Tag der Unabhängigkeit und mein mangelnder Vaterlandsstolz – 15 Aug 16

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Heute ist der 15. August, Indiens Unabhängigkeitstag! Es ist der Tag, an dem Indien seine Freiheit vom britischen Empire feiert, der Tag, and dem 1947 Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru die indische Flagge hisste. Und das ist es, was in Indien seither an diesem Tag geschieht: Schulen im ganzen Land hissen die Flagge, singen die Nationalhymne und singen und tanzen zu patriotischen Liedern. Natürlich haben unsere Schule und unser Restaurant auch die indische Unabhängigkeit gefeiert – doch um ehrlich zu sein fühle ich den Patriotismus, den die meisten meiner indischen Landsleute verspüren, überhaupt nicht.

Ramona und meine Großmutter haben heute früh die Flagge über unserem Ashram gehisst und die Schulkinder haben dazu gejubelt. Auf die Nationalhymne folgte ein schönes Programm, das die Kinder vorbereitet hatten: sie tanzten, sangen und trugen Gedichte vor. Wie immer war es großartig zu sehen und es lässt das Herz höher schlagen unsere Kinder zu sehen, die sonst vielleicht nicht die Chance gehabt hätten, zur Schule zu gehen, so eine Feier zu organisieren und daran selbst teilzunehmen. Schließlich haben alle noch Kekse bekommen und gingen dann früh nach Hause.

Im Restaurant sagten wir der Küche und Bäckerei, sie sollten etwas Besonderes für den Unabhängigkeitstag machen – und sie haben unsere Erwartungen übertroffen! Wir bekamen alle Arten von dreifarbigen Gerichten: Kuchen in den drei Farben Indiens, dreifarbige Dosa, Pasta-Salat, Momos und Paneer – alles herrlich in orange, weiß und grün! Das sah nicht nur schön aus, sondern war auch noch sehr lecker! Eine Dekoration mit diesen drei Farben vervollständigte unsere Unabhängigkeits-Tags-Atmosphäre im Restaurant.

Am Ende jedoch verspürte ich keinerlei Stolz darauf, Inder zu sein. Nicht einmal an diesem Tag, mit all unserer Deko, Feier und unserem Essen.

Ich weiß, dass das etwas ist, was viele Inder schockieren mag, die grundsätzlich zum Patriotismus neigen. Es ist etwas, das bereits relativ kleinen Kindern beigebracht wird, auch mit genau solchen Feiern. Ich jedoch hatte dieses Gefühl niemals und habe auch jetzt noch nicht das Gefühl, dass der Ort, an dem man geboren ist, die Nationalität, die man irgendwie per Zufall hat, etwas ist, worauf man stolz sein müsste.

Das passt sehr gut mit der Einstellung meiner Frau zusammen, die als jemand, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, solche Gefühle auch nicht kennt. In Deutschland gibt es aufgrund ihrer Geschichte solche Feiern in Schulen gar nicht. Die Flagge kommt nur bei Fußballspielen zum Vorschein!

Ich weiß, was in meinem Heimatland vor sich geht. Ich kenne das Gute und das Schlechte. Und während ich immer ehrlich das Gute lobe, gibt es viele Dinge, wo noch Verbesserungen notwendig sind. Und daran arbeiten wir mit unserer wohltätigen Schule. Um unser Land zu einem besseren Ort zu machen. Das ist etwas, worauf ich stolz sein kann – die Bemühungen meiner eigenen zwei Hände, Füße und meines Verstandes!

Hier seht ihr Bilder unserer Schulfeier

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