Wir waren heute zu der Hochzeit von Govind’s Schwester eingeladen. Ich hatte eigentlich geplant, in der Kleidung hinzugehen, die ich schon den ganzen Tag anhatte. Doch Yashendu und Ramona haben mir etwas Neues zum anziehen mitgebracht. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich in alten oder neuen Kleidern hingehe. Aber nachdem sie das extra dafür gekauft hatten, habe ich beschlossen, es auch anzuziehen.
Die Anderen sind heute Kleidung kaufen gegangen, da es noch eine Weile dauern wird, bis unsere Koffer da sind. Als sie heimkamen haben sie mir das Dhoti gezeigt, das die gekauft haben. Ich trage keine genähte Kleidung. 1988 habe ich aufgehört, Genähtes zu tragen. Ich trug Kurtas und alle normalen indischen Sachen. An dem Tag, als ich entschied, das nicht mehr zu tragen, war ich in Bombay, um einen Vortrag zu halten. Es sollte bald beginnen und ich wollte mich fertig machen, aber meine Seidenkurta war nicht gebügelt. Es gab niemanden, der das hätte machen können und ich habe selber noch nie gebügelt. Ich dachte: ‚Wie kann ich jetzt ohne Kurta einen Vortrag geben?’ Und ich bemerkte dass ich nicht von einem Stück Stoff abhängig sein wollte und davon, ob es gebügelt war oder nicht. Also ließ ich die Kurta da und ging in zwei Dhoti, zwei Tüchern. Das ist seither meine Kleidung. Ich habe all meine Kurtas und genähte Kleidung veschenkt und bis zu diesem Winter keine mehr getragen. Um die Jahreszeit bin ich normalerweise in Vrindavan, in Indien, wo es nie Minusgrade hat. Doch dieses Jahr war ich in Deutschland und bei einer Temperatur von minus fünf dachte ich, es wäre besser, einen Pullover anzuziehen. So etwas habe ich nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder getragen. Ich habe sogar Schneeschuhe gekauft. Solche Schuhe habe ich noch nie an den Füßen gehabt! Ich möchte nur sagen, dass ich nicht an diesen ‚Regeln’ festhalte. Das habe ich schon oft gesagt: Breche eine Regel pro Tag. Auch nach 20 Jahren in lockeren Dhoti kann ich Genähtes tragen. Aber es ist doch schön, dass ich hier in Indien keine Pullover brauche.
Ich mochte die traditionelle Essenz der Hochzeits-Zeremonie aber nicht so sehr die Angeberei die das ganze umgibt. Über meine Meinung zur indischen Ehe werde ich an einem anderen Tag reden. Aber ich mag es, das Glück anderer Menschen zu teilen und zu feiern, weil sie das noch glücklicher macht.
Related posts
Wieder zurück bei unserer normalen Blog-Routine – 1 Okt 16
Hallo und herzlich Willkommen – selbst wenn ich euch nicht erkenne! – 1 Sep 16
Tag der Unabhängigkeit und mein mangelnder Vaterlandsstolz – 15 Aug 16
Unregelmäßigkeiten in meinem Blog – aufgrund von Veränderungen – 22 Mai 16
Gespräche mit Restaurant-Gästen – eine andere Dimension der Unterhaltung – 25 Apr 16
Ich liebe Sex, Geld, Materielles sowie meine Frau und habe deswegen keine Schuldgefühle! – 19 Nov 15
5 Tipps zum Verbessern deiner Gespräche – 19 Aug 15
Ein Traum von unabhängigen und Korruptions-freien Medien – India Samvad – 23 Mär 15
Rückblick auf das Jahr 2014 – Juli bis Dezember – 1 Jan 15
