Warum sind Westler von der Philosophie der Reinkarnation fasziniert? – 1 Dez 11

Philosophie

Als ich gestern erwähnte, dass ich nicht mehr an Wiedergeburt glaube, meinte ich natürlich nicht, dass ich jetzt an die christliche Vorstellung von Himmel und Hölle glaube. In meinen Augen sind beide Philosophien vom Menschen gemacht, von der Religion geschaffen, damit die Menschen das Richtige tun. Ich glaube nicht mehr an die Hindu Vorstellung von Reinkarnation, weil sie nicht zu meiner Denkweise passt. Noch tut das die Vorstellung irgendeiner anderen Religion, was das betrifft, was nach dem Tod mit dem Menschen geschieht. Ich weiß jedoch, dass viele Westle beschlossen haben, an Reinkarnation zu glauben. Das bedeutet natürlich, dass sie, obwohl sie als Christen aufgewachsen sind, lieber daran glauben, wiedergeboren zu werden, als für die Ewigkeit in der Höhle zu sitzen oder ein Nachleben im Himmel zu genießen. Wie kommt das? Was macht die Philosophie der Reinkarnation für die Menschen im Westen so attraktiv?

Ein Grund ist, dass man damit das Gefühl hat, das Leben ist nach dem Tod nicht einfach vorbei. Und es ist auch nicht nur entweder Himmel oder Hölle. Man hat mehr Hoffnung, weil noch etwas danach kommt. Es kommen noch mehr Leben nach. Wenn du einen Verstorbenen vermisst, ist der Gedanke tröstend, dass derjenige wiedergeboren wird und du ihm in einer anderen Inkarnation wiedersehen wirst. Du selbst musst dich nicht so schuldig fühlen, weil du im nächsten Leben noch eine Chance bekommst. Wenn du etwas noch nicht erledigt hast, hast du die Möglichkeit, es das nächste Mal zu beenden. Diese Vorstellung verringert das Leiden und gibt mehr Hoffnung als die weit verbreitete Vorstellung des Katholizismus oder Christentums. Hinduismus bringt dir praktisch die Kunst des Sterbens bei. Das habe ich auch zuvor bereits in meinem Tagebuch erwähnt.

Ein weiterer Aspekt, den ich bereits gestern erwähnt habe, ist, dass die Philosophie der Wiedergeburt als Erklärung dafür eignet, wieso die Dinge heute so sind, wie sie sind. Wenn du arm bist und im Elend lebst, so ist das aufgrund deines vergangenen Lebens und was du damals getan hast. Wenn du in deiner Familie viele Probleme hast, kann die Erklärung sein, dass du noch etwas lernen musst, weil du in deinem letzten Leben deiner Familie das Leben schwer gemacht hast.

Das Problem mit dieser Art, Wiedergeburten zu betrachten, ist nicht nur, dass die Menschen in der Vergangenheit stecken bleiben, anstatt in der Gegenwart zu leben. Sie neigen auch dazu, ihre eigene Verantwortung zu vernachlässigen. Sie akzeptieren ihre Fehler in diesem Leben nicht und übernehmen keine Verantwortung für ihre Handlungen, weil es immer eine zufriedenstellende Ausrede gibt: das geschieht wegen einem letzten Leben. Dann haben die Probleme mit deinem Ex nicht angefangen, weil ihr beide egoistisch gewesen seid und einander besser hättet zuhören sollen, sondern weil er derjenige war, der dich im letzten Leben umgebracht hat. Wie einfach, jetzt musst du nicht mehr lernen, wie man ein ordentliches Gespräch führt, sondern einfach nur akzeptieren, dass es nicht hat sein sollen. Es war Karma, es ist passiert und damit ist es auch erledigt.

Auf diese Weise dient die Reinkarnations-Philosophie nicht nur vielen Menschen als Ausrede, sondern ist für viele auch eine Möglichkeit, Geld zu machen. Hindu Gurus und moderne westliche Heiler behaupten zu wissen, was in vergangenen Leben vor sich ging und viele von ihnen sagen sogar, dass sie Probleme heilen können, die von vergangenen Leben stammen! Ich habe auch hierüber schon in meinem Tagebuch geschrieben:

Falsches Geschäft der Heilung vergangener Leben – 14 Feb 09
Vergangene Leben Heilen – Ein Gutes Geschäft – 9 Jun 09
Geschichten Erzählen über vergangene Leben – Unbeweisbar – 10 Jun 09
Gedankenleser brauchen Psychologen – 7 Dez 09

Wenn ihr diese Tagebucheinträge lest, seht ihr vielleicht auch, dass ich dort meinen Glauben an Reinkarnation erwähne. Wie immer bin ich der Meinung, dass wir Menschen uns in einem fortwährenden Prozess befinden. Was ich damals geglaubt habe, dass wir vergangene Leben haben und wiedergeboren werden, ist nicht das, woran ich heute glaube. Vor zwei Jahren hielt ich es nicht für wichtig, was wir in vergangenen Leben erlebt haben. Heute glaube ich überhaupt nicht mehr an Wiedergeburt. Ich akzeptiere die Veränderung und wenn ich meine Tagebucheinträge schreibe, schreibe ich immer ehrlich das, an was ich glaube.

Der Hauptgrund dafür jedoch, dass Menschen im Westen an Reinkarnation glauben, ist meiner Meinung nach nicht wirklich einer der oben genannten Gründe. Es ist weder ihre Sorge um das Leben nach dem Tod, noch suchen die meisten nach einer Entschuldigung dafür, was in diesem Leben geschieht oder sind sehr daran interessiert, was in ihrem vergangenen Leben geschehen ist. Nein, ich glaube der Hauptgrund für die Mehrheit der Menschen im Westen, an Reinkarnation zu glauben ist, dass es gerade ‚in‘ ist. Es ist in Mode, zumindest ein klein bisschen an Hinduismus oder Buddhismus zu glauben. Viele Stars behaupten, sie seien zu einer dieser Religionen übergetreten und die ganze esoterische Szene besteht aus einer großen Mischung der Vorstellungen asiatischer Religionen. Manche davon gefallen größeren Mengen von Menschen, also werden sie von den Massen akzeptiert und ich glaube Reinkarnation ist eine dieser Vorstellungen.

Es gibt sowieso keine Möglichkeit zu beweisen, ob das Christentum Recht hat und es Himmel und Hölle als Endstation gibt, ob der Hinduismus Recht hat und man immer wieder kommen muss, um zu lernen und schließlich Nirvana zu erreichen oder ob ich Recht habe mit dem, was ich glaube, nämlich, dass da einfach gar nichts mehr kommt. Du und ich werden es nicht wissen, bis wir zu dem Punkt kommen, an dem wir nicht mehr in der Lage sein werden, es irgendjemandem auf Erden zu erzählen.

Lasst uns also einfach akzeptieren, dass manche Menschen in diesem Leben Gutes tun, weil sie meinen, dass sie in den Himmel kommen, andere Gutes tun, weil sie glauben, dass sie dann in besserer Stellung wiedergeboren werden und manche Gutes tun, weil sie einfach der Überzeugung sind, dass es gut ist, Gutes zu tun. Wenn das das Ergebnis ist, macht es mir überhaupt nichts aus, dass es unterschiedliche Meinungen gibt.

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