass deine Antwort dann nicht Folgendes sein: ‚Ich weiß nicht, einfach nur so im Allgemeinen, es geht so nicht, die ganze Situation‘. Das ist keine faire Weise zu etwas Negatives zu sagen, besonders über deine Beziehung, aber auch im Allgemeinen über irgendein Thema. Du musst genauer werden. Sage deinem Partner, dass du gerne mehr Zeit zusammen verbringen willst, dass du etwas unzufrieden bist, weil er immer noch mit seiner Ex-Freundin telefoniert oder dass du mehr Hilfe im Haushalt brauchst. Was auch immer es ist und mit wem du auch immer sprichst, werde genau.
Wenn du also vorhast, irgendjemanden für irgendetwas zu kritisieren, denke bitte zunächst darüber nach, was genau du kritisieren willst. Eine vage Aussage hilft nicht. Der Grund für deine Kritik ist, dass du etwas ändern möchtest und das kann nur geschehen, wenn du weißt, was genau sich verändern sollte. Natürlich kann es geschehen, dass du dir absolut nicht sicher bist, was es ist, aber bevor du dann jemand anderen beschuldigst, solltest du dich erst einmal hinsetzen, einen klaren Kopf bekommen und dich auf den Augenblick konzentrieren, in dem dich etwas genervt hat oder in dem du dich schlecht gefühlt hast. Nimm diesen Punkt und finde heraus, was hinter der Emotion steckt. Das hilft dir, genau zu sein und es hilft dem anderen, dein Gefühl zu verstehen.
Schweife nicht vom Hauptthema ab. Fang nicht an, über andere Vorfälle zu sprechen und sage nichts, was mit dem Thema nichts zu tun hat. Wenn du weißt, von was du sprichst, bleibe bei diesem Punkt und verwirre dich und den anderen nicht, indem du noch weitere Anschuldigungen vorbringst, die du eigentlich gar nicht aussprechen wolltest. Immer, wenn du etwas hast, sprich darüber, aber sprich über dieses Thema und nicht über fünfzig andere.
Mit den zwei obigen Aspekten hängt auch der letzte Punkt zusammen, den ich erwähnt habe: werde nicht zu emotional. Das kann eine extrem schwierige Aufgabe sein, besonders, wenn es sich um eine wichtige Angelegenheit handelt. Bleiben wir mal bei dem Beispiel deiner Beziehung. Du hast deinem Freund gerade gesagt, dass du im Haushalt mehr Hilfe brauchst. Du warst sehr genau und hast ihm zum Beispiel gesagt, dass du genau wie er am Abend von der Arbeit kommst und es dir dann nicht gefällt, dass er sich vor den Fernseher setzt, während du versuchst, gleichzeitig zu waschen und zu kochen. Ich weiß, dass ich hier eine etwas klischeehafte Vorstellung verwende, der daraus folgende Rat lässt sich jedoch auf fast jede Situation anwenden: beginne nicht, den anderen anzuschreien oder in Selbstmitleid zu versinken und zu weinen.
Bleibe bei den Tatsachen und zettle keinen Streit an. Wenn du den anderen angreifst, versucht er sich selbst zu verteidigen, anstatt zu versuchen, dich zu verstehen. Das hilft ihm nicht und dadurch ändert sich auch nichts. Du kannst, und solltest, natürlich deine Gefühle erklären, wenn sie mit der Sache etwas zu tun haben, doch auch das sollte geschehen, ohne dass du den anderen in eine Ecke manövrierst, aus der er nur mit einem Gegenangriff reagieren kann. Bleibe ruhig.
Am Ende hast du deine Kritik geäußert, um etwas zu verändern. Manchmal, und besonders wenn man den obigen Rat befolgt hat, kann man den anderen dazu bringen zu verstehen, was man meint und so etwas ändern. Manchmal muss man auch akzeptieren, dass sich nichts ändern wird. Was auch immer passiert, denk daran, dass der andere ein menschliches Wesen ist, dass deinen Respekt und deine Liebe verdient. Du könntest in der gleichen Situation sein. Handle danach und denke darüber nach, wie es aussehen sollte, wenn jemand anderes seine Gefühle zu deinen Handlungen äußert.
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