Zum ersten Mal Heimweh in Deutschland – 5 Jun 11

You are currently viewing Zum ersten Mal Heimweh in Deutschland – 5 Jun 11

Ich war also im November 2001 wieder auf dem Weg nach Deutschland. Ich hatte dort kein Programm, aber ich hatte beschloss, irgendwo hin zu gehen. Ich wollte Zeit außer halb Indiens verbringen und hatte nicht viele Anlaufstellen. Ich war froh, dass mich mein Freund wieder eingeladen hatte und so ging ich hin. Genau wie beim ersten Mal holte er mich ab und da war ich wieder, bei ihm in seiner Wohnung in Itzehoe.

Als ich ihm von dem Programm erzählte, dass ich in London gehabt hatte, hatte er die Idee, dass ich auch in Deutschland einen Vortrag halten könnte. Er kannte zufällig einen weiteren Inder, der in einem Hindu Tempel in Hamburg arbeitete. Er rief dort an, sagte, dass er einen Besucher da hatte, einen Swami aus Indien, der hier bei ihm in Deutschland war. Sie luden mich gerne für einen Vortrag ein. Am nächsten Wochenende gingen mein Freund und ich also nach Hamburg zum Hindu Tempel.

Über den Vortrag dort gibt es wirklich nicht viel zu erzählen. Es war ein gewöhnlicher Tempel, mit Gottheiten und religiösen Menschen, die alle an einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Zeit zum Tempel kommen. Anstatt ihres gewöhnlichen Priesters hielt ich an dem Tag den Vortrag. Für sie unterschied sich das vielleicht etwas von dem, was sie für gewöhnlich hörten, weil ich schon immer eher das aussprach, was mir selbst in den Sinn kam statt dem, was andere Menschen in religiöse Schriften hinein interpretierten. Für mich war es ein schöner aber normaler Tag und ich machte das, was ich gewöhnt war.

Nach dieser Zeit mit meinem Freund folgten jedoch einige Tage, die ich auf eine Weise verbrachte, an die ich absolut nicht gewöhnt war. Diwali rückte näher und mein Freund hatte mir schon zuvor gesagt, dass er für die Diwali-Feiertage nach Indien fliegen würde. Ich sei aber herzlich dazu eingeladen, alleine in seiner Wohnung zu bleiben, kein Problem.

Ich dachte auch, das wäre kein Problem. Ich hatte nicht gedacht, dass ich Heimweh bekommen würde, aber das ist genau das, was geschah: zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Heimweh.

Ich bin ein Reisender und bin schon immer, mein ganzes Leben lang gereist. Ich war viele Monate lang weg von zu Hause und habe auch schon lange Zeiten ganz alleine verbracht, ohne irgendjemanden um mich herum. Ich hatte dieses Verlangen nach dem eigenen Heim, denen die du liebst und dem Zusammensein mit deiner Familie noch nie gespürt. Vielleicht war es die Tatsache, dass ich in einem fremden Land war. Vielleicht war es, dass es Diwali Zeit war, in Indien die Zeit der Feiern und der Familie.Oder vielleicht war es, dass ich in der Wohnung wirklich ganz allein war und nichts zu tun hatte.

Warum auch immer, ich fühlte mich einsam und wollte wieder zurück nach Vrindavan, wo meine Eltern, Brüder und meine Schwester zusammen Diwali feierten. Es gab keine Möglickeit Emails zu schicken oder zu chatten, weil mein Freund keinen Computer hatte. Also telefonierte ich eine Weile lang mit ihnen und hörte mit an, was sie erzälten und gerade taten.

Ansonsten gab es wirklich nichts zu tun. Ich verbrachte meine Zeit damit, wirklich nichts zu tun, außer meine Mantras zu rezitieren, meine tägliche Zeremonie durchzuführen und etwas zu beten. Ich kochte, aß und schlief.

Eines Tages nahm ich das Telefon und rief bei der Nummer des deutschen Arztes an, den ich am 27. Mai 2001 auf dem Flug nach Mallorca getroffen habe. In meinem gebrochenen Englisch fragte ich ihn, ob ich kommen könnte. Wir machten aus, dass ich kommen und für ein paar Tage bei ihm bleiben konnte.

Und so nahm ich einen Zug nach Hamburg-Altona, wo er mich abholte. So kam ich im November 2001 das erste Mal nach Lüneburg.

Related posts

Als mein Vater lebte… und doch nicht meiner war

Als mein Vater lebte… und doch nicht meiner war

Eine Vater-Sohn-Beziehung, die schon zu Lebzeiten gestorben ist Mein Vater ist gestorben. Ich erfuhr es von meinen Nachbarn in Indien ...
Meine Beziehung zu meinem Vater

Meine Beziehung zu meinem Vater

Wenn Vater sagt, dass ich für dich tot bin! Stellen Sie sich meinen Geisteszustand vor, als ich Waise wurde, als ...
Neues Kapitel im Leben, Herausforderungen und Lektionen

Neues Kapitel im Leben, Herausforderungen und Lektionen

Ich gehöre auch zu denen, die Indien vor sieben Jahren verlassen haben. Früher habe ich dort Geschäfte gemacht und Steuern ...
Sexuell missbrauchte elfjährige Schwester und mein Schuldgefühl, dass ich sie nicht retten konnte!

Sexuell missbrauchte elfjährige Schwester und mein Schuldgefühl, dass ich sie nicht retten konnte!

Ich hatte nur eine jüngere Schwester, Para. Sie hat uns vor 17 Jahren für immer verlassen, bei einem Autounfall auf ...
Ich wurde von meiner Familie in Indien in den Rücken gestochen

Ich wurde von meiner Familie in Indien in den Rücken gestochen

Balendu schreibt, warum er aus der Wohltätigkeitsorganisation ausgetreten ist und seine Familie ihn wegen Geld und Eigentum betrogen hat ...
Herausforderungen mit überwältigender Resonanz auf Ammaji’s Restaurant - 1 Mai 16

Herausforderungen mit überwältigender Resonanz auf Ammaji’s Restaurant – 1 Mai 16

Swami Balendu erzählt von Schwierigkeiten, die sie nach ihrer Restaurant-Eröffnung hatten – aufgrund ihres unterwarteten Erfolgs! ...
Mein Tag als Kellner - 24 Apr 16

Mein Tag als Kellner – 24 Apr 16

Swami Balendu erzählt, wie sein Tag aussieht, jetzt, da er und seine Familie in ihrem eigenen Restaurant arbeiten ...
Ramonas erster Geburtstag als Restaurant-Besitzerin - 20 Mär 16

Ramonas erster Geburtstag als Restaurant-Besitzerin – 20 Mär 16

Swami Balendu erzählt von Ramonas Geburtstag und davon, wie sie dieses Jahr ein bisschen anders gefeiert haben – aufgrund ihres ...
Eine Woche im Krankenhaus - 13 Mär 16

Eine Woche im Krankenhaus – 13 Mär 16

Swami Balendu erzählt von seiner vergangenen Woche, die er in Gurgaon verbracht hat, um nahe am Krankenhaus zu sein, wo ...

Leave a Reply