Warum man sich gut überlegen sollte, ob man für die olympischen Spiele in Rio jubeln will – 7 Aug 16

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Nun haben die Olympischen Spiele in Rio, Brasilien bekommen. Jedes Mal eine riesige Sportveranstaltung, egal wo auf der Welt die Spiele stattfinden. Die Leute zeigen ihre Aufregung mit wehenden Fahnen, Posts auf sozialen Medien und natürlich indem sie im Fernsehen zusehen, wie gut die Athleten ihres Landes abschneiden. Doch immer, wenn ich auf Facebook einen solchen Sticker sehe, frage ich mich, ob die Person, die das postet, überhaupt weiß, was dort vor dem Beginn alles vor sich ging. Das bezweifle ich – sonst gäbe es zumindest gemischte Gefühle und nicht dieser Enthusiasmus, da bin ich mir sicher!

Natürlich bewirbt sich ein Land als Gastgeber der Olympischen Spiele, weil sie davon gewisse Vorteile haben. Der größte dieser Vorteile ist, dass viele Touristen ins Land kommen und Geschäft bringen. Ein weiterer ist, dass die Infrastruktur für die Spiele verbessert wird! Städte werden aufgeräumt, sauber gemacht und verschönert und dann gibt es noch einige größere und kleinere Vorteile zum Alltag.

In Brasilien liefen die Dinge ein wenig anders. Ein Grund hierfür ist wohl die Korruption in dem Land, welche, ähnlich wie in Indien, einige sehr gute Initiativen blockt und die Wirkung verdirbt.

Es gab zum Beispiel Pläne, die Gewässer, in denen die Boot- und Schwimm-Wettbewerbe stattfinden, zu säubern – denn sie waren voller Abwasser, als die Pläne der olympischen Spiele in Rio Gestalt annahmen. Leider jedoch zeigen Bilder, Berichte und Wasser-Tests heute, dass nicht viel geschehen war. Athleten wird empfohlen, ihren Mund zuzulassen, um Krankheiten zu vermeiden – igitt!

Wenn wir zum Thema Infrastruktur kommen, so sieht man rein von der Tatsache, dass die Stadien bis zwei Tage vor der Eröffnung nicht fertig waren, dass die Dinge auch in Sachen Infrastruktur nicht so liefen wie sie sollten! Radwege waren gebaut worden und waren zusammengebrochen, Transportsysteme waren nicht so ausgebaut worden wie geplant und mehr. Zusätzlich gab es Berichte von Arbeitern, die in Sklaverei-ähnlichen Bedingungen gehalten wurden!

Jeder, der für die olympischen Spiele nach Rio fährt, steht vor einem anderen Problem, das nicht von wenig Bedeutung ist: das Leben ist dort nicht sicher! Es gibt bereits Berichte von Athleten und Besuchern, die mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt wurden – auf jeden Fall keine Erfahrung, die man bei einer solchen Veranstaltung machen möchte, oder?

Es ist kein Wunder, dass die Leute des Landes selbst protestieren! Proteste gegen die Regierung und die Spiele. Gegen Korruption, Vernachlässigung und alles, was in ihrem täglichen Leben Probleme verursacht. Denn während die olympischen Spiele nur etwas mehr als zwei Wochen in der Stadt sind und Rio sein Bestes tut zu glänzen, leben sie weiter mit all diesen Gefahren und Nachteilen, die Athleten und Touristen nur als schlechte Erinnerung mitnehmen werden! Die Leute arbeiten lange für fast kein Gehalt, die Slums wachsen und damit auch die Kriminalität, Kinder haben wenig bis keine Chance auf Bildung, Unterernährung ist zu verbreitet und Kinderarbeit ist normal für die Familien, die das Geld einfach nur zum Überleben brauchen! Korruption und Gewalt kommen von Polizei und Regierung, was den Leuten jede Illusion raubt, dass sie von der Seite Hilfe bekommen könnten. Es ist eine schwierige Situation.

Wir können unsere Augen nicht vor all diesen Tatsachen verschließen und nur den Glitzer und Glanz sehen, den die Gastgeber uns zeigen wollen! Wir müssen das ganze Bild betrachten und erkennen, dass zumindest etwas daran gut ist: dieses Ereignis zeigt uns, was in Brasilien geschieht und dass die Dinge dort überhaupt nicht alle rosig sind! Wenn wir unsere Athleten unterstützen und die Spiele genießen wollen, sollten wir auch den Hintergrund des Veranstaltungsortes und die Situation der Menschen dort sehen. Wenn wir ihnen auf irgendeine Weise helfen können, sollten wir das. Und sei es nur dadurch, dass wir den Leuten von der Situation berichten und sie ihnen auf diese Weise bewusst machen.

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