Heute Morgen haben wir unsere Reise zurück nach Wiesbaden begonnen. Wir sind mit dem Zug gefahren und haben bereits darüber gesprochen, wie schön es ist, diese angenehme Art zu Reisen zur Verfügung zu haben. Es gibt gute Verbindungen, man kann einfach einsteigen, sich hinsetzen und die Fahrt genießen, bis man am Zielort angekommen ist. Man kann schlafen, lesen, am Computer arbeiten und in manchen Zügen sogar ins Internet gehen und natürlich kann man im Zug auch etwas essen.
Wir hatten einiges vorbereitet, um es mit in den Zug zu nehmen, so dass wir dort Mittagessen haben können. Kurz nachdem wir die Grenze nach Deutschland passiert hatten, packten wir unser Essen aus und stellten es auf den Tisch zwischen uns. Da waren vier Sitze, jeweils zwei gegenüber mit einem Tisch dazwischen und wir hatten drei von den Plätzen reserviert. Wir sahen auch, dass der vierte Platz auch reserviert war, von jemandem, der von Deutschlands erstem Bahnhof bis nach Frankfurt fahren wollte. Ansonsten war der Zug jedoch relativ leer.
Wir begannen also zu essen und als der Zug anhielt, kam eine Frau herein, sah sich die Sitzplatz-Nummern an und sagte zu uns ‚Das ist mein Platz‘. Ramona antwortete, dass wir gerade am Essen waren, wenn es ihr nichts ausmachte, könnte sie sich doch einfach neben uns, auf der anderen Seite des Ganges hinsetzen, wo die gleiche Kombination von Sitzen mit Tisch vollkommen leer war. Ramona fügte hinzu, dass sie dort mehr Platz hätte. Man konnte im Gesicht der Dame erkennen, dass sie da überhaupt nicht zustimmte. ‚Das geht zu weit!‘ sagte sie zu Ramona und dann in Englisch zu mir ‚Ich habe für diesen Platz bezahlt!‘ Ramona war immer noch freundlich und sagte ihr, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn sie sich auf ihren Platz setzen wolle, da wäre nur mehr Platz auf der anderen Seite. Die Frau bestand jedoch darauf und setzte sich zu uns.
Da saß sie also nun bei uns am Tisch und sah aus, als hätte sie irgendetwas furchtbar geärgert. Ich dachte, es wäre nur freundlich, ihr auch etwas Essen anzubieten, da wir ja gerade beim Mittagessen waren, also fragte ich sie ‚Möchten sie etwas mitessen? Wir haben recht viel dabei!‘ Sie antwortete ‘Oh, das kann ich sehen, da ist recht viel, nein danke!‘ Wir lächelten über diese Antwort, aber sie zuckte nicht mit einmal mit den Mundwinkeln. Sie saß noch eine Weile da und sah uns beim Essen zu mit einem Gesichtsausdruck, der ihre Gedanken deutlich widerspiegelte. Warum saßen wir hier neben ihr? Warum aßen wir so glücklich, während sie so wütend war? Warum hatte sie das Pech, den Sitz neben uns zu haben und wie konnten wir es wagen, sie darum zu bitten, sich woanders hinzusetzen? Doch dann, nach vielleicht fünfzehn Minuten, stand sie auf, nahm ihre Tasche und ging davon. Sie setzte sich nicht auf die andere Seite des Gangs, wo die Sitze noch leer waren. Sie bewegte sich weiter zum nächsten Wagen.
Es war ein sehr seltsamer Vorfall. Wir mussten hinterher darüber lachen und Thomas sagte, das war typisch deutsch. Die Frau hat für den Platz mit dieser Nummer bezahlt, also musste sie diese Nummer haben! Da war auch noch eine andere Möglichkeit und zwar mit viel mehr Platz für sie, doch sie wollte unbeding bei uns sitzen. Wir hätten ihr Zögern verstehen können, wenn der ganze Zug voll gewesen wäre und sie keinen anderen Platz gefunden hätten. Wir hätten es auch verstanden, wenn sie einen Platz mit Tisch reserviert hätte und es keinen freien Tisch mehr gegeben hätte, aber da waren die gleichen Plätze mit noch drei freien Sitzen!
Naja, das hat uns die Stimmung nicht verdorben, uns war es eigentlich egal, ob sie bei uns sitzen würde oder nicht, aber wir dachten an sie und ihre eigene Stimmung. Sie hat sich ihre eigene Stimmung für ihre Reise völlig verdorben und das ohne irgendeinen Grund! Wir haben darüber geredet und erkannt, dass manche Menschen einfach diese Art von negativer Einstellung gegenüber Fremden, Veränderungen und jeglicher Art ungeplanter Aktivitäten haben. Da gibt es keinen Grund, sich zu ärgern, sie entscheiden sich aber trotzdem dafür. Sei glücklich und positiv stattdessen!
Die Schweiz war schön, aber wir sind auch glücklich, wieder zurück in Wiesbaden zu sein.
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