Ich habe euch schon erzählt, dass ich für die Yogaschüler einige Vorträge halte, während sie hier im Ashram sind und natürlich werde ich davon auch Teile in mein Tagebuch schreiben.
Gestern nachmittag habe ich weiter über die Yoga Sutras von patanjali gesprochen. Die Bedeutung eines jeden Sutras ist sehr tief und ich habe schon erklärt, dass es tausend Interpretationen gibt. Alle Sutras erklären zusammen, was Yoga wirklich ist, die grundlegende Philosophy des Yoga.
Ich habe gehört, dass im Christentum die Vorstellung der Dreeinigkeit auch wichtig ist, da spricht man vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist. In Yoga spricht Patanjali von sat, chilt and anand, die eine Einheit bilden, die dann Satchidanand genannt wird. Sat bedeutet Wahrheit, chit bedeutet Bewusstsein und anand bedeutet Glückseligkeit. Damit erklärt Patanjali, wer wir sind, aber leider sehen wir uns selber auf andere Weise.
Du denkst, du bist der Körper, du glaubst, du bist der Geist. Das ist nicht wahr, du bist im Körper und du hast den Geist, aber wer bist du? Du kannst beobachten, du solltest zum Beobachter werden, nicht zum Handelnden. Yoga und das Vedanta will dir erklären, dass du zum Zeugen werden kannst. Wenn du glaubst, dass du der Handelnde bist, wirst du leiden. Jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, kommt von dem Ego, der Handelnde zu sein. Wenn du Hunger hast, bist nicht du hungrig, es ist dein Körper. Nur wenn du glaubst, dass du der Körper bist, bist du hungrig. Wenn du müde bist, ist es dein Körper, der müde ist. Du genießt schöne Erfahrungen und schlechte Erfahrungen lassen dich leiden. Du wirst beeinflusst, weil du glaubst, dass du Körper oder Geist bist. Stell dir vor, du wärst nu rein Zeuge, nu rein Beobachter, nicht der Körper und du wärst in das alles gar nicht involviert. Dann wäre das Leiden zu Ende, keine Schmerzen mehr. Du bist in dieser Illusion, dass du der Körper bist,
Wenn du den Schatten des Mondes in einem See siehst und einen Stein ins Wasser schmeißt, gibt es auf dem See Wellen. Und der Mond scheint auch gestört zu sein. Eigentlich hat nichts den Mond gestört, der Mond bewegt sich nicht. Die Bewegung findet im Wasser statt, aber du siehst die Spiegelung im Wasser, so dass es aussieht, als würde sich der mond bewegen. Wenn du in der Illusion bist, dass der Mond wirklich auf dem Wasser ist, bewegt sich der Mond auch. Und das Gleiche passiert mit uns. Wenn du hungrig bist oder glaubst, dass du hungrig oder verletzt bist, bist du eigentlich nur in der Illusion, dass du der Körper bist. Du kannst erkennen, dass das nicht du bist. Das ist, was Yoga erreichen möchte. Du kannst erkennen, wer du wirklich bist.
Die Yoga Schüler haben ein recht volles Programm und ich werde mehr über die Vorlesungen schreiben, die ich hier haben werde. Heute Nachmittag haben die Studenten Karma Yoga gemacht und geholfen, den Ashram und den Garten sauber zu machen. Kanu, mit seinen drei Jahren das jüngste Ashram-Mitglied, hat eine Wasserschlacht mit einem Schlauch angefangen, der normalerweise den Garten wässert. Alle haben schließlich mitgemacht. Wir hatten viel Spaß und für die Schüler war es eine schöne Ablenkung.
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