Als ich zu Beginn 2007 Australien bereiste, besuchte ich auch wieder die Frau, von der ich euch erzählt hatte, die Dame, die fast den ganzen Tag online vor dem Computer verbrachte. Sie hatte ein großes virtuelles Leben und natürlich sprachen wir da auch darüber. Als ich von dem online-Verhalten meiner Landsmänner hörte, war ich… naja, was soll ich sagen… höchst amüsiert?
Ich bat sie, mir ein bisschen zu beschreiben, was sie online so machte und hatte erfahren, dass sie einen Großteil ihrer Zeit tatsächlich damit verbrachte, mit echten Menschen zu kommunizieren. Sie machte viel auf sozialen Medien und chattete auch fast den ganzen Tag lang mit verschiedenen Menschen.
Obwohl sie Australien nie verlassen hatte, wusste sie viel über verschiedene Teile der Welt – alles davon, dass sie vor dem Computer saß und mit Leuten aus unterschiedlichen Ländern sprach. Es war ziemlich beeindruckend, als sie mir kleine Dinge von unterschiedlichen Orten erzählte, die ich besucht hatte. Sie konnte nach Ländern online-Verhalten beschreiben und ich bestätigte ihr, dass es auch im wahren Leben so war. Bis sie zum Verhalten der Inder kam. Das war auf jeden Fall ganz anders als das wahre Leben – und zwar auf wahnsinnig komische Weise!
Sie sagte: ‘Wirklich, das allererste Thema, über das Inder sprechen wollen, ist Sex!‘ Man fängt an zu schreiben, fragt einander, wie es einem ging und gleich bekam man die Frage ‚Wie steht es um dein Liebesleben?‘ Ein Versuch, dem Thema zu entkommen, scheiterte immer! Auf ‚Alles gut‘ folgte die nächste Frage ‚Wie viele Male hast du in einer Woche Sex?‘ oder ähnliches! Sie lachte, während sie das erzählte und meinte, sie würde die Unterhaltung immer spätestens dann beenden, wenn sie fragten ‚Machst du mal deine Kamera an?‘
Ich musste auch lachen! Warum würde man denn jemanden, den man gar nicht kannte und der am anderen Ende der Welt an einem Computer saß, fragen, wie der Sex denn so sei? Sie erklärte mir, dass sie eigentlich eine sehr offene Person war und dass es ihr nichts ausmachte, hin und wieder über Sex zu sprechen – aber nicht immer und nicht ausschließlich!
Ihre Schlussfolgerung war, dass Inder entweder immer nur über Sex redeten – oder nie, weshalb sie es online ausleben mussten! Ich stimmte zu. Inder sprechen im Allgemeinen nicht mit jemand des anderen Geschlechts über Sex. Das gehört sich nicht. Online aber fühlen sie sich frei. Frei, endlich all die Dinge zu fragen, die sie im Kopf haben – weil sie sonst die Worte und Gedanken unterdrücken müssen!
Grundsätzlich ist das natürlich ein gesellschaftliches Problem – aber es war einfach lustig, den Ausdruck davon zu hören! Stell dir vor, das passiert dir im wirklichen Leben! Du triffst jemanden: ‚Hallo, wie geht’s dir?’ – ‘Gut, und wie steht’s mit deinem Sexleben?‘
🙂
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