Letzte Woche habe ich euch von der privaten Tanzvorführung erzählt, die mir eine meiner Organisatorinnen 2005 gab und die mich zwar nicht sonderlich interessierte, mich jedoch in eine seltsame Situation brachte. Sie arbeitete sowieso mit etwas, was sie Tantra nannte – sie gab Workshops und Massages, die den Menschen beibringen sollten, wie sie ihre sexuelle Energie stimulieren. Zusätzlich zu dem Unbehagen, das mir dieses Wissen bereitete, wenn ich an meine Arbeit in ihrem Zentrum dachte, wusste ich jetzt, dass sie wegen meiner Zurückweisung enttäuscht war. Es war keine schöne Situation, aber während ich mich in der Nacht fragte, was ich tun sollte, beschloss ich, einfach das Beste daraus zu machen. Leider lief nicht einmal das so wie geplant.
Ich began den Tag, als wäre am Abend zuvor überhaupt nichts geschehen. Ich freute mich zu sehen, dass auch sie offensichtlich über ihre Enttäuschung hinweggekommen war. Sie erzählte mir von dem Programm, das sie für mich geplant hatte und dass ich am Abend eine Gruppenmeditation haben würde. Ich begann meine Arbeit.
Meine Organisatorin hatte eine Assistentin, die in der Früh in das Zentrum kam und half, meinen Terminplan zu organisieren und die Menschen willkommen zu heißen, die zu mir kamen. Ich hatte ein paar Einzelsitzungen und natürlich hatten wir auch ein bisschen Smalltalk. Es war am Nachmittag, als diese neugierige, fröhliche Frau sich traute, mich etwas persönlichere Dinge zu fragen: ‚Mir wurde gesagt, dass du mehr an Männern interessiert bist als an Frauen. Stimmt das?‘ – Ich war sprachlos! Mit einem Lachen sagte ich ihr, dass ich mich überhaupt nicht zu Männern hingezogen fühlte – aber ich wusste genau, warum meine Organisatorin dieses Gerücht verbreitete! Ich hatte ihrem deutlichen Versuch der Verführung widerstanden. Die logische Schlussfolgerung für sie war offensichtlich, dass ich schwul sein musste!
Dieses Gespräch ließ mich an eine Email denken, die ich gerade bekommen hatte: geschrieben von einem Mann, der eine Anziehung zu mir zu verspüren schien – doch mit der eindeutigen Sprache las die Mail sich wie etwas, das Schwulenporno hätte sein können, wenn es in einem Buch veröffentlicht worden wäre. Zusammen mit der Information, dass solche Gerüchte kursierten, wusste ich jetzt, wie eine solche Email in meinem Posteingang gelandet war.
Es war eine komische Situation, in der ich mich da befand, aber naja, dachte ich, das Gerücht, dass ich schwul war, war etwas, das mich eigentlich weder schädigte noch beleidigte – also beschloss ich, auch keine große Sache daraus zu machen.
Am Abend jedoch musste ich ein ganz anderes Thema ansprechen, weil mir da etwas wirklich nicht gefiel: als die Teilnehmer zur Meditation kamen, legte die Organisatorin meine Flyer auf einem Tisch aus. Auf den Teil der Broschüre jedoch, wo normalerweise meine Kontaktinformationen mit Internetseite, Email-Adresse und Telefonnummer steht, hatte sie ihre eigene Information so draufgeheftet, dass es unmöglich war, meine darunter zu lesen! Niemand war so in der Lage, mich zu kontaktieren oder auf meine Internetseite zu gehen!
Wir hatten nicht mehr viel Zeit vor der Meditation und als ich sie deswegen fragte, antwortete sie nur kurz ‘Ich will die Exklusivrechte für deine Arbeit in Australien! Ich werde alle Buchungen im ganzen Land für dich machen – lass uns da später drüber sprechen!‘ Es wurde immer seltsamer und auch schwieriger, ruhig zu bleiben und sich normal zu verhalten. Das tat ich dann jedoch und führte eine sehr schöne Meditation mit ziemlich vielen Teilnehmern an.
Die Leute hatten den Flyer mit ihrer Kontaktnummer mitgenommen und sogar nachdem sie alle weg waren, klingelte noch mehrere Male ihr Telefon und Leute waren dran, die Einzelsitzungen buchen wollten. Sie ging zum Telefonieren aus dem Zimmer, in dem ich saß und während ich mich ein bisschen entspannte, hörte ich ihre Unterhaltung – was das Ausschlaggebende dafür war, dass ich schließlich meine Meinung änderte.
Da war jemand am Telefon, der ganz offensichtlich Interesse an einer Einzelsitzung hatte und ich hörte sie sagen ‚Du solltest so eine Sitzung mit ihm ausprobieren. Ich habe von Leuten gehört, die das schon erlebt haben: sie fühlten sich, als würden sie schweben und haben tantrische Energien gespürt wie noch nie zuvor! Ich habe gehört, er zieht Männer vor – eine Sitzung mit ihm würde dir also bestimmt großes gut gefallen!‘
Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits ein sehr klares Bild davon, was für Arbeit sie machte und als ich sie so reden hörte, beschloss ich, dass ich mit dieser Frau unter keinen Umständen mehr zusammenarbeiten konnte! Sie würde meinen Workshop als sexuellen Tantra-Workshop verkaufen, obwohl ich nur Yoga machte und dazu würde sie den Leuten solche Dinge erzählen!
Die Entscheidung war getroffen – aber was sollte ich nun tun? Wie sollte ich ihr das erklären und wo sollte ich hingehen, da ich ja nicht dortbleiben wollte? Nächste Woche erzähle ich euch, wie all diese Fragen und Probleme gelöst wurden!
Related posts
Als mein Vater lebte… und doch nicht meiner war
Meine Beziehung zu meinem Vater
Neues Kapitel im Leben, Herausforderungen und Lektionen
Sexuell missbrauchte elfjährige Schwester und mein Schuldgefühl, dass ich sie nicht retten konnte!
Ich wurde von meiner Familie in Indien in den Rücken gestochen
Herausforderungen mit überwältigender Resonanz auf Ammaji’s Restaurant – 1 Mai 16
Mein Tag als Kellner – 24 Apr 16
Ramonas erster Geburtstag als Restaurant-Besitzerin – 20 Mär 16

