2005 war ein Jahr, in dem ich viele neue Situationen erlebt habe und in dem viele Dinge zum ersten Mal geschahen. Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland war es Zeit für ein solches erstes Mal: mein jüngster Bruder Yashendu kam zum ersten Mal nach Deutschland. Es war ein kurzer Besuch von nur zwei Wochen, aber ich erinnere mich noch gut an einige Einzelheiten von jener Zeit.
Da ich in die gesellschaftlichen Fähigkeiten meines Bruders vollstes Vertrauen hatte, musste ich ihm nicht viel mehr über Deutschland erzählen, als ich bereits getan hatte oder was er von Besuchern im Ashram erfahren hatte, um sich im Westen zurecht zu finden. Es gab jedoch einige Überraschungen für ihn, an denen ich meinen Spaß hatte und die mich an meine ersten Besuche in diesem fremden Land erinnerten.
Die erste und lebendigste Erinnerung ist, wie wir uns zu seinem ersten Abendessen in Deutschland an den Tisch setzten. Ich hatte gekocht, während ich auf ihn und auf unsere deutschen Freunde gewartet hatte, die ihn abholen gegangen waren. Ich hatte Reis, Gemüse und Linsen zubereitet, so wie ich es täglich tat. Dazu gab es deutsches Brot mit Butter. Wir setzten uns hin und sprachen unsere Essens-Mantras. Dann begann ich zu essen, aber Yashendus Augen suchten den Tisch ab und seine Hand zögerte. Ich sah ihn fragend an und er meinte ‚Gibt es kein Roti?‘ Er suchte das indische Fladenbrot! Ich schüttelte den Kopf und deutete, den Mund voll Essen, auf das deutsche Brot. Er sah das Brot ungläubig an und ich musste über seinen Gesichtsausdruck lachen, der fast schon an Entsetzen grenzte. ‚Was soll ich denn jetzt essen?‘ Da musste ich laut lachen. Am Ende konnte ich ihm sagen, dass wir das Brot hier als Ersatz hatten und dass er es doch mal versuchen sollte, es würde ihm schmecken! Am Ende probierte er es doch und liebte es!
Die nächste Überraschung für ihn war, als der Abend kam und es immer später wurde, aber einfach nicht dunkel werden wollte! Der Sonnenuntergang kam und kam nicht, wie es in Deutschland im späten Frühling nunmal ist. Ich erinnerte mich, wie überrascht ich war und lachte, als er voller Staunen den Himmel ansah und dann die Kamera herausholte, die Küchenuhr in Position brachte und ein Bild des Himmels mit der Uhr und der Sonne machte. Daheim zeigte er dieses Bild so vielen Freunden, dass es mich wieder zum Lachen brachte!
Wir saßen jedoch nicht nur herum in Köln, ich hatte auch etwas Arbeit und Programm. Also kam Yashendu mit und konnte sehen, wie ich arbeitete und wie sehr sich meine Vorträge von dem verändert hatten, was er in Indien gesehen hatte. Die Freunde, die meinen Vortrag organisiert hatten, holten uns ab und fuhren mit uns in ihr Dorf. Dort hatten sie einen Freund, der Priester in einer evangelischen Kirche war und in dieser Kirche gab ich meinen Vortrag.
Am Abend erzählte Yashendu, dass er bereits am Vortrag Halsschmerzen gehabt hatte und dass sich diese nun, wohl im kühlen Frühlingswetter Deutschlands, verschlimmert hatten. Nach dem Abendessen wurden die Schmerzen noch stärker und er bekam starkes Fieber. Ich machte mir nicht zu viele Sorgen – es gab genug Leute um uns herum, die uns helfen konnten – aber ich fragte mich, wie das denn geschehen war! Ich war in all den Jahren dort nie krank gewesen und wusste auch, dass Yashendu normalerweise kaum krank war und sich einer guten Gesundheit erfreute. Als ich ihn so sah jedoch, fand ich auch, dass er besser einmal zum Arzt gehen sollte. Unsere Freunde sprachen in Deutsch darüber und gaben mir dann ihre Entscheidung: einer von ihnen würde Yashendu nach Köln zurückbringen, wo er zu einem guten Arzt gehen würde, während ich wie geplant in dem Dorf blieb und mein Programm weiterführte. Das war Yashendus erste Angina und es dauerte einige Tage, bis es ihm wieder besser ging.
Als es für ihn an der Zeit war, wieder nach Indien zurückzukehren, ging er einkaufen. Oh, und wie er einkaufte! So viele Dinge, die er mit nach Hause nehmen wollte! Für unseren Vater kaufte er Mandelcreme und Cashewcreme und freute sich so sehr darüber! Noch mehr Brotaufstriche, Kuchen und alle möglichen Schokoladensorten für unsere Schwester! Und ja, noch etwas, was er mitnahm: gutes, deutsches Braunbrot!
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