Ich habe euch bereits erzählt, dass ich im Jahr 2006 mit vielen Homosexuellen Kontakt hatte. Einer der schwulen Männer, die ich damals traf, wurde zu einem guten Freund. Er hatte Interesse an Yoga und hatte sogar einen indischen Guru. Aus diesem Grund jedoch sah ich immer einen großen Konflikt in ihm: sein Guru hieß seine Homosexualität nicht gut!
Mein Freund war 23 Jahre alt. Jahrelang hatte er Interesse an Indien gehabt und obwohl er noch nie in meinem Heimatland gewesen war, war er von dessen Kultur, Traditionen und Schriften fasziniert. Er hatte jede Menge Bücher über Indien gelesen, was ihn natürlich auch beeinflusst hat. Er war eine ruhige Person mit spirituellem Naturell und Interesse an Yoga und Meditation. Das alles hat ihn zu seinem Guru gebracht, einem indischen Mann, der im Westen lebt, Yoga und die Yoga-Philosophie unterrichtet und Anhänger annimmt, die ihm folgen.
Wir haben im Sommer 2006 viel Zeit miteinander verbracht. Er kam zu meinen Programmen, nur um mich zu sehen und wir führten lange Gespräche auf Fahrten von einem Ort zum anderen. Bei solchen Gelegenheiten erzählte er mir, wie er sich schon als Junge nie zu Frauen hingezogen fühlte. Es fühlte sich für ihn natürlicher an, dass er Männer attraktiv fand. Solche Gefühle tauchten bei ihm nie auf, wenn er Frauen sah. Ich sah, wie natürlich seine Homosexualität für ihn war und so sagte er auch ‚Das bin einfach ich!‘
Doch immer, wenn er seinen Guru traf, sei das in Deutschland oder im Zentrum seines Guru in den USA, stieß er auf ein Problem: sein Guru erzählte ihm, dass seine Homosexualität ein Problem war, dass er lösen könnte und sollte. In der Hindu Religion und in strengen Yoga-Traditionen wird Homosexualität nicht akzeptiert. Er liebte seinen Guru, war jedoch verwirrt und geriet mit seiner eigenen Persönlichkeit in Konflikt, wenn er hörte, das sei eine Blockade, etwas, das an ihm falsch war und das er ändern oder woran er ‚arbeiten‘ sollte!
Ich konnte fühlen, wie ihn das tief im Inneren in einen Kampf stürzte. Es machte ihn unsicher auf dem Weg, den er ging, denn auf diesem Weg wurde nun ein Teil von ihm nicht akzeptiert! Er hatte das Gefühl, die Unterstützung und Wegweisung seines Gurus zu brauchen – weswegen er ja überhaupt einen Guru hatte – doch gleichzeitig wollte er nicht allem folgen, was sein Guru sagte!
Wenn er wegen seinem Guru versucht hätte, sich auf Frauen zu konzentrieren anstatt auf Männer, wäre er mit sich selbst nicht mehr ehrlich gewesen! Es war ein inneres Ringen und ich freute mich zu sehen, dass seine Persönlichkeit diesen Kampf gewann! Er konnte mit seiner natürlichen Wahrheit keine Kompromisse eingehen.
Leider jedoch war es ein Thema, das ihn dann immer beschäftigte.
Und es war nicht sein einziger innerer Kampf – aber mehr dazu an einem anderen Tag.
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