Individualismus in Amerika – In Notsituationen wie beim Hurrikan Irene vereinen sie sich – 29 Aug 11

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Obwohl wir am Wochenende in Bonn sehr mit unserer Arbeit beschäftigt waren, hörten und sahen wir natürlich auch Nachrichten zum Hurrikan Irene. Auf der Zugfahrt zurück in Wiesbaden fragten wir uns, wie wohl zu dem Zeitpunkt die Situation in New York sei. Als wir daheim ankamen, freuten wir uns zu hören, dass der Sturm nicht so schlimm war wie erwartet. Natürlich hatten die Menschen viel Angst gehabt und zum ersten Mal in der Geschichte rief der Präsident für die Stadt den Alarmzustand aus. Aus einigen Teilen der Stadt mussten die Menschen evakuiert werden und selbst der U-Bahnverkehr wurde in der gefährlichen Zeit eingestellt.

Natürlich war es schlimm, all die Vorbereitungen zu sehen, zu sehen, wie die Menschen versuchten, wegzukommen und so viel ihrer wertvollen Habe mitzunehmen, wie möglich und zu wissen, dass manche nur in den Notunterkünften unterkommen konnten, die von der Regierung bereit gestellt wurden. Einwohner, Hausbesitzer und Geschäftsinhaber verbarrikadierten ihre Häuser und Geschäfte in einem Versuch, größeren Schaden zu vermeiden. Sie machten sich Gedanken um die Sicherheit dessen, was sie haben.

So schockierend, wie diese Bilder vielleicht waren, gab es aber auch etwas schönes zu sehen: Menschen halfen einander. Nachbarn halfen einander, Dinge rein und raus zu tragen oder Bretter an die Fenster zu nageln. Leute fuhren zu Freunden und Familie, um dort zu bleiben und die, die in einer Gefahrenzone blieben, berichteten anderen über das Internet, wie es ihnen ging, so dass sie sich keine Gedanken machten. Ich las, dass die Leute einander auch während dem Sturm halfen, indem sie Neuigkeiten zur momentanen Situation austauschten.

Das zu sehen ist gut und gibt einem wirklich das Gefühl, als hätten die Menschen nun aufgehört, nur an sich selbst zu denken. Leider war das einer meiner Eindrücke, als ich Amerika besuchte. Ich fand, dass die Menschen sehr individuell und an sich selbst denken.

Ich habe gesehen, wie Menschen in ihrer Wohnung den ganzen Tag lang die Klimaanlage laufen ließen, selbst wenn sie acht oder zehn Stunden lang nicht daheim waren, so dass ihre Wohnung am Abend, wenn sie heimkommen, schön kühl ist. Stattdessen könnten sie doch drandenken, wie viel Energie sie verbrauchen und die Klimaanlage nur anschalten, wenn sie nach Hause kommen. Es dauert nur ein paar Minuten, die Wohnung runter zu kühlen, aber die Unannehmlichkeit, diese paar Minuten zu warten, ist für sie zu viel.

Als wir einmal spazieren gingen, wurden wir von jemandem begleitet, der einen Kaugummi auswickelte und das Papier auf die Straße warf. Ramona, mit ihrer deutschen Erziehung, konnte nicht anders als zu fragen, warum unser Begleiter das getan hatte. Die Antwort war: ‚Ich zahle Steuern, es ist die Aufgabe der Stadt, die Straßen sauber zu halten.‘

Das sind nur zwei kleine Beispiele dieses Individualismus, die ich dort gesehen habe. Das setzt sich natürlich auch in größeren, wichtigeren Bereichen des Lebens fort. Man sieht Politiker, die ihren Standpunkt nur wegen ihrem Ego nicht aufgeben wollen, ohne an die Gesellschaft um sie herum zu denken. Man sieht, wie die Menschen so viel Essen verschwenden, ohne auch nur einen Gedanken an die, die hungern. Natürlich ist es nicht nur Amerika, das geschieht auf der ganzen Welt, aber als ich die Bilder sah, wie die Menschen einander halfen, merkte ich, dass das einer der Eindrücke war, den ich in den USA gewonnen hatte. Ich hoffe meine amerikanischen Freunde verstehen mich nicht falsch, ich habe dort auch viele wundervolle und hilfreiche Menschen getroffen! Im Allgemeinen und den Menschen auf der ganzen Welt möchte ich gerne sagen, dass wir auch an die anderen um uns herum dneken müssen, nicht nur an uns selbst. Wir zerstören in unserem Egoismus die Welt und die Natur zeigt uns genau das. Wir müssen an die Generationen denken, die nach uns kommen und ihnen nicht einen großen Müllhaufen hinterlassen, nur weil es für uns bequem war und wir zu faul waren, aufzuräumen und etwas anders zu machen.

Einander in Zeiten der Not, aber auch im normalen Leben zu helfen, gehört zu diesem un-egoistischem Verhalten. Ich weiß, dass der Hurrikan noch nicht überall vorbei ist und obwohl die Metropole New York vom Schlimmsten verschont blieb, gab es auch andere Gegenden, in denen der Sturm ernsthaften Schaden angerichtet hat und auch einige Leben gekostet hat. Meine Gebete und besten Wünsche gehen an die Menschen in diesen Gegenden und an ihre Freunde und Familien.

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