Zurück in Deutschland arbeiteten Yashendu und ich weiter so, wie wir es vor dem Tod meiner Schwester getan hatten. Wir reisten von einem Ort zum anderen, blieben überall etwa eine Woche lang, gaben Workshops und Einzelberatungen. Wenn im Leben etwas Schlimmes geschieht, muss man weitermachen, aber Tragödien verändern das Leben eben doch – und das merkt man auch im Alltag.
Wir reisten zusammen mit unserem indischen Flötenspieler in viele verschiedene Städte Europas. Wir waren schrecklich traurig, aber sogar in dem Zustand kamen wir mit Leuten in Kontakt, machten unsere Workshops, lächelten und teilten. Wenn man seinen Verstand mit etwas anderem als seiner Trauer beschäftigt, ist es einfacher, nicht daran zu denken, nicht wieder in die Trauer zu verfallen und einfach so zu reagieren, zu denken und zu sprechen, wie man das normal auch tun würde. Doch während den Einzelsitzungen musste ich oft an meine Schwester denken.
Die Leute kommen zu mir, um ihre Probleme mitzuteilen und oft sind diese von emotionaler Natur. Als eine Frau damals zu mir kam und mir erzählte, dass ihr Ehemann gestorben war, wie hätte ich da nicht an meine Schwester denken können? Ich teilte meine eigene Trauer mit ihr. Zusammen saßen wir einfach nur eine Weile da und spürten die Liebe für die, die gegangen waren. Wir teilten das Gefühl, einen geliebten Menschen im täglichen Leben zu vermissen. Am Ende sagte ich ihr, wir müssten weitermachen und wir sahen uns an in dem Wissen, das wir beide genau das tun würden.
Ein anderes Mal kam eine junge Frau und erzählte mir von einem großen Streit mit ihrem Bruder. So schlimm war es gewesen, dass sie allen Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. In Tränen erzählte sie mir, dass sie ihn liebte, dass sie ihn aber auch nie wiedersehen wollte. Gegensätzliche Emotionen. Ich konnte nicht anders als froh sein, dass meine Schwester und ich nie einen solchen Streit gehabt hatten. Ich erinnerte diese Frau an die Tatsache, dass das Leben sehr kurz sein kann. Sie liebte ihn und in diesem Wissen sollte sie diesen Streit nicht das Letzte sein lassen, das zwischen den beiden geschah. Beende nicht alles mit einem Streit – man weiß nie, was morgen sein wird!
Mehrere Male weinte ich mit Freunden, die sie gekannt hatten. Wir erinnerten uns zusammen an sie und ich spürte wieder einmal die Unterstützung derjenigen, die mich liebten.
Das Leben ging weiter und gleichzeitig war Para immer bei mir und kein Tag ging vorbei, an dem ich nicht an sie dachte.
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